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Die Schreib- trifft auf die Tastenkunst

Die Schreib- trifft auf die Tastenkunst

Heusweiler. Musik und Literatur kamen in der Alten Tabakfabrik in Heusweiler zu einem "Dialog aus Worten und Klängen" zusammen. Autorin Sabine Graf hatte für die Matinee aus ihrem Buch Abschnitte gewählt, in denen es um das Tanzen geht. Passend dazu spielte Hausherr Nikola Dimitrov Walzer von Chopin

Heusweiler. Musik und Literatur kamen in der Alten Tabakfabrik in Heusweiler zu einem "Dialog aus Worten und Klängen" zusammen. Autorin Sabine Graf hatte für die Matinee aus ihrem Buch Abschnitte gewählt, in denen es um das Tanzen geht. Passend dazu spielte Hausherr Nikola Dimitrov Walzer von Chopin. Die Autorin gewährte dem Publikum im Rahmen der Lesung auch einen Blick hinter die Kulissen ihrer Schreibwerkstatt. Sabine Graf plauderte nicht nur sehr charmant aus dem Federkästchen, sondern sie hatte auch Notizen und Projektbücher zum Anschauen mitgebracht. In Zusammenarbeit mit dem Völklinger Verein Kulturgut konnte Sabine Graf vier Bücher mit je zwei Geschichten zur Völklinger Gegenwart und Vergangenheit realisieren. Alles, was in diesen Büchern passiert, könnte sich so oder so ähnlich zugetragen haben. Alles wäre möglich. Sabine Graf wählte nämlich die Recherche als poetisches Mittel. Sie las sich in alte Akten der Firma Röchling ein. Sie ging Strecken und Wege ab. Sie versetzte sich in die Rolle der Erzengel, probierte aus, wie sich schwere Lasten anfühlen, die in Körben auf dem Kopf transportiert werden. "Wenn man eine Figur zusammenbastelt, fängt man bei Null an", erklärt die promovierte Literaturwissenschaftlerin. Alter, Aussehen, Herkunft, Beruf und auch der Konflikt, in dem die Figur steckt, wollen überlegt sein. Auch so Feinheiten wie Frisur und zeitgemäße Kleidung sind wichtig. "Eine Person erfinden dauert", sagt Sabine Graf und dann erzählt sie vom Zeitdruck und der Frage: "Wie komme ich handwerklich ums Eck?". Oft sind Tricks und Kniffe von Nöten, um Geschichten ans Ende zu bringen. So lässt die Autorin in einer Tagebuch-Geschichte den fiktiven Tagebuchschreiber beispielsweise in Urlaub fahren, um die Textlänge in Schach zu halten. Die Inspirationsquellen und Schreibanstöße sind mannigfaltig: Für "Liebstöckel. Ein Kurzroman über die feine Lebensart", surfte die Schriftstellerin nächtelang im Internet durch chefkoch.de. Und die Beschreibung eines Junggesellenabschieds kombinierte sie aus einer Radio-Reportage über einen Stripper plus einer Wohnung mit verrammelten Fenstern. "Ein Horrorszenario", sagt sie, und weiter: "Was mich abstößt, zieht mich auch an." Auch den Fächer ihrer Mutter und deren alte Tanzstunden-Geschichten ließ Sabine Graf in ihre Bücher einfließen, denn: "Irgendwann wird alles Material."Nächster Termin in der Alten Tabakfabrik: Am Sonntag, 25. Oktober, 11.30 Uhr, werden die Künstler Götz Sambale, Ivo Ringe und Nikola Dimitrov einen Einblick in ihr Schaffen geben. Moderation: Kunsthistorikerin und Galeristin Ingeborg Besch; Musik: Pianistin Lydia Neitzel aus Bonn.