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Der Spargel ist da, aber die Erntehelfer fehlen

Besuch beim Erdbeerland : Veronika, der Spargel wächst. . .  aber wer erntet ihn?

Besuch beim Heusweiler Erdbeerland Ernst, wo seit letzter Woche die Spargelernte auf Hochtouren laufen sollte.

Vor ein paar Tagen  hat im Saarland die Spargelernte begonnen. Auch für den Heusweiler Betrieb Erdbeerland Ernst, der seit 1990 neben Erdbeeren und Himbeeren auch Spargel anbaut und in seinem Hofladen in Heusweiler-Bietschied sowie an vielen Verkaufsständen im Saarland und der Pfalz vertreibt.

Doch wegen der Corona-Pandemie war die Ernte noch nie so schwierig, wie diesmal. Dem Betrieb fehlen Erntehelfer, vor allem die Helfer aus Rumänien. „Wir brauchen für die Spargelernte 50 Helfer, 24 haben wir“ sagt Mark Bernauer, der Betriebsleiter des Erdbeerlandes. Für den Erdbeer- und Himbeeranbau werden weitere 100 Helfer benötigt, 40 Prozent davon sind erst eingetroffen.

Um den Betrieben zu helfen, haben sich das Landwirtschafts- und Innenministerium jetzt auf eine begrenzte Einreise von dringend benötigten Saisonarbeitern aus Osteuropa geeinigt. Doch die Auflagen sind streng: Die Arbeiter dürfen ausschließlich in Gruppen und mit dem Flugzeug einreisen. Vorgesehen ist eine Gesundheitsprüfung. In den ersten 14 Tagen dürfen die Helfer ihren Betrieb nicht verlassen. Bei den Arbeiten müssen die Erntehelfer Mindestabstände einhalten sowie Mundschutz und Handschuhe tragen.

 Dabei treibt die ausufernde Bürokratie Mark Bernauer den Schweiß auf die Stirn: „Für jeden benötigten Helfer müssen wir sieben Papiere ausstellen. Angefangen von Datenschutzerklärungen über Arbeitsverträge bis hin zu Zollunterlagen und Erklärungen an das Innenministerium. Die Verträge müssen zweisprachig ausgefertigt werden.“  

Deshalb weiß Bernauer nicht, wie viele Erntehelfer er im April und Mai hinzubekommen wird. „Wir haben einen Bedarf von 150 angemeldet, keine Ahnung, wie viele wir kriegen.“ Manche seiner rumänischen Erntehelfer kommen schon seit 15 bis 20 Jahren nach Heusweiler. „Das sind erfahrene Kräfte, die auch die Neulinge anlernen können. Und diese erfahrenen Kräfte brauchen wir, nur mit neuen Leuten funktioniert es nicht“, erklärt Bernauer.

Denn um betriebswirtschaftlich erfolgreich arbeiten zu können, muss jeder Helfer zehn bis elf Kilo Spargel pro Stunde ernten. „Das schafft ein neu angelernter Helfer am Anfang nicht, sondern frühestens nach einer bis anderthalb Wochen“, so Bernauer. Sein Betrieb beschäftigt auch deutsche Helfer. „Sie haben eine hohe Motivation, deshalb werden wir in diesem Jahr erstmals einen deutschen Trupp ausprobieren. Wir sehen dies als Chance für uns, neue Strukturen zu bekommen. Vielleicht auch, um weniger Saisonarbeitsplätze zu haben“, so Bernauer.

Wegen der fehlenden Erntehelfer werden nicht alle Felder abgeerntet werden können, was passiert mit diesen Feldern? „Wir nehmen die Abdeckfolien runter, der Spargel wächst dann durch, wird grün, betreibt Photosynthese und kann Reservestoffe für das kommende Jahr bilden, so dass wir diese Felder dann nächstes Jahr abernten können“, sagt Bernauer.

Ein großes Problem stellt die flächendeckende Schließung von Gastronomiebetrieben dar, die den Absatzmarkt für Spargel stark einschränkt. Deshalb prognostiziert Bernauer: „Ein tolles Jahr wird es ganz bestimmt nicht. Unser Ziel ist es, wenigstens eine schwarze Null hinzubekommen. Aber die Unsicherheit ist groß.“

 Mark Bernauer, Betriebsleiter beim Erdbeerland, befürchtet eine verlustreiche Saison.
Mark Bernauer, Betriebsleiter beim Erdbeerland, befürchtet eine verlustreiche Saison. Foto: Fredy Dittgen
 Der Spargel ist da, die meisten Erntehelfer fehlen noch.
Der Spargel ist da, die meisten Erntehelfer fehlen noch. Foto: dpa/Peter Kneffel

Unterstützung erhielt Bernauer zum Start der Spargelsaison von Landwirtschaftsminister Reinhold Jost, der sowohl bei der Ernte auf den Spargelfeldern in Kirkel-Altstadt als auch bei der Sortierung des geernteten Spargels in Heusweiler half. Zu den Gründen seiner Anwesenheit sagte Jost: „Ich wollte mich selbst davon überzeugen, wie schwierig die landwirtschaftliche Produktion im Saarland ist.“ Und er habe klarstellen wollen, wie wichtig regionale und saisonale Produkte, wie der Spargel oder die Erdbeeren, „die ja als nächste dran sind, für unseren regionalen Wirtschaftskreislauf sind“.