Auseinandersetzung um Grabstein: Das Dilemma mit dem „Auge zudrücken“

Auseinandersetzung um Grabstein : Das Dilemma mit dem „Auge zudrücken“

„Ja, auch ich finde ihn toll“, sagt, gerade aus dem Urlaub zurück, Bürgermeister Thomas Redelberger zu dem individuellen Grabstein auf dem Heusweiler Friedhof, über den wir am Mittwoch berichteten. Postmitarbeiter Jürgen Vogel hatte den klassischer Architektur nachempfundenen Grabstein in monatelanger Handarbeit für das Grab seines Vaters gefertigt. Was Redelberger jedoch sehr ärgert: Beim Ortstermin im Oktober 2017, als es um die zulässigen Maße gegangen sei, habe er ausdrücklich die Zusicherung verlangt, dass beim Aufstellen alles wie zu diesem Zeitpunkt abgesprochen stimmen müsse, was zugesagt worden sei, „und dann hat es eben doch nicht wie vereinbart gestimmt, fast alle Maße wurden nochmals, teils deutlich, überschritten“, so Redelberger. Umgehend habe er in einem Telefonat persönlich erneut gebeten, die vereinbarten Maße einzuhalten, aber  wegen des anstehenden Feiertags Allerheiligen eine entsprechende Frist zugestanden. „Seither ist jedoch nichts passiert, nichts wurde geändert, niemand hat sich in der Verwaltung gemeldet.“ Insofern erfolgte nun, nach weiteren fünf Monaten des Abwartens, die schriftliche Aufforderung, tätig zu werden.

Jürgen Vogel ging davon aus, dass die Maße korrekt waren, hat aber offenbar keine Klärung mit der Gemeinde gesucht.

Redelberger schildert in diesem Zusammenhang ein Dilemma, vor dem nicht nur er, sondern jeder stehe, der ein öffentliches Amt begleitet: „Für mich ist es in diesem Fall so, da ich auch aus Niedersalbach komme, dass ich die Familie gut kenne – nicht zuletzt auch den Vater kannte, der mir einmal sehr hilfreich zur Seite gestanden hat, als ich als Kind einen kleinen Unfall hatte.“ Das bedeute aber auch: „Wie man’s macht, macht man’s falsch“, denn wenn er jetzt etwas genehmige, das nicht den durch den Gemeinderat beschlossenen Vorgaben entspricht, dann heiße es doch gleich: „Ach, die kennen sich ja – da wird gemauschelt.“ Gerade in jüngster Vergangenheit gebe es genug Beispiele, dass sehr genau hingeschaut und vieles schnell interpretiert werde. So müsse, wer ein öffentliches Amt innehat, eben auch selbst sehr genau hinschauen, was er oder sie zulasse oder eben nicht zulasse.

Davon unberührt sei jedoch, dass der öffentliche Raum und auch ein Friedhof gewiss durchaus gewinnen könne, wenn nicht alles genormt und einheitlich sei.