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Schafft der Kanal die Regenfluten?
An der Kanal-Größe liegt’s nicht

Da braut sich was zusammen, über Holz. Durch den extremen Starkregen am 1. Juni hatte es auch an Holzer Häusern Hochwasserschäden gegeben. So war die Frage aufgekommen, ob das Heusweiler Abwassersystem womöglich nicht ausreichend dimensioniert sei. Im Holzer Ortsrat gab es Antworten. 
Da braut sich was zusammen, über Holz. Durch den extremen Starkregen am 1. Juni hatte es auch an Holzer Häusern Hochwasserschäden gegeben. So war die Frage aufgekommen, ob das Heusweiler Abwassersystem womöglich nicht ausreichend dimensioniert sei. Im Holzer Ortsrat gab es Antworten. 
Holz. Hochwasser durch Starkregen war Thema in Holz. Dickere Abwasserrohre könnten die Fäkalien nicht abtransportieren. Von Fredy Dittgen

Der nur halbstündige Starkregen am vergangenen Donnerstag hat genügt, dass im Heusweiler Ortsteil Holz bei Anwohnern mehrerer Straßen neue Hochwasserschäden aufgetreten sind. Betroffen waren Bereiche der Alleestraße, des Lilienwegs, ider Nelkenstraße, der Blumenstraße, sowie am Friedhof.


Da „passte“ es ja, dass Ortsvorsteher Jan Paul (SPD) just an besagtem Donnerstagabend Wolfgang Karges, den Leiter der Gemeindewerke Heusweiler, und Dirk Andres, den Leiter des Zweckverbandes Kommunale Entsorgung Heusweiler (ZKE), in die Ortsratssitzung eingeladen hatte, um über die Kanal- und Abwassersituation in Holz zu berichten. Grund für diese Einladung war das „Starkregenereignis“ am 1. Juni, das nicht nur große Schäden in den Ortsteilen Heusweiler und Eiweiler verursacht hatte, sondern auch etwa 15 Familien in Holz schädigte. Jan Paul hatte die betroffenen Familien deshalb Anfang Juni zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Dabei wurde die Vermutung geäußert, das Kanalsystem der Gemeinde Heusweiler sei womöglich nicht ausreichend dimensioniert, um große Regenwassermengen aufnehmen und abtransportieren zu können.

Dieser Vermutung widersprachen Karges und Andres in der Ortsratssitzung jedoch ganz eindeutig. „Unser Kanalsystem ist ausreichend dimensioniert, aber kein Kanal kann diese Mengen von Abwässern abtransportieren, wie sie jetzt, bei den immer häufiger werdenden Starkregenereignissen, anfallen“, sagte Karges. (An der Wetterstation von Jörg Hoffmann in Eiweiler waren während des extremen Starkregens 86 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen.)



Dirk Andres betonte, dass der Starkregen am 1. Juni ein so genanntes „85-jahres-Ereignis“ gewesen sei. Will heißen: „In der Theorie geht man davon aus, dass so etwas nur alle 85 Jahre passiert. In der Praxis ist es aber so, dass solche Ereignisse durch den Klimawandel verursacht sind und jetzt alle drei Wochen vorkommen können“, mutmaßte Andres.

Er betonte, dass das Heusweiler Kanalsystem „für den Normalfall“ ausreichend dimensioniert sei. Und er habe bei einer Untersuchung der Kanäle und Kanalschächte auch keine Schäden feststellen können. – „Alles ist in einem guten Zustand, der ZKE hat keinen Handlungsbedarf“, so Andres.

Allerdings gebe es ein Problem, das nicht lösbar sei: „Unser Kanalsystem ist ein Mischwasserkanalsystem. Es nimmt also nicht nur Regenwasser, sondern auch die häuslichen Abwässer auf“, sagte Andres. Also auch das Wasser aus den Toiletten. Und damit die Fäkalien auch in die Kläranlagen gelangen, müssen die Kanäle – durch das Regenwasser – gespült werden. Noch größer dimensionierte Kanalrohre als die vorhandenen würden jedoch die Fließgeschwindigkeit des zugeführten Wassers vermindern; Andres: „Die Fäkalien bleiben dann am Kanalboden liegen. Bei wochenlanger Hitze und Trockenheit backen die dann am Boden fest, werden richtig hart und verengen den Kanaldurchmesser.“

Andres verwies aber auch darauf, dass viele der jetzigen Überschwemmungen „hausgemacht“ seien. Es gebe immer mehr versiegelte Flächen, immer mehr barrierefreie Straßen, die flache oder gar keine Bürgersteige haben. Das Regenwasser wird nicht mehr aufgehalten, kann ungehindert über die Bürgersteige auf die Grundstücke fließen – nicht nur bei Häusern, die an einer Hanglage stehen.

Deshalb könne man nur wenig tun, um der Wassermassen bei Starkregen Herr zu werden, Man solle jedoch darauf achten, dass die Rinnsteine sauber und von Dreck und Laub freigehalten werden. Zudem solle man umgehend dieGemeindewerke informieren, wenn Sinkkästen (Gullys) verstopft sind und das Regenwasser nicht mehr ablaufen kann. Und vor allem soll man Rückstauklappen im häuslichen Kanalsystem einbauen.

Beratung erhält man im Kundenzentrum der GWH, Tel. (0 68 06) 98 77 70.