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Alle Wetter! Das war ein Sommer ...
Ein Sommer, der Geschichte schreibt

11. Juni 2018 am Heusweiler Marktplatz: Der Himmel holt kurz Luft, dann ergießen sich Wassermassen über den Ort. Es war im Köllertal ein Sommer der Gegensätze, mit gigantischen Regengüssen und extremer Trockenheit.
11. Juni 2018 am Heusweiler Marktplatz: Der Himmel holt kurz Luft, dann ergießen sich Wassermassen über den Ort. Es war im Köllertal ein Sommer der Gegensätze, mit gigantischen Regengüssen und extremer Trockenheit.
Köllertal. Extreme Kontraste im Köllertal: Rekordregen im Juni, Gluthitze im Juli und August – ein Wetterrückblick Von Jörg Hoffmann

Das Köllertal erlebte einen Sommer der großen Gegensätze und Extreme, mit Jahrhundertregen und Trockenheit gleichermaßen. Auf den absolut regenreichsten Juni der Wetterstation Eiweiler folgte der trockenste Juli – dass solche Rekorde aufeinander gefolgt sind, stellt ein besonderes Kuriosum dar und dürfte einmalig in den vergangenen Jahrzehnten sein. Auf einen beispiellosen Unwettermonat Juni, der am 11. Juni in Eiweiler den absoluten Tagesrekord mit 85,5 Millimeter Niederschlag gebracht hatte, folgte ein mediterran geprägter Juli und August, wobei sich ab der letzten Julidekade eine lang anhaltende Hitzewelle einstellte, die mit kurzen Unterbrechungen bis Ende der ersten Augustdekade anhielt.


Das Ausmaß der Hitzeperiode war vergleichbar mit der vom Sommer 2015 und vor allem 2003, wobei besonders im Norden und Osten Deutschlands der Sommer 2003 sogar übertroffen wurde, und man dort zu Recht von einem Jahrhundertsommer sprechen kann. Allerdings bleibt im Saarland, sowie im Westen, Südwesten und Süden Deutschlands der Sommer 2003 unangefochtener Rekordhalter.

Bei einem Temperaturmittel von 19,5 Grad erlebten wir nicht nur den zweitwärmsten Sommer der Messreihe, sondern seit es Aufzeichnungen gibt. Insgesamt war der saarländische Sommer 2,8 Grad wärmer als „normal“, im Sommer 2003 waren es sogar 3,8 Grad gewesen.



Auch alle anderen wichtigen Wetter-Parameter in Bezug auf die Temperaturen belegen bei uns den zweiten Rang hinter 2003: Es gab 60 Sommertage, also Tage mit mindestens 25 Grad Höchsttemperatur (2003: 67), und 20 „heiße Tage“ über 30 Grad Celsius (2003: 23). Der Sommer 2018 erfreute uns mit 44 Heiteren Tagen, 2003 brachte es sogar auf 55 Heitere Tage.

Die Sonne strahlte diesen Sommer 821 Stunden auf das Köllertal, was 191 Überstunden bedeuten, 2003 schien die Sonne sogar 923 Stunden „unbewölkt“.

In Sachen Regen gibt’s auch markante Daten: Bei einer Niederschlagssumme von 304,3 Liter auf den Quadratmeter war der Sommer 2018 um 30 Prozent zu nass, was allerdings nur an dem Juni-Rekord lag, denn im Juli und August herrschte insgesamt eine Trockenheit, die jedoch im Vergleich zu vielen Regionen im Norden und Osten Deutschlands bei uns noch moderat ausfiel.

In Mitteleuropa insgesamt herrschte in diesem Sommer Mittelmeerklima – Hitze und Trockenheit erreichten Dimensionen, wie sie sonst nur in den südlichen Urlaubsländern zu finden sind. Ursache war ein großräumig stabiles Strömungsmuster, das Hochdrucklagen über Nordwest- und Nordeuropa hervorbrachte, so dass atlantische Tiefs und damit auch die Westwindströmung vollständig blockiert wurde, was auch zu der besonders extremen Dürre in vielen Teilen Deutschlands geführt hatte.

Der Juni wurde durch wiederholte „Starkregenereignisse“ in der ersten Monatshälfte zum regenreichsten Juni der Eiweiler Messreihe mit einer Regensumme von 218,7 Liter pro Quadratmeter, was einem Monats-Überschuss von fast 200 Prozent entspricht.

In der Nacht zum 1. Juni zogen aus Südosten unwetterartige Gewitter mit Starkregen ins Saarland, die durch das Hitzetief Wilma hervorgerufen wurden und in Eiweiler eine Niederschlagsmenge von 57,1 Millimeter gebracht haben. Besonders schwer betroffen wurde dabei das südliche Saarland im Bereich von Kleinblittersdorf und Bliesransbach, wo Schlammlawinen und heftige Überflutungen große Verwüstungen angerichtet haben. Der 11. Juni stellte gleichzeitig den Höhepunkt und das Finale der langen Unwetterserie dar: Binnen zwei Stunden sorgten ab dem frühen Nachmittag zwei dicht aufeinander folgende Unwetter vor allem in der Mitte des Saarlandes für extremen Starkregen. Dabei wurde Eiweiler von einem Jahrhundertregen getroffen – die Eiweiler Wetterstation registrierte in diesen zwei Stunden  85,5 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Es kam zu Überflutungen und Sturzbächen in den Straßen, auch die Ortsmitte von Eiweiler wurde überflutet, zahlreiche Keller standen unter Wasser und die Autobahn 8 bei Heusweiler wurde überschwemmt. Der Köllerbach wurde in Heusweiler zum Fluss, der das Ortszentrum überflutete und für Schäden an den Saarbahngleisen sorgte, die den Saarbahnverkehr in Heusweiler über Wochen lahmlegten und behinderten. Selbst wenn man über 80jährige Heusweiler Bürger fragte: So etwas hatten sie noch nicht erlebt. So ist es sicher nicht übertrieben, von einem Jahrhundertereignis zu sprechen, da auch die statistischen Wiederkehrzeiten für solche Regenmengen 80 bis 100 Jahre betragen.

Die zweite Junihälfte brachte Wetterberuhigung, und zum kalendarischen Sommerfang sorgte ein Kaltlufteinbruch für Temperaturen um 17 Grad. Zum Monatsende setzte Erwärmung ein und ein Hoch über Nordeuropa bescherte sonniges und heißes Sommerwetter.

Der Juli war mit einem Mittelwert von 21,1 Grad der zweitwärmste Juli der Messreihe hinter 2006. Es traten 31 Warme Tage, 27 Sommertage und neun Heiße Tage auf. In Sachen Hitze und Trockenheit wurde dabei der bisherige zweitplatzierte Juli 2015 noch übertroffen, denn bei einer Niederschlagssumme von nur 17,8 Millimeter wurde er zum trockensten Juli der Eiweiler Wetterstation. Der Juli startete auch hochsommerlich, dann funkten bis zur Monatsmitte Schauer und Gewitter dazwischen, ehe der Hochsommer, dank stabiler Hochs, so richtig Fahrt aufnahm. Eine Hitzewelle schwappte zu Beginn der Hundstage ins Köllertal und ließ die Temperaturen bis 35 Grad steigen.

Der August verlief bei einem Mittelwert von 19,9 Grad um drei Grad zu warm und war damit der drittwärmste August hinter 2015 und dem Rekord-August 2003. Die Hitzeperiode war vergleichbar mit der von 2015 und 2003, nur nicht ganz so intensiv und lang anhaltend wie damals. Nach einem kurzen Temperatursturz zum Start in den August steigerte sich die Hitze in der Folge wieder. Trocken-heiße Subtropikluft schuf Verhältnisse wie am Mittelmeer mit extremer Gluthitze, die am 7. August für die dritthöchste Temperatur der Messreihe gesorgt hat. Erst zum Monatsende wurde es wechselhafter und kühler.

Da aber einzelne Wetter-Ereignisse nicht unbedingt Rückschlüsse auf das Klima als Ganzes zulassen, muss der bemerkenswerte Sommer 2018 nicht zwangsläufig ein Zeichen für Klimawandel sein. Dürre, Hitze und extreme Starkregen können auch einfach nur eine Laune der Natur sein. Erst in Jahren und Jahrzehnten werden wir wissen, ob der Sommer 2018 tatsächlich einen Trend für die Zukunft gewesen war.

Jörg Hoffmann betreibt seit 1987 eine Wetterstation im Heusweiler Ortsteil Eiweiler. Er ist auch der Autor unserer wöchentlichen „Wetter-Kapriolen“, dem Wetterbericht zum Köllertal.
Jörg Hoffmann betreibt seit 1987 eine Wetterstation im Heusweiler Ortsteil Eiweiler. Er ist auch der Autor unserer wöchentlichen „Wetter-Kapriolen“, dem Wetterbericht zum Köllertal. FOTO: Fred Kiefer