Ein Fest rund um den Gerstensaft

Wenn das mal kein Geburtstag ist: 500 Jahre Reinheitsgebot fürs deutsche Bier – das wurde in Eiweiler groß gefeiert. Dazu gab's Musik, Brauereiführungen, Informationen und auch ein Jubiläumsbier.

500 Jahre ist ein lange Zeit, vor allem, wenn es sich um ein lebensmittelrechtliche Vorschrift handelt. Die Rede ist vom Reinheitsgebot für Bier , das der bayerische Fürst Wilhelm IV. 1516 in Ingolstadt erlassenen hat. Um das Jubiläum zu feiern, hatten die Eiweiler Grosswald-Brauerei und Brauereichef Alexander Kleber für Samstag zu einem großen Fest und zu Führungen in die Brauerei eingeladen. Die Idee zündete offensichtlich, denn die Besucherschar in dem Unternehmen und in der Hofgut-Scheune war gewaltig, manch einer wähnte sich gar auf einem Oktoberfest. Die Gäste hatten dabei auch Gelegenheit, sich über den Prozess der Bierherstellung zu informieren, um anschließend das Produkt in der Hofgut-Scheune zu testen.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes ist auch ein Kulturkampf um das erfolgreichste Getränk der Menschheitsgeschichte entbrannt. Dabei stehen sich Brau-Traditionalisten und die Vertreter der sogenannten Craft-Beer-Bewegung gegenüber. Letztere wollen den Geschmack der verschiedenen Biersorten erweitern - je nach Betrachtungsweise kreativ oder fragwürdig durch Rezepturen etwa mit Zutaten wie Früchte oder Gewürze. Gestritten wird deshalb über historische Brauverfahren, künstliche Zusatzstoffe, technische Hilfsmittel sowie rechtliche und bürokratische Hürden auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene.

Auch Alexander Kleber befasste sich in seiner Rede mit dem Thema. Er zitierte aktuelle Umfragen, nach denen 81 Prozent der Befragten Wert auf das Reinheitsgebot legen. Kleber sprach auch von der Sorge der Brauwirtschaft, denn, so der Brauereichef weiter, der Bierkonsum sei seit 1980 von 146 Liter pro Kopf und Jahr auf heute 107 zurückgegangen. Der Markt sei folglich komplizierter geworden, neue Ideen und neue Märkte seien die Folge dieser Entwicklung. Für Kleber sind diese neuen Biersorten "interessante Alternativen", die dem traditionellen Bier neue Zielgruppen erschlössen.

Nach so viel Theorie schenkten die Grosswälder aus Eiweiler den Gästen ein Grosswald-Jubiläumsbier aus, ein leichtes Helles. Dazu bliesen die Dorfdudler aus Bubach stimmungsvolle Volksmusik in die volle Scheune, es gab Deftiges, passend zum Bier , aus der Küche und am Abend machte die Big Band "Sound of Fire" ihre Aufwartung.

Zum Thema:

Hintergrund Frühzeit des Bieres: Möglicherweise gab es schon vor über 9000 Jahren Vorläufer des Bieres. Tongefäße aus dieser Zeit, gefunden in der nordchinesischen Provinz Henan, deuten darauf hin, dass darin gegorene Getränke aus Reis, Honig und Früchten aufbewahrt wurden. Auch im "Fruchtbaren Halbmond" (heute Teile von Südirak, Nordsyrien, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien bis zum Norden Ägyptens) entdeckten die Menschen vermutlich schon vor 10 000 Jahren, dass Getreidebrei, den man einige Tage stehen lässt, zu gären beginnt. Die Ägypter haben halbfertig gebackenes Brot mit Wasser zu einer Art Bier vergoren. In Mesopotamien gab es im 3. Jahrtausend v. Chr. schon über 20 Biersorten , belegen schriftliche Überlieferungen. Auch in Mitteleuropa sind bierähnliche Getränke seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen (das früheste aus einem Grab in Ostjütland). Die Kelten kannten mehrere Biersorten , weit verbreitet war "Korma" oder "Curma", ein einfaches Gerstenbier, und - für Wohlhabende - Cervisia, ein Weizenbier mit Honig. Für die Germanen sei Bier das Hauptgetränk, schilderte der römische Geschichtsschreiber Tacitus und beschreibt es als "eine Flüssigkeit aus Gerste oder Weizen". Tödliche Bier-Gesetze: Die älteste bekannte "Bier-Schankordnung" der Welt ist etwa 3700 Jahre alt und findet sich in der babylonischen Gesetzessammlung "Kodex Hammurabi" - und sie ist überaus rigoros, denn darin heißt es unter anderem: eine Wirtin, die minderwertiges Bier ausschenkt, soll ertränkt werden; eine Priesterin, die ein Bierhaus aufsucht, wird verbrannt; eine Wirtin, die staatsgefährdende Diskussionen duldet ohne es der Staatsmacht zu verraten, wird getötet. Und Bierpanscher werden in ihren Fässern ertränkt oder so lange mit Bier vollgegossen, bis sie ersticken. red