Feuerwerk der Tollpatschigkeit

Die Bohemians Company führte die Komödie „Dinner für Spinner“ von Francis Veber in der Heusweiler Kulturhalle auf. 100 Zuschauer waren hellauf begeistert nach zwei Stunden voller Wortwitz, Tempo und Chaos.

"Über Blödmänner kann man sich ruhig lustig machen, wozu sind sie sonst da?" So denkt der Verleger Pierre Brochant (Gerhard Wagner), ein Widerling, der sich allwöchentlich mit Freunden zu einer Dinner-Party trifft, bei der jedes Mal einer von ihnen einen ausgemachten Schwachkopf mitbringt. Brochant hat sich den Finanzbeamten und leidenschaftlichen Streichholz-Modellbastler Francois Pignon (Michael Ensminger) ausgesucht - einen Obertrottel, mit dem er alle zum Lachen bringen wird. So jedenfalls glaubt Brochant. Doch manchmal kommt Hochmut vor dem Fall.

Brochant ereilt ein Hexenschuss, er muss zu Hause bleiben. Und als Pignon erscheint, um ihn zum Dinner abzuholen, ist ihm Brochant hilflos ausgeliefert. Pignon bringt durch ein Feuerwerk der Tollpatschigkeit das Leben des Verlegers völlig durcheinander. Pignon erweist sich als schlichtes Gemüt mit der Lizenz, in jedes Fettnäpfchen zu treten, jagt Brochants Ehefrau (Carina Schneider) aus der Wohnung, lädt ungebetene Gäste ein und informiert einen Finanzprüfer (Jochen Sauer) über die unversteuerten Vermögenswerte des Verlegers - das alles nur mit der guten Absicht, seinem neuen "Freund" zu helfen.

Die Bohemians Company führte die Komödie "Dinner für Spinner" von Francis Veber in der Heusweiler Kulturhalle auf, und 100 Zuschauer waren hellauf begeistert. "Wahnsinn!", "Köstlich!", "Großartig!" waren die am häufigsten benutzten Worte nach zwei Stunden voller Wortwitz, Tempo, Chaos und Nachdenklichkeiten. Inszeniert wurde das Stück von Nicolas Schneider, der sein Regiedebüt bei den Bohemians gab, weil sich Spielleiterin Sandra Klein eine künstlerische Schaffenspause auferlegt hatte. "Als Sandra mich fragte, ob ich die Regie übernehmen will, habe ich spontan ja gesagt. Zumal mich das Stück sehr gereizt hat", sagte Schneider im SZ-Gespräch. Textlich hat er sich an die Originalvorlage gehalten, nur bei Inszenierung und Rollenverständnis hat er eigene Stilnoten eingebracht.

"Der Spinner ist im Original ein wenig überzogen, ich habe ihn so angelegt, dass man sich zwischenzeitlich sogar in ihn verlieben kann", so Schneider. Ensminger lief mit überragender Mimik zu Hochform auf. Ganz stark auch Wagner, vor allem in Szenen, in denen er seine Wut nur mühsam verbergen konnte. Auch alle anderen überzeugten. So Brochants Geliebte (Nadine Fleckinger), sein Kumpel Juste (Thorsten Stopp), der Arzt (Dennis Dittgen), die Krankenschwester (Sandra Klein) sowie ein Lebemann (Matthias Dietzen) in den Nebenrollen.