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Kirche im Köllertal in der Krise
Evangelische Pfarreien fusionieren

Die Heusweiler Pfarrerin Kerstin Marx und ihr Güchenbacher Kollege Dr. Tobias Kaspari, hier vor dem Portal der evangelischen Kirche in Holz, sind jetzt gemeinsam auch für die Kirchengemeinde Wahlschied-Holz zuständig.
Die Heusweiler Pfarrerin Kerstin Marx und ihr Güchenbacher Kollege Dr. Tobias Kaspari, hier vor dem Portal der evangelischen Kirche in Holz, sind jetzt gemeinsam auch für die Kirchengemeinde Wahlschied-Holz zuständig. FOTO: Fred Kiefer
Köllertal. Anfang 2024 wollen die vier evangelischen Kirchengemeinden im Köllertal fusionieren. In dieser Großgemeinde soll es drei Pfarrbezirke geben. Die Gemeinde Wahlschied-Holz wird bereits jetzt von den Nachbar-Pfarreien aus mitbetreut.

Im jüngsten Gemeindebrief der vier Köllertaler Pfarreien stand es zu lesen: Zum 1. Januar 2024 wird es zur Fusion aller vier Kirchengemeinden im Köllertal kommen – mit dann etwa 9000 Gemeindemitgliedern. Innerhalb dieser großen Gemeinde sollen drei Pfarrbezirke erhalten bleiben, wobei die bisherige Gemeinde Wahlschied-Holz an Nachbargemeinden angegliedert wird. Allerdings befindet sich die Gemeinde Wahlschied-Holz bereits im Umbruch. Einen eigenen, nur für diese Gemeinde zuständigen Pfarrer gibt es schon nicht mehr.


25 Jahre lang war Jens Wilke Pfarrer der Gemeinde Wahlschied/Holz, bereits im Juni 2014 war er in den Ruhestand gegangen. Dann war 19 Monate lang Anja Schild, Pfarrerin im Probedienst, in der Pfarrei im Einsatz, allerdings nur mit einer halben Pfarrstelle, so dass bereits in dieser Zeit die Pfarrer der drei anderen Köllertaler Pfarreien miteinbezogen waren: Professor Joachim Conrad (Gemeinde Kölln), Kerstin Marx (Gemeinde Heusweiler) und Dr. Tobias Kaspari (Gemeinde Güchenbach).

Anja Schild wechselte schließlich zu Jahresbeginn in die evangelische Pfarrei Völklingen. So teilen sich jetzt Pfarrerin Kerstin Marx und Pfarrer Tobias Kaspari die Aufgaben in der Kirchengemeinde Wahlschied-Holz, die aber – noch – als eigenständige Gemeinde bestehen bleibt. Und wie sieht die Arbeitsteilung aus? Kerstin Marx wurde, neben ihrem Amt als Pfarrerin von Heusweiler, auch die Pfarrstelle von Wahlschied-Holz sowie die Leitung des Presbyteriums dieser Kirchengemeinde übertragen. Zudem wurde noch ein so genannter Geschäftsbesorgungsvertrag mit der Kirchengemeinde Güchenbach abgeschlossen. Darin wird geregelt, dass Tobias Kaspari die Gottesdienste und weitere Amtshandlungen in Holz übernimmt. Pfarrerin Marx ist für Wahlschied und Kutzhof mit seinen Ortsteilen verantwortlich, zudem für den Quierschieder Ortsteil Göttelborn, der ebenfalls zur Pfarrei gehört.



Ein Zusammenrücken der Pfarreien hatte sich bereits abgezeichnet. Hintergründe sind die rückläufigen Zahlen an Gemeindemitgliedern und auch an Pfarrern. Bereits Anfang November hatten die Pfarrer Conrad und Kaspari sowie Pfarrerin Schild im Gespräch mit der SZ über den Mitgliederrückgang gesprochen: Heusweiler und Wahlschied-Holz hatten innerhalb von drei Jahren jeweils etwa 200 Mitglieder eingebüßt, die Kirchengemeinde Güchenbach in Riegelsberg war innerhalb von sechs Jahren um 300 Mitglieder geschrumpft, die Gemeinde Kölln hatte – allerdings innerhalb von 30 Jahren – 300 Mitglieder weniger verzeichnet. Hinzu kommt die drückende finanzielle Last insbesondere durch den Unterhalt der zahlreichen Kirchengebäude. So sagte Conrad im November: „Die vier evangelischen Kirchengemeinden im Köllertal haben zusammen sechs Kirchen, mit zwei kämen wir auch aus. Wenn es gut läuft, kommen um die 50 Leute zum Gottesdienst.“ Drei Pfarrstellen, so die Pfarrer schon im November, würden für das Köllertal reichen, und mehr seien auch nicht finanzierbar.

Auch digital sind die vier Kirchengemeinden, mit einem gemeinsamen Internetauftritt unter dem Namen „Evangelisch im Köllertal“, schon eng zusammengerückt.

Die ehemalige Friedenskirche in Quierschied-Göttelborn am Tag ihrer Entwidmung am 1. April 2012. Der Turm ist inzwischen abgerissen.
Die ehemalige Friedenskirche in Quierschied-Göttelborn am Tag ihrer Entwidmung am 1. April 2012. Der Turm ist inzwischen abgerissen. FOTO: Jörg Martin
(aki)