Der Hüter der Eiweiler Kapelle Heimatkunde : Der Hüter der Eiweiler Kapelle

Lothar Braun pflegt seit Jahren ehrenamtlich das Kleinod im Köllertal. Weitere Helfer sind herzlich willkommen.

Wenn Lothar Braun, 68, zur Vogelsbornkapelle in Eiweiler kommt, dann schlagen zwei Herzen in seiner Brust: das des Bewunderers, der ein bildschönes Kleinod zu genießen weiß und das des ehemaligen Kriminalbeamten, den es stört, wenn das Idyll mit weggeworfenen Flaschen oder Papiertaschentüchern verunreinigt ist. Wenn er nach oben schaut, kommt er ins Schwärmen, sieht die alte Kapelle wie aus dem Ei gepellt, mit frisch geschnittenen Hecken, umsäumt von bunter Blumenpracht. Aus der nahen Quelle kommt frisches Wasser, das man trinken kann (aber nicht soll), und eine Marienfigur wacht über die Anlage rund um die Uhr, auch hier ist keine Spur von Unordnung zu erkennen. Bausubstanz und Gartenanlage sind in einem herausragend guten Zustand.

Aber all das ist keine Selbstverständlichkeit. Darüber wacht ein Team von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus dem Ort, die keinen Tag vergehen lassen, ohne persönlich nach der Kapelle zu schauen. Morgens um 8 Uhr wird aufgeschlossen, abends zur Dämmerung wieder zugeschlossen. Dazwischen stehen Gartenarbeiten an, die Blumenbeete werden gepflegt, Müll aufgehoben, die Mauern sauber gehalten. Lothar Braun koordiniert das Helferteam und hat jüngst mit einem öffentlichen Aufruf Verstärkung gesucht. Zwei Menschen haben sich gemeldet. „Es waren zwei Anwohner aus Kutzhof, leider niemand aus Eiweiler“, sagt Braun, der noch gern weitere Helfer auch aus dem eigenen Ort finden will.

Denn dass Eiweiler Bürger die Vogelsborn-Kapelle pflegen, das hat eine gewisse Tradition. Der Sage nach haben Bauern aus Hellenhausen die Kapelle errichtet. Das sollte ursprünglich im Ort geschehen, doch das Bauholz wurde zweimal hintereinander ins freie Gelände verschleppt. Die Bauern sahen darin einen Fingerzeig Gottes. Im Quellgebiet des Köllerbachs wurde die Kapelle errichtet. 1735 war das Datum im Schlussstein über dem Portal. 1806 wollte man die Kapelle verkaufen, niemand wollte sie haben. Bis 1971 lag sie im Dornröschenschlaf, wies erhebliche Mängel auf und wurde abgerissen. 1990 entstand mit viel Eigenleistung auf dem alten Grundriss die heutige Kapelle.

„In 280 Jahren hat sich die Kapelle immer weiterentwickelt. Heute kommen Menschen zum Beten hierher oder zünden Kerzen an. Andere genießen die Quelle, an der früher ein Trinkbecher hing. Der suggerierte aber, dass die Quelle Trinkwasserqualität habe, was laborchemisch nicht kontrolliert wird. Offiziell ist es natürlich kein Trinkwasser, aber Menschen trinken daraus, nehmen sich Wasser zum Kaffeekochen oder für die Aquarien mit“, berichtet Braun.

Im ersten Halbjahr 2020 hat er schon 270 Kapellendienste abgeleistet. Darunter versteht er vor allem die Schließdienste morgens oder abends. Mitunter muss er grillende Jugendliche stören, bescheinigt der jüngeren Generation jedoch durchaus gutes Benehmen. Die allermeisten würden die Kapelle schätzen und ordentlich hinterlassen.

Die Pflege der Kapelle sei über Jahrzehnte stets Aufgabe von Einzelpersonen oder Familien aus Eiweiler gewesen. Diese Tradition meint er, wenn er im Ort nach weiteren Ehrenamtlichen sucht.

Heute sei der Obst- und Gartenbauverein engagiert, aber auch Helfer aus Nachbargemeinden sind willkommen. Die Kapelle ist ein Ort der inneren Einkehr.

Das jährliche Kapellenfest an Pfingsten werde 2020 wohl ausfallen. Für eine Andacht sei die Kapelle aber offen. Dank Lothar Braun und seinen Helfern jeden Tag und immer in bestem Zustand.