Deana Zinßmeister ist Hausautorin beim Goldmann-Verlag

Autorinnenporträt : „Manchmal hätte ich gern Superkräfte“

Deana Zinßmeister ist eine der erfolgreichsten Autorinnen des Saarlandes. Gerade ist ihr neuester Roman erschienen. Eine Begegnung.

 Man kann sich richtig schön mit ihr verquatschen. Im Nullkommanix landet man mit Deana Zinßmeister bei Pferden, Hunden, Enkeln, Hochzeiten in Las Vegas, plaudert sich bei Cola und Kaffee übers Mittelalter ins Heute und zurück. In zwei Stunden eine ganze Welt.

Die in Heusweiler lebende  Autorin ist eine offene, vielseitige Gesprächspartnerin. Eigentlich hat man sich verabredet, um über ihr neues Buch „Die Farbe des Goldes“ zu reden. Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Obwohl auch das Buch jede Menge hergibt. Ein dicker Schmöker voller Intrigen und Geheimnisse, voller Liebe und Spannung, mit viel Farbe geschrieben und mit lebensprallen Figuren, denen man gerne folgt.

„Das Buch ist schon in der zweiten Auflage, obwohl es noch gar nicht erschienen ist“, erzählt sie beim Treffen im Saarbrücker Café. Kein Wunder also, dass Deana Zinßmeister schon seit einiger Zeit Hausautorin des Goldmann-Verlags ist. Für ihren neuen Roman wird aufwendig geworben, „mit Blattgold und Goldschokolade“, wie sie erzählt. Lange schon ist sie über die Phase hinaus, sich um einen Verlag bemühen zu müssen. Ein Buch pro Jahr bei Goldmann ist gesetzt, der Titel des nächsten steht sogar schon fest: „Der Glanz des Feuers“.

Auch diese Geschichte wird wieder im Mittelalter spielen – wie fast alle Zinßmeister-Romane. Aber natürlich in einer idealisierten Vergangenheit. „Kein Mensch würde diese Romane lesen, wenn ich die Wirklichkeit beschreiben würde“, sagt sie trocken. Sie selbst interessiert sich sehr für Geschichte, recherchiert auch aufwändig für jedes Buch. Aber Romane wie „Die Farbe des Goldes“ sollen ja vor allem unterhalten, sind für manche Leserinnen wohl auch ein bisschen eine Realitätsflucht.

Zinßmeister selbst hat offensichtlich kein Bedürfnis, sich in fremde Welten zu träumen. „Ich muss nicht fliehen, ich fühle mich total wohl in meinem Leben“. Und wenn sie von diesem Leben erzählt, will man ihr das auch gerne glauben. Sie ist mit ihren 57 Jahren eine junge, leidenschaftliche Oma eines dreijährigen Mädchens und eines gerade vier Monate alten Babys. „Ich wusste immer, dass ich gern Oma sein würde, aber dass ich es so extrem gerne sein würde“, sagt sie und lacht. „Es ist Verliebtsein auf einer ganz besonderen Ebene“. Sie hat das große Glück, dass die Enkel in ihrer Nähe sind, denn ihr Sohn, der Vater der beiden, ist in die Fenster- und Türenfirma ihres Mannes eingestiegen. Zinßmeisters 28-jährige Tochter lebt derzeit in Bonn.

Ansonsten gehören noch ein Hund, Katzen und vier Pferde zur Familie. Die  57-Jährige liebt Tiere, ist Pferde-verrückt, obwohl sie erst mit über 30 reiten gelernt hat. „Ich glaube, wir Frauen haben die Leidenschaft für Pferde einfach in uns drin“. Seit einigen Jahren pflegt sie einen 31 Jahre alten Araber-Hengst, dessen Besitzer gestorben ist. Das betagte Tier kann nur noch Heubrei fressen. Bis zu viermal am Tag geht sie zu ihm in den Stall. Viel Zeit kostet sie das, „aber mir geht es gut, wenn es dem Pferd gut geht“.

Auch sonst ist es Zinßmeister wichtig, die Welt ein bisschen besser zu machen. „Es gibt so viele böse Menschen auf der Welt, da will ich nicht dazu gehören“. Dass die bösen Menschen heute so sichtbar und auch schamlos geworden sind, darüber kann sie sich sehr aufregen. Und sie macht dafür auch das Internet verantwortlich mit seinen „sozialen“ Netzwerken. „Ich glaube, es gab immer schon einen bestimmten Prozentsatz an Menschen, die einfach böse sind“. Durch die Anonymität des Netzes trauten sich diese aber erst aus der Deckung. „Ich hätte da manchmal gerne Superkräfte“, sagt sie und lächelt auf eine Art, dass man ahnt, den Bösewichten ginge es dann schlecht.

In ihren historischen Romanen ist die Welt natürlich auch nicht immer in Ordnung  und es geht auch durchaus gefährlich zu, „es soll ja spannend sein“. Aber brutal wird sie nie. Irgendwelche Grausamkeiten auswalzen, ist nicht ihr Stil. „Es reicht, wenn ich schreibe, dass es im Folterkeller nach verbranntem Fleisch riecht, da muss ich nicht ins Detail gehen“.

Das Schreiben war der 57-Jährigen übrigens nicht in die Wiege gelegt. „Ich habe früher nicht mal Tagebuch geschrieben“. Erst als Erwachsene fing sie an. „Die Kinder waren klein, mein Mann die Woche über dienstlich weg, es gab noch nicht so viel Fernsehen und kein Internet“.  Aus sozusagen heiterem Himmel kam die Schreiblust. Eine Reportage aus Australien hatte sie angeregt. Am ersten Buch „Fliegen wie ein Vogel“ schrieb sie 13 Jahre lang. Und fand, ermutigt von einer Freundin, verblüffend schnell einen Verlag. „Das zweite Buch musste dann allerdings in sieben Monaten fertig sein“. Das war 2006. 2009 erschien bereits ihr erster Roman beim Branchen-Riesen Goldmann. Und seither Jahr für Jahr ein neues Buch.

Das Schreiben, sagt sie, sei der ideale Beruf, wenn man Kinder hat. „Allerdings hat man auch immer noch was anderes zu tun“. Männliche Autoren hätten es da oft leichter, könnten sich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren, während ihre Frauen die Familie managen. „Aber wenn mein Mann nach Hause kommt und sagt: hast du was zu essen, ich muss gleich wieder weg, dann ist es ganz egal, ob ich gerade im Mittelalter  jemanden an den Galgen bringe“, sagt sie lachend und schiebt schnell hinterher. „Ich habe einen ganz tollen Mann“.

Den hat sie übrigens in Las Vegas geheiratet vor vielen vielen Jahren. Die beiden hatten damals keine Lust auf ein traditionelles Hochzeitsfest in Heusweiler. „Und bei unserer silbernen Hochzeit haben wir das genau wieder so gemacht“. Da flogen sie mitsamt den Kindern nach Vegas und standen voll Rührung wieder in ihrer alten Hochzeitskapelle. Soviel Romantik, das wäre fast auch schon wieder Stoff für einen Roman.

Das Cover des neuen Zinßmeister-Romans. Foto: Goldmann

Premierenlesung von „Die Farbe des Goldes“ ist am 11. Oktober, 20 Uhr, im Drachenwinkel in Dillingen. Am 13. Oktober, 11 Uhr, stellt Dana Zinßmeister ihr neues Buch sozusagen bei sich vor der Haustür, im Heusweiler Rathaus, vor.

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