Albert Stoffer aus Heusweiler hilft seit dem Vietnamkrieg Flüchtlingen

Helfer in der Not : Die gute Seele aus Heusweiler

Eine schlimme Kindheit hat Albert Stoffer dazu gebracht, ehrenamtlich Flüchtlingen zu helfen.

Eine schlimme Kindheit war es, die bei Albert Stoffer schon früh den Entschluss reifen ließ, auch für andere Menschen da zu sein. Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich der heute 74-Jährige in der Flüchtlingshilfe. „Mein Ziel war es immer, den Schwächeren zu helfen. Denn ich weiß, wie es ist, wenn man seelisch und körperlich misshandelt wird. Ich habe es ja am eigenen Leib erfahren“, sagt der schon lange in Heusweiler lebende Franzose.

Seine Familie stammt aus dem Elsass, das 1940 von Deutschland annektiert worden war. Weil sein Vater Arbeitsdienste in Berlin-Neukölln verrichten musste, kam Albert Stoffer dort am 7. April 1945 zur Welt. Nach dem Krieg kehrten seine Eltern nach Mulhouse (Mülhausen) zurück. Von klein auf erhielt Stoffer im Elternhaus Prügel statt Liebe, wurde mit Verboten gequält. So wollte er nach der Schulzeit im sozialpädagogischen Bereich arbeiten, absolvierte eine Ausbildung als Erzieher und sollte nach bestandener Prüfung ein Kinderheim in Thamm übernehmen. Doch das erlaubten ihm seine Eltern nicht. Stattdessen musste er als Verwaltungsangestellter im Mülhauser Rathaus arbeiten.

Während seines Wehrdienstes lernte er 1965 Christa Kunkel aus Brotdorf kennen und lieben. Seine Eltern waren gegen diese Verbindung, nannten Christa Kunkel eine „Boche“, ein abfälliger Spitzname für die Deutschen. Trotzdem heiratete Stoffer 1967 seine Christa, verließ drei Jahre später Mulhouse, seine Eltern und seine Arbeitsstelle, ging nach Deutschland.

In Saarbrücken fand er in einer Filiale der Banque Nationale de Paris schnell Arbeit. „Aber ich war unglücklich in meinem Job, obwohl ich mich bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter hoch arbeitete“, erinnert sich Stoffer, „ich fühlte mich als Erzieher und wollte unbedingt etwas in diesem Bereich machen, also nahm ich Ehrenämter an.“ Zunächst im Landesverband Saar des deutschen Kinderschutzbundes, dessen Vorsitzender er Ende der 1970er Jahre wurde. „Ich hab’ Kinder im Winterbergkrankenhaus besucht, die sonst nie Besuch gekriegt haben, bot auf der Welt der Familie eine Kinderbetreuung an, machte in der Weihnachtszeit den Nikolaus, brachte die Wäsche von alleinerziehenden Müttern nach Hause, und meine Frau wusch sie.“

Außerdem sammelte er aus dem Sperrmüll Spielsachen, reparierte sie und verteilte sie an arme Kinder. Das gefiel einem Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes nicht. „Man warf mir vor, dass ich diese Aktion ohne Vorstandsbeschluss gemacht hätte. Da hatte ich die Nase voll und stellte mein Amt zur Verfügung“, sagt Stoffer. Dann widmete er sich vietnamesischen Kriegsflüchtlingen – 1975 war der Vietnamkrieg zu Ende gegangen –, die in Schwalbach untergebracht waren. 30 Familien betreute er dort auf eigene Kosten und Verantwortung. „Jeden Tag fuhr ich nach der Arbeit nach Schwalbach. Auch an Sonn- und Feiertagen, brachte den Familien Kleider, Spielsachen, Essen und alles was man im Haushalt braucht“, so Stoffer. Ohne die Unterstützung seiner Frau hätte er dies alles nicht tun können, betont er: „Sie war die wichtigste Person für mich.“ Christa Stoffer erklärt ihre Unterstützung so: „Das war eine Selbstverständlichkeit, denn Albert hat wegen mir alles in Frankreich aufgegeben.“

Parallel zu Schwalbach kümmerte sich Stoffer seit Ende 1970 auch um in Lebach lebende Asylbewerber und Flüchtlinge. Er erledigte für sie Amtsbesuche, brachte kranke Kinder zum Arzt, versorgte die Familien mit Geld und allen möglichen Hilfsgütern, die er privat sammeln konnte. Und er betont: „Viele Heusweiler Bürger haben mich unterstützt. Ohne ihre Hilfe hätte ich wenig ausrichten können.“ 1981 war er zunächst nach Riegelsberg, ein Jahr später nach Heusweiler gezogen, wo er mit seiner Frau und ihrem 1981 geborenen Sohn Frederic eine Wohnung in der Schillerstraße bezog.

Schon nach dem Vietnamkrieg, der 1975 endete, half Albert Stoffer Flüchtlingen. Hier ein Foto von fliehenden Kindern aus dem Jahr 1972. Foto: dpa/Nick Ut
Christa Stoffer Foto: dg. Foto: Fredy Dittgen

2008 ging Stoffer in Rente, aber nicht in den Ruhestand. Er arbeitete für die ABG Heusweiler/Riegelsberg (Ausbildungs- und Beschäftigungs-Förderungsgesellschaft) als Französischlehrer in den Heusweiler Grundschulen und leitete bei der VHS Heusweiler Französischkurse. Und er denkt noch nicht ans Aufhören, auch wenn die finanzielle Belastung für ihn hoch ist. Anreiz für ihn ist der Dank der von ihm betreuten Familien: „Menschen, die heute erwachsen sind und selbst schon Kinder haben, rufen mich immer noch an und danken mir. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen.“

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