Bernd Zewe überrascht

Holz. Im Derby der Volleyball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar der Frauen zwischen dem Tabellendritten TV Holz und dem punktgleichen Vierten TV Saarwellingen erlebten die 35 Zuschauer einen merkwürdigen vierten Satz: Regungslos saß der Holzer Trainer Bernd Zewe (Foto: Wieck) 20 Minuten lang auf seinem Stuhl

Holz. Im Derby der Volleyball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar der Frauen zwischen dem Tabellendritten TV Holz und dem punktgleichen Vierten TV Saarwellingen erlebten die 35 Zuschauer einen merkwürdigen vierten Satz: Regungslos saß der Holzer Trainer Bernd Zewe (Foto: Wieck) 20 Minuten lang auf seinem Stuhl. Auch bei Auszeiten blieb er unbeteiligt sitzen, während sich seine Spielerinnen besprachen. Nur einmal wurde Zewe aktiv: als Saarwellingen einen 11:18-Rückstand aufholte und zum 18:18 ausglich. Da nahm Zewe eine Auszeit, machte aber keine Ansprache an die Mannschaft.Trotzdem nutzte es etwas. "Das war der Knackpunkt. Wir haben nach dieser Auszeit keinen Ball mehr auf die andere Seite bekommen", ärgerte sich Saarwellingens Trainer Günther Theobald. Holz gewann den Satz mit 25:18 und damit auch das Spiel mit 3:1 (25:20, 25:23, 19:25, 25:18). Warum ließ Zewe seine Mannschaft in diesem vierten Satz alleine spielen? War er stinksauer, dass Holz nach einer 2:0-Satzführung in alte Schwächen verfallen war? "Er hat uns einfach vertraut", sagte Sylvia Müller lächelnd. Und Zewe selbst erklärte: "Sie brauchen mich nicht."

So ungewöhnlich wie dieser vierte Satz war auch die Aufstellung des TV Holz. Neben den "Gesetzten" Michelle Grandinetti, Ina Klaumann und Dorothee Altmeier spielten Ebba Schröder, Beatrice Blaß und Sylvia Müller, die im bisherigen Saisonverlauf als Einwechselspielerinnen zum Einsatz gekommen waren. Und diese sechs spielten das komplette Spiel durch - so etwas hat es beim TV Holz seit Menschengedenken nicht mehr gegeben. Dabei saßen auf der Bank mit Julia Bartsch, Sina Born und Lena Zewe Top-Spielerinnen. Und keine war verletzt.

Auch Lena Zewe, die in den vergangenen Wochen schmerzlich vermisst wurde, hätte spielen können, wenngleich Bernd Zewe vor dem Anpfiff gesagt hatte: "Lena hat nur Kraft für zwei Sätze." Seine Erklärung zur Mannschaftsaufstellung: "Es spielen die sechs, die gestern Abend beim Abschlusstraining ein Spiel gegen den Rest der Mannschaft gemacht und gewonnen haben."

Zewe verzichtete gegen Saarwellingen auch auf das taktische Mittel mit zwei Läufern. Die Zuspielerrolle übernahm diesmal Doro Altmeier. Die zweite Zuspielerin, Michelle Grandinetti, spielte in der Abwehr und machte zudem die mit Abstand meisten Punkte für Holz. Zewe hebt in seiner Spielanalyse selten eine Spielerin heraus. Diesmal tat er es: "Doro hat keine einzige Angabe verschlagen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es das einmal gegeben hat."

Dennoch hatte Holz einen Schwachpunkt. Und den kennt man schon. Nach einer 2:0-Satzführung und einer 18:15-Führung im dritten Satz spielte wieder der Kopf eine Rolle. Holz fühlte sich schon als Sieger und schaltete ab. Saarwellingen machte aus dem 15:18-Satzrückstand einen 25:19-Satzgewinn. Ungewöhnlich wie das ganze Spiel war dazu auch die Erklärung von Sylvia Müller: "Wir hatten einen kurzen Schwächeanfall." dg