Die Überlebenden

Niedersalbach · Wo kommen wir her? Genauer: Wer waren im Köllertal unsere Vorfahren? Mitte des 17. Jahrhunderts gab es nur noch 16 Familien im Köllertal, deren Namen verbürgt sind. In einem Vortrag des Heimatkundlichen Vereins ging es jetzt auf Spurensuche.

 Die Burg Bucherbach: Bereits während des 30-jährigen Krieges, nach dem das Köllertal fast komplett entvölkert war, wurde sie stark zerstört (und später als Steinbruch genutzt). Foto: Becker & Bredel

Die Burg Bucherbach: Bereits während des 30-jährigen Krieges, nach dem das Köllertal fast komplett entvölkert war, wurde sie stark zerstört (und später als Steinbruch genutzt). Foto: Becker & Bredel

Foto: Becker & Bredel

Sollten Sie, lieber Leser, etwa Diehl , Büch, Huppert oder Michler heißen, so könnten Sie zu den Köllertaler "Ur-Familien" gehören, die den 30-jährigen Krieg überlebt haben. "Die Köllertaler Stammfamilien" hieß ein Vortrag von Hans Joachim Klein, Vorsitzender des Heimatkundlichen Vereins Köllertal, im Bürgerhaus Niedersalbach .

Der 30-jährige Krieg - genau genommen waren es mehrere sich überschneidende Religions- und politische Kriege - tobte zwischen 1618 und 1648 in Europa und entvölkerte ganze Landstriche durch Kämpfe, marodierende Soldaten, Hunger und Seuchen. Nach diesem Krieg waren auch an der Saar viele Gebiete verwüstet und nahezu menschenleer. So sind aus dem Köllertal gerade mal 16 Familiennamen gesichert überliefert, von denen Angehörige die menschengemachte Katastrophe überlebt hatten - etwa ein Vorfahre der Familie Michler, der nach Metz geflohen und später zurückgekehrt war. "Auf der französischen Seite hat man sich damals wohl sicherer gefühlt als auf der kaiserlichen Seite", so Karl Klein, beim Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, im Gespräch mit der SZ. Der Vorsitzende Klein und der Pressesprecher Klein sind übrigens nicht direkt miteinander verwandt, haben aber gemeinsame Vorfahren und stammen beide auch von einer der überlebenden Familien ab.

Es gibt nur wenige Dokumente, welche die Zeiten überdauerten und auch die alten Namen verraten, etwa, wie von Hans-Joachim Klein angeführt, die so genannte Türkenschatzungsliste von 1542 (in der es letztlich um das Eintreiben von Steuern ging); in dieser Liste sind Rufnamen, Berufe oder auch soziale Stellung der Besteuerten verzeichnet. Oder die "Renovaturprotokolle" von 1684, in denen die Besitzverhältnisse der Bauerngüter (Vogteien) beschrieben und die Eigentümer genannt werden. Es waren allerdings Zeiten, in denen man sich um eine gleichbleibende Schreibweise keine großen Gedanken machte und Namen unterschiedlich geschrieben werden konnten. Auch änderten sich Namen. So kommt zum Beispiel der Familienname "Feld" ebenfalls von einer alteingesessenen Familie, die allerdings früher "Velten" oder "Valentin" hieß.

Die Namen vieler Familien haben sich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts verfestigt, wurden gelegentlich durch einen Berufsnamen ersetzt oder durch einen "Hausnamen" ergänzt. Karl Klein nennt ein Beispiel für Hausnamen aus Herchenbach: Dort hatte 1842 ein Konrad Büch ein Haus gebaut, auch spätere Bewohner waren dann schlicht die "Kunrads".

Der prominenteste Name unter den alten "Ur-Köllertalern" dürfte wohl "Wahlster" sein: Aus dieser Familie ging der reiche Holzhändler Wilhelm Heinrich Wahlster hervor, der 1810 das "Bietschieder Schlösschen" erbauen ließ und 1816 erster Heusweiler Bürgermeister wurde.

Nur 16 "überlebende" Namen - das scheint auf den ersten Blick wenig. Aber offenbar sind Familien stabiler als Gebäude, denn Baudenkmäler aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg gibt es im Köllertal noch weniger. Steinerne Zeugen sind etwa die Ruine der Burg Bucherbach - deren Niedergang mit Zerstörungen im 30-jährigen Krieg begonnen hatte - und die Martinskirche in Köllerbach. Zudem gibt es das ein oder andere in jüngeren Bausubstanzen verborgene Teil oder umgebaute Häuser, wie etwa das Haus "Bauersch" (von "Bauer") in Herchenbach, das ursprünglich aus dem Jahr 1618 stammt, oder das alte evangelische Pfarrhaus in Köllerbach.

Wenn man noch weiter in der Zeit zurückgeht, vor den 30-jährigen Krieg. Welche Menschen lebten hier? Mehrere Völker trafen in der Region zusammen: Unsere frühesten, natürlich nicht mehr namentlich bekannten Vorfahren sind die Kelten , vermutlich vom Stamm der Mediomatriker. In Herchenbach und dort, wo heute der Riegelsberger Friedhof ist, fand man keltische Hügelgräber, in Herchenbach sogar ein großes Wagengrab. Vermutlich lebten Kelten seit etwa 750 v. Chr. "im Saarland", später auch gemeinsam mit Römern: Gegen 50 v. Chr. kommen - für etwa 500 Jahre - die Römer mit Gefolge (römische Funde gab es zum Beispiel auf der Püttlinger Ritterstraße). Vom 6. bis zum 8. Jahrhundert gründen dann die germanischen Franken Siedlungen auch im Köllertal, und im späten 16. Jahrhundert dürften ein paar aus Frankreich geflohene Hugenotten hinzugekommen sein.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die 16 Köllertaler "Ur-Familiennamen" sind: Bauer, Becker, Blass, Büch, Diehl , Faust, Groß, Huppert, Karen, Kläs, Klein, Löw, Michler, Schweitzer, Feld (hervorgegangen aus Velten oder Valentin) und Wahlster. mr