Die Säge als Medizin

120 Jahre hat ein Kastanienbaum in Obersalbach auf dem Buckel – jetzt leidet er an einem aggressiven Pilzbefall. Statt den Baum zu fällen, versucht die Gemeindeverwaltung, den Baum durch starken Beschnitt zu retten. Gelingt das, dann hat die Kastanie noch gut zehn Jahre vor sich.

Ein Baum wird nach längerer Zeit gewissermaßen zu einer Art Familienmitglied, man gewöhnt sich an ihn, möchte ihn auch nicht mehr missen. Das ist bei der etwa 120 Jahre alten Kastanie im Heusweiler Ortsteil Obersalbach genau so. Folglich will man dieses "Familienmitglied" schützen und bewahren. So ist es nun gekommen, dass die Heusweiler Gemeindeverwaltung die schwer erkrankte Kastanie drastisch hat beschneiden lassen, um den Baum zu retten.

Die Kastanie wächst seit mindestens dem Jahr 1900 in der Schwarzenholzer Straße, inzwischen umstanden von einer Bushaltestelle und einem Kreuz. Viele ältere Dorfbewohner kennen den Baum noch aus ihrer Kindheit, und schon damals war er eine nicht zu übersehende Wegmarke. Fachleute, wie der Heusweiler Umweltbeauftragte Peter Paulus, haben aus diesem Umstand das mögliche Alter des Baumes ermittelt. "Leider", so fügt Paulus im Gespräch mit unserer Zeitung hinzu, "haben Pilzbefall, Insekten und Aushöhlungen den Baum zunehmend zu einem Sicherheitsrisiko werden lassen." Brandkrustenpilz heißt die schwere Baumkrankheit. Dieser Pilz sei besonders aggressiv und verursache die Braunfäule, schildert Paulus. Nun habe man sich aber trotz des Pilzbefalls entschlossen, die Kastanie nicht gleich zu fällen, sondern dem Baum noch eine Gnadenfrist einzuräumen.

Durch die Beschneidung hauptsächlich der Krone sei der Baum insgesamt entlastet und vom Pilz befallene Stellen seien entfernt worden.

"Wir wollen jetzt den Austrieb im Frühling abwarten und beobachten", schidert Paulus. Denn an dem Austrieb könne man beurteilen, ob der Baum noch eine Überlebenschance hat. Wenn alles gutgeht, dann könne der Baum in Obersalbach locker noch zehn Jahre stehen bleiben.