Domina-Szene bei der Kleinen Bühne Niedersalbach

Ungewöhnliche Herausforderungen für die Kleine Bühne Niedersalbch : Da flogen auch ungewollt die Fetzen

Im neuen Stück hatte die Kleine Bühne Niedersalbach Ungewöhnliches zu meistern. Da fielen dann auch schon mal in einer mit Elan vorgetragenen Domina-Szene Requisiten von der Bühne.

Für den Startschuss zur Sessionseröffnung des Heimat- und Verkehrsvereins Niedersalbach sorgt Jahr um Jahr die Kleine Bühne Niedersalbach mit einem Theaterstück. Diesmal hatte man sich die Boulevardkomödie „Camping, Koks und Hollywood“ von Bernd Spehling ausgesucht. Die Kleine Bühne wurde dabei vor völlig neue Herausforderungen gestellt. So verlangt das Stück 18 Rollen – so viele Schauspieler haben die Niedersalbacher gar nicht! Problem gelöst, indem man gleich vier Akteure Doppelrollen spielen ließ. Zweite Herausforderung: eine Schauspielerin musste krankheitsbedingt kurz vor der Premiere passen; Problem gelöst, indem sich Désirée Becker den Text in nur drei Tagen anlernte und in einer Doppelrolle umsetzte.

Herausforderung Nummer drei: Das Bürgerhaus war wegen eines Brandschadens geschlossen; Problem gelöst, indem man kurzfristig in die Heusweiler Kulturhalle umzog und dort auf viel kleinerer Bühne agierte. Ganz ohne Bruch ging das aber nicht ab, doch dazu später; zunächst zum Inhalt: Drei arbeitsscheue Beamte führen im Kurverwaltungsbüro der Insel Halligström ein sehr beschauliches Dasein. Die Insel ist vom Festland abgeschnitten, und so können sich Amtsvorsteher Göckel (Marcus Meiser) und seine Kollegen Thies (Michael Münz) und Evi (Doris Tost-Mayer) den ganzen Tag lang Dingen widmen, die Spaß machen, aber nichts mit Arbeit zu tun haben. Diese paradiesischen Zustände ändern sich, als ein Damm gebaut wird und verrückte Camper, exzentrische Künstler, eigenwillige Bauherren, eine Hollywood-Diva nebst Manager sowie ein Fernsehteam die Beamten zum Arbeiten zwingen wollen.

Die Komödie bezieht ihren Reiz aus den witzigen Gegensätzen der Charaktere und den schrulligen Eigenheiten der Protagonisten. Um der Sache noch mehr Pepp zu verleihen, ließ Regisseurin Désirée Becker ihre Schauspieler in vielen Sprachen reden. Es wurde englisch gesprochen, „französelt“, sowie in ostfriesisch, pfälzisch, hamburgisch, saarländisch und Ruhrpott-Slang parliert. Am einfachsten fiel das der waschechten Pfälzerin Doris Tost-Mayer, die ein echter Gewinn für die Kleine Bühne ist, sowie der Saarländerin Kerstin Foster, die eine beängstigend gute Domina gab. Sie hatte aber in ihrem devoten „Kunden“ Marcus Meiser einen kongenialen Partner. Ihre Prügelszene auf dem Schreibtisch entwickelte sich zum ungewollten Höhepunkt des Stückes.

Wie wir hinterher erfuhren, hatte sich Marcus Meiser auf Grund der Probeerfahrungen extra dicke Schaumstoffeinlagen in seinen Slip einpassen lassen. Doch Kerstin Foster prügelte ihn trotzdem so windelweich, dass Schreibtisch, PC, Monitor und Blumentöpfe – ungewollt – von der Bühne stürzten.

Forster und Meiser überspielten die Aufräumarbeiten grandios: „Das hatte durchschlagenden Erfolg“, schmunzelte Meiser. Und Forster meinte ironisch: „Können wir das vielleicht nochmal machen?“

Grandios auch Bühnenneuling Marc Meiser als lispelnder Impressario sowie Sibylle Lesch als Kurdirektorin, die jeden Satz mit Kopfbewegungen, die dem Gang eines Hühnchens glichen, beenden musste. Auch Bürgermeister Thomas Redelberger als Camping-Proll mit Fokuhila-Perücke und Netz-T-Shirt war zum Wegschreien. Nicht nur, weil er sich ausgiebig – wie weiland Jogi Löw – ständig an einer bestimmten Stelle kratzen musste.

Im März 2019 wird die Komödinoch einmal in der Kulturhalle aufgeführt.