Den Äpfeln fehlt ein wenig der Saft

Den Äpfeln fehlt ein wenig der Saft

Die Apfelernte 2015 war durchwachsen. Je nach Region und Sorte gab es normale bis gute Erträge. Dem Obst fehlte aber der Regen zwischen Mai und Juli. Alfred Albert vom Obst- und Gartenbauverein Walpershofen spricht von einer „normalen“ Keltersaison.

Zum Abschluss der Saison ging es im Kelterhaus des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Walpershofen noch einmal hoch her. Ein Kunde hatte eine größere Menge Äpfel zur Saftgewinnung angeliefert. Alfred Albert, zweiter Vorsitzender, Kelterwart und nach eigenen Worten "Mädchen für alles", sowie seine Helfer Thomas Schaeidt, Karl Heinz Ackermann und Thomas Dietz hatten noch einmal alle Hände voll zu tun, bis aus den Äpfeln Saft wurde und in den vom Anlieferer mitgebrachten Flaschen landete.

"Bei uns kann der abgefüllte Saft sofort nach dem Keltern mitgenommen werden. Allerdings müssen die Leute gereinigte Flaschen mit Verschlüssen mitbringen." Albert berichtet, dass der Verein innerhalb von drei Wochen im Oktober etwa 2000 Liter Saft und 500 Liter Viez gewonnen habe. Dies sei im Vergleich zu den Vorjahren ein ganz normales Ergebnis. Das "Superapfeljahr" 2011, als sich die Bäume unter der Last der Früchte bogen, hat der Kelterwart in seinem Vergleich aber außer acht gelassen.

Der Geschmack der Früchte sei in diesem Jahr gut, aber sie seien wegen der Trockenheit während des Reifeprozesses weniger saftig als 2014. Wie Albert weiter schildert, habe man in Walpershofen auch viele Kunden von außerhalb, weil diese sicher seien, dass sie den Saft von den eigenen Äpfeln erhalten. Ganz allgemein sei auch festzustellen, dass immer weniger Leute Äpfel zum Keltern bringen. Das könne daran liegen, dass es weniger Apfelbäume um die Häuser herum gibt und auch an den preisgünstigen Angeboten von Säften in den Geschäften.

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HintergrundDie Zahl der Apfelsorten weltweit wird auf über 30 000 geschätzt, in Deutschland gibt es etwa 1500, möglicherweise bis zu 2000 Sorten, doch im alten Preußen waren noch über 2300 Sorten bekannt. Auch haben bei uns nur 30 bis 60 Sorten eine größere Verbreitung, in Supermärkten findet man kaum mehr als sechs Apfelsorten. Über die Herkunft des aus Wildäpfeln gekreuzten Kulturapfels gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Holzapfel ("Europäischer Wildapfel") könnte ein "Vorfahre" sein, gentechnische Tests scheinen aber für den Asiatischen Wildapfel zu sprechen, dann wären die frühen Kulturäpfel aus Zentralasien nach Europa gelangt. Schon Kelten und Germanen kochten Äpfel zu Mus, um Most zu gewinnen, zudem wurde der Saft zusammen mit Honig zu Met vergoren. Die Römer sollen schon im 6. Jahrhundert v. Chr. sechs Apfelsorten kultiviert haben, in Mitteleuropa werden Äpfel seit dem 6. Jahrhundert gezielt angebaut. red

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