Den Leuten vom Schrott droht der BankrottDie Nachbarn leiden unter Krach

Heusweiler. Vielleicht sollte man den Sutors aus Heusweiler empfehlen, es wie die Ludolfs zu machen und TV-Helden zu werden. Die Ludolfs, das sind vier Westerwälder Schrottplatz-Brüder. Ihre Hingabe an die Arbeit im Allgemeinen und an Schrott im Besonderen war dem Fernsehen irgendwann einmal eine Reportage wert, dann noch eine, dann eine Serie

 Das Team vom Schrott: Daniela Jung, Ismail Yalcin, Steven John, Winfried, Ursula und Heinrich Sutor in ihrem Betrieb in Heusweiler-Dilsburg. Foto: Andreas Engel

Das Team vom Schrott: Daniela Jung, Ismail Yalcin, Steven John, Winfried, Ursula und Heinrich Sutor in ihrem Betrieb in Heusweiler-Dilsburg. Foto: Andreas Engel

Heusweiler. Vielleicht sollte man den Sutors aus Heusweiler empfehlen, es wie die Ludolfs zu machen und TV-Helden zu werden. Die Ludolfs, das sind vier Westerwälder Schrottplatz-Brüder. Ihre Hingabe an die Arbeit im Allgemeinen und an Schrott im Besonderen war dem Fernsehen irgendwann einmal eine Reportage wert, dann noch eine, dann eine Serie. Inzwischen ist die Ludolf-Familie im Kino zu sehen und Anwärter auf den Grimme-Preis. Das gönnt man ihr, denn von Schrott allein kann dieser Tage keiner mehr leben. Mit bewundernswerter Gelassenheit schildert Winfried Sutor, Betriebsleiter des Familienbetriebes Sutor Ursula GmbH in der Holzerstraße in Heusweiler, dass die einst guten Preise für Schrott innerhalb eines Jahres um 80 Prozent zusammengebrochen sind. Die Sammelautos (oft mit Trierer Kennzeichen), die meist samstags durch die Straßen des Köllertals fahren und Altmetall sammeln, tun dies inzwischen mit Verlust. Sutor, dessen Firma auf Ehefrau Ursula eingetragen ist, hat noch Glück gehabt. Sein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb sammelt nicht wahllos alles, sondern bekommt gezielt gebracht: Metalle, Computer, Platinen, Waschmaschinen, Herde. 1000 Kunden sind es in ganz Deutschland, gewerbliche und private. Viel zahlen kann Sutor nicht mehr, er steht "am Ende der Produktionskette, aber der Fluss ist abgebrochen", will sagen: Den Schrott, den er annimmt, säubert, sortiert, sammelt, bekommt er kaum mehr los - Weltwirtschaftskrise, nicht einmal Chinesen und Türken - einst gute Kunden auf dem Weltmarkt - nehmen mehr etwas."Die meisten Betriebe packen es nicht mehr", sagt Sutor, der 36 Jahre als Maschinenhauer unter Tage gearbeitet hatte, mit 50 gehen musste und sich noch viel zu jung und frisch fühlte, um die Hände in den Schoß zu legen. So kam es zur Selbstständigkeit in der Schrott-Branche.Den Sutors geht es dabei den Umständen entsprechend noch relativ gut: Sie bieten auch Entrümpelungen an, ein Geschäft, bei dem auch das ein oder andere verkäufliche Stück dabei ist, Hausrat, Möbel, sogar Kunst. Die Internet-Seite (sutor-ursula-gmbh.de) ist mit das Beste, was man deutschlandweit in der Branche findet. Sie ist Basis für so manchen guten Geschäftskontakt. Die Inhaber, sozial engagiert und in Vereinen aktiv, pflegen einen bescheidenen Lebensstil. Vater Heinrich Sutor steht mit 76 Jahren jeden Tag an der Werkbank. Die Mitarbeiter halten auch in schweren Zeiten zum Betrieb, auch wenn er sie derzeit nicht mehr alle Vollzeit beschäftigen kann. Eigentlich bräuchte die Firma zehn statt derzeit sieben Leute, um die Arbeit zu bewältigen, aber das Geld für die Gehälter von qualifizierten Kräften reicht nicht. Ein Teufelskreis-chen. Wer gelegentlich auf Schrottplätzen zu tun hat, der wird die branchenuntypisch menschliche Ansprache schätzen: guten Tag, bitte, danke, beehren Sie und bald wieder - wie im Facheinzelhandel. Daniela Jung, die das Büro leitet, hat eine ganz besondere Beziehung zu der Sutor GmbH: "Ich habe hier meinen Lebensgefährten Steven Müller kennen gelernt, ein Kunde, der Schrott brachte. Das werde ich natürlich nie vergessen." Auch dies Stoff für ein kleines Fernsehspiel . . .Heusweiler. Die Sutor Ursula GmbH hat, wie der Betriebsleiter versichert, "Zuspruch von allen Fraktionen" im Gemeinderat. Er hat auch (beim TÜV) ein Gutachten erstellen lassen, das ihm bescheinigt, bei der Lärmentwicklung unter den Richtwerten zu bleiben. Der Betrieb (früher war hier der Holzhandel Uecker) liegt in einem ausgewiesenen Gewerbegebiet und ist nicht genehmigungspflichtig. Dennoch darf man geteilter Meinung sein, ob er am Rande einer eingesessenen Wohnbebauung optimal aufgehoben ist. Nachbarn haben etwa 70 Unterschriften zusammengetragen. Sie finden, dass der Schrottsammler weg muss von hier, beziehungsweise seinen Nerven und Gesundheit angreifenden Krach erheblich eindämmt. Sie sind empört über die Zustände. Wie unsere Zeitung erfuhr, lassen sich zehn Haushalte von einem Anwalt vertreten, der die Lärmbelästigungen abstellen soll. wp