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Als der Kutzhofer Mailänder nach Asien aufbrach

Historiker stellt neues Buch in Heusweiler vor : Als der Kutzhofer Mailänder als Soldat nach Asien aufbrach

Historiker aus Heusweiler beschreibt die spannende Biografie des Mannes, der in japanischer Gefangenschaft war, in einem neuen Buch.

 Die Odyssee des Kutzhofers Andreas Mailänder in den Jahren von 1912 bis 1920 fasziniert den Historiker Hans-Joachim Schmidt. Mailänder (1892 bis 1980) war Heilgehilfe auf der Grube Göttelborn, Landwirt und Gastwirt, eigentlich ein ganz normaler Mann, aber mit einer interessanten Biografie, denn er war als Marinesoldat in Asien.

Schon vor achtzehn Jahren beschäftigten sich Schmidt und der vor zwei Jahren verstorbene Heusweiler Heimatforscher Karl Heinz Janson mit dem Leben von Mailänder und brachten ein erstes Buch heraus. Nun stellte Schmidt im Rahmen des Aschermittwochtreffens der SPD Kutzhof die zweite, deutlich erweiterte Auflage vor, und zwar aus Anlass der Heimkehr Mailänders aus der Gefangenschaft Anfang März 1920.

Der Zufall wollte es, dass sich Schmidt mit dem Leben des Andreas Mailänder beschäftigte: 1984 kauften Schmidt und seine Frau Gabriela das Haus, das Mailänder bewohnt hatte. Auf dem Dachboden entdeckten die neuen Hausbesitzer Reste des Nachlasses des vier Jahre zuvor Verstorbenen. Sie fanden Postkarten, Briefe und allerlei Erinnerungsstücke an Mailänders Zeit als Soldat in China und Gefangener in Japan. Das alles machte auf Schmidt so viel Eindruck, dass er beschloss, sich dem Leben Mailänders zu nähern. Dessen „Japan-China-Connection“ war in der Folge bereits Thema eines Internetprojektes und eines Dokumentarfilms. Die Familie Schmidt reiste zur Recherche sogar 2005 nach Japan und 2014 nach China.

In einem Vortrag beim Aschermittwochkonvent in den Räumen der Feuerwehr Kutzhof beschrieb Schmidt nicht nur das Leben Mailänders, so ganz nebenbei erhielten die vielen Gäste einen Einblick in die Geschichte von Kutzhof. So erfuhren sie zum Beispiel, dass wegen des 30-jährigen Kriegs (1618 bis 1648) Kutzhof 20 Jahre lang nicht besiedelt gewesen war.

Spannend ist auch die Frage: Was bringt einen jungen Mann am Anfang des vorigen Jahrhunderts dazu, sich mit der Marine nach Südostasien auf den Weg zu machen? Um aus jugendlicher Abenteuerlust die Enge des dörflichen Lebens zu verlassen? Mailänder selbst, so schreibt Schmidt, habe nach seiner Abreise1912 acht Jahre Zeit gehabt, über seine Gründe nachzudenken: „Er hat sein Asienabenteuer immer wieder auch kritisch hinterfragt, obwohl er ein eher unpolitischer Mensch gewesen war,“ resümiert der Autor.

Schmidt spekuliert nicht in seinem gut 100 Seiten umfassenden Buch, das er im Selbstverlag herausgebracht hat. Vielmehr beschreibt er kenntnisreich und genau recherchiert das Leben in dieser Zeit in Kutzhof, aber auch das Leben der deutschen Soldaten in China und Japan. So kann sich der Leser selbst ein Bild machen und seine Schlüsse ziehen.

Andreas Mailänder als Marinesoldat. Foto: Repro: SZ

Einen weiteren Grund für die Veröffentlichung des Buches sei die einstige Bekanntheit und Beliebtheit des Kutzhofers Mailänder in seinem Heimatort. Über zwei Generationen hinweg hat er, nicht zuletzt mit seiner Gaststätte und dem angegliederten Veranstaltungssaal, das Leben im Dorf geprägt. Viele der älteren Kutzhofer haben die vielen Veranstaltungen im Gasthaus Mailänder in bester Erinnerung: Fastnachtsbälle, Vereins- und Familienfeiern oder die Theateraufführungen belebten den Ort. Die Kutzhofer von heute könnten davon nur noch träumen, bedauerte Schmidt. Aber das sei ein ganz anderes Thema.