Boxer Mirco Martin aus Obersalbach trainiert in den USA

Burnout im Boxen : „Es ist wichtig, offen darüber zu reden“

Profi Mirco Martin stand nach seinem letzten Kampf vor einem „Burnout“. Doch der Obersalbacher hat die Situation gemeistert – und sich neue sportliche Ziele gesetzt. Er reist in die USA, um mit Weltklasse-Boxern zu trainieren.

Seine Karriere ist lupenrein: 14 Profi-Kämpfe. 14 Siege. Dem Box-Profi wird Großes vorausgesagt – bis zum Sprung ganz nach oben an die Weltspitze. Und doch haben den Saarländer plötzlich starke Zweifel geplagt . . . Zweifel, ob er das alles wirklich schaffen kann . . . Doch dann kam das in ihm hervor, was den sensiblen Familienmenschen auszeichnet. Seine positive Art. „Wenn du das machst, was du liebst, kann deine Kraft nie zu Ende gehen“, sagt Mirco „The Comet“ Martin. Und schiebt nach: „Man sieht das an Kindern, die den ganzen Tag über spielen – und nicht müde werden.“

Mirco Martin besann sich auf seine Stärken. Der 27-Jährige nahm wie im Box-Ring auch im Privatleben sein Herz in die Hand. Er öffnete sich nicht nur seiner Familie, sondern auch seinen Mitmenschen, anstatt seine Zweifel mit sich allein herumzuschleppen. Und Mirco Martin setzte sich sofort neue sportliche Ziele: Am Freitag, 11. Oktober, will er in Karlsruhe in der Palazzo-Halle um den WBC-Titel „Silber belt“ kämpfen.

„Schritt für Schritt nach vorne, so soll es weitergehen“, blickt der Obersalbacher voraus. Der Gegner des WBO-Weltranglisten-Siebten für den Kampf über zwölf Runden steht noch nicht fest. Fest steht für den Saarländer aber: „Er muss unter den Top 30 stehen.“ Denn bei seinem Sieg „wären wir in der WBC unter den Top 15 gelistet und könnten den Weltmeister herausfordern“.

Dass er wieder so voller Energie und Tatendrang ist, ist nicht selbstverständlich. Es war nach seinem letzten Kampf. Am 27. April besiegte Mirco Martin in der Palazzo-Halle in Karlsruhe den 25 Jahre alten Philippinen Diomel Diocos (wir berichteten). Für dieses Duell im Fliegengewicht hatte er sich Monate lang in der Vorbereitung gequält. Nach der Schinderei mit dem Triumph als Krönung folgte das, was gerade im Profi-Sport so oft folgt – Leere im Kopf.

„Und danach hing ich richtig in den Seilen“, erzählt der Obersalbacher. Denn noch reicht sein Verdienst im Box-Sport allein nicht zum Leben. Deshalb habe er nach dem Kampf gegen Diocos fünf Wochen am Stück wieder in seinem Beruf als Stuckateur gearbeitet – um Geld zu verdienen. Das war dann zuviel. Der Kopf machte nicht mehr mit.

Mirco Martin war am Rande eines „Burnouts“. Eine persönliche Krise als Reaktion auf eine Überlastung. Der 27-Jährige spricht offen darüber. „Ich habe mir Hilfe gesucht“, erzählt er mit ruhiger Stimme. Und ergänzt: „Denn es macht keinen Sinn zu versuchen, so etwas mit sich allein auszumachen.“ In dieser schwierigen Lebensphase habe er sich geöffnet. Er habe mit jedem darüber geredet. Heute sagt Mirco Martin: „Es ist wichtig, nicht alleine durch so eine Situation zu gehen, sondern offen damit umzugehen und darüber zu reden.“ Und es sei wichtig, sich selbst Prioritäten zu setzen. „Das tut der Seele gut.“

Der Obersalbacher will in Zukunft nicht mehr allein durch gewisse Situationen gehen. Deshalb sucht er sich einen Mentaltrainer. Bei seinem nächsten Schritt wird dieser aber nicht dabei sein: Mirco Martin geht erstmals in seiner Karriere ins Ausland. Er erklärt: „Ich möchte spüren, wie es ist, im Ausland zu kämpfen.“ Denn das hat er noch nie getan. Am Montag, 15. Juli, fliegt der 27-Jährige mit seinem Trainer Dominik Junge in die USA. Davor hat er eine große Portion Bammel. Denn der 27-Jährige ist noch nie geflogen . . .

Der knallharte Mirco Martin: Der 27-Jährige explodiert im Box-Ring, was hier der Philippine Robert Onggocan zu spüren bekommt. Foto: Andreas Schlichter
Der beliebte Mirco Martin: Auf dem Weg zum Ring stehen seine vielen Fans für „The Comet“, wie sein Kampfname lautet, Spalier. Foto: Andreas Schlichter

Der Saarländer wird zwei Wochen lang in den Vereinigten Staaten bleiben und in Las Vegas sowie in Los Angeles unter anderem im weltberühmten „The Mayweather Boxing Club“ und im „Freddie Roach Gym“ trainieren. „Dabei möchte ich im Sparring gegen gute Leute boxen“, sagt die deutsche Nummer eins voller Vorfreude. Und schiebt nach: „Gegen Weltklasse-Boxer.“ Denn sein Ziel ist klar: Er will das machen, was er liebt – und dabei Weltmeister werden.

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