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Friseursalon schließt: Das Ende nach 94 Jahren

Friseursalon schließt : Das Ende nach 94 Jahren

Jürgen Schwindling hat seinen Friseursalon in Heusweiler geschlossen.

Früher gab es in den Dörfern noch viele kleine Geschäfte und Handwerksbetriebe. Die allermeisten sind längst verwunden. Einer der letzten alten Dilsburger Gewerbebetriebe war der Friseursalon Schwindling in der Holzer Straße. Nach rund 94 Jahren hat dieser am 8. Juni als wohl ältester Friseursalon im Köllertal nun auch geschlossen.

Gegründet wurde der Betrieb in dem 1901 erbauten Bergmannsprämienhaus 1923 von Friseurmeister Josef Theobald. Sein Hobby war die Fotografie. Deshalb besaß er auch eine eigene Dunkelkammer neben dem Salon. Theobald starb recht jung 1937 an Tuberkulose, einer damals noch verbreiteten Krankheit. Diese hatte seine Schwester, die auf der Dilsburger Grube als Kohlenklauberin arbeitete, in die Familie eingeschleppt. Seine Frau Josefina, geborene Heinrich, heiratete dann in zweiter Ehe den Friseurgesellen Hans Schwindling, der nun den kleinen Salon weiterführte. Auch er verstarb 1955 noch jung, die Frau führte von 1955 bis 1958 den Laden mit einem Friseurgesellen.

1958 hatte Sohn Jürgen Schwindling seine Ausbildung im Friseurhandwerk abgeschlossen und übernahm das Geschäft. Zeitweise fungierte der Betrieb als Damen- und Herrensalon, später nur noch als Herrenfriseur. Nach fast 60 Jahren hat Jürgen Schwindling nun krankheitsbedingt die Schere zur Seite gelegt und den Salon geschlossen. Das sei ihm in Anbetracht seiner langjährigen treuen Stammkundschaft nicht leicht gefallen, versicherte Schwindling im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.

Die ehemalige Dunkelkammer im Haus hatte 1945 übrigens noch eine besondere Funktion. Dort versteckten sich nach Kriegsende einige Zeit gesuchte Dilsburger NS-Größen vor den Franzosen. Letztere hatten in Dilsburg in der Gastwirtschaft Scherer Mitte 1945 ihr Domizil aufgeschlagen. Die Franzosen suchten ehemalige NSDAP Mitglieder, um diese dort zu arrestieren. Zusätzlich hatten die Franzosen vor dem Haus auf einem Pfosten einen Stahlhelm angebracht. Die NS-Parteimitglieder mussten dann auf Geheiß der Franzosen an dem Pfosten vorbeimarschieren und den Pfosten mit „Heil Hitler“ grüßen.