Abrissparty: Neubaugebiet auf dem Heusweiler Freibad-Gelände

Neubaugebiet auf Freibad-Gelände : Abrissparty mit Abschied und Neustart

Die Abrissarbeiten am Heusweiler Freibad haben begonnen. Es entsteht ein Neubaugebiet mit 60 Grundstücken in schöner Lage nahe der Ortsmitte.

Bis die ersten Häuser stehen, wird es noch ein Weilchen dauern, aber eines ist jetzt schon klar: Die Aussicht von hier wird fantastisch sein. Gestern, am Donnerstag, fällt auf dem einstigen Heusweiler Freibadgelände der offizielle Startschuss für die Erschließungsarbeiten des neuen Wohngebietes, das hier entsteht; vorbei an Bagger, leeren Becken und verfallendem Sprungturm geht der Blick weit ins Köllertal. Auch viele Anwohner sind gekommen, für die Jahre der Unsicherheit zu Ende gehen. Unter den Lokalpolitikern ist der erste Beigeordnete Volker Leinenbach: Seit über 50 Jahren im Gemeinderat, war er auch schon dabei, als der Bau des Hallen-Freibades parteiübergreifend angestoßen und es 1973 eröffnet wurde. „Natürlich bin ich heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge hier“, so Leinenbach. Das weinende Auge gilt, wie bei vielen Heusweiler Bürgern, dem verschwundene Bad, an das viele Menschen auch im Umland schöne Erinnerungen haben – zumal das Gelände gerne zum ersten, vorsichtigen knüpfen zarter Bande zwischen den Geschlechtern genutzt wurde. Das lachende Auge gilt der Tatsache, dass es hier nun endlich weitergeht – das Gelände ist ein Sahnehäubchen nicht sehr weit von der Heusweiler Ortsmitte.

Bürgermeister Thomas Redelberger (CDU) erinnert an die Geschichte des Bades und dessen ungewöhnliche technischen Besonderheit: Das Wasser wurde viele Jahre über die Abwärme der nahen SR-Sendeanlage (die es auch nicht mehr gibt) aufgeheizt. „Sogar eine Delegation aus Japan reiste an, um sich von der Funktionsweise der Abwärmenutzung zu überzeugen.“

Doch nachdem die Sendeanlage weniger Energie brauchte, gab es die Abwärme nicht mehr im benötigten Umfang, und irgendwann waren jährlich hohe Betriebskosten von 350 000 Euro und mehr zu zahlen, während der Sanierungsbedarf immer weiter stieg. So kam schließlich 2007, mit knappem Mehrheitsbeschluss, das Ende fürs Bad. Redelberger: „Das Thema ist natürlich auch mit vielen Emotionen verbunden, denn oft ist von schönen Kindheitserinnerungen die Rede.“

Das Gelände, auf dem zunächst keine Wohnbebauung erlaubt war, vergammelte. Viele Überlegungen – von der Skaterbahn über einen Camping- bis zum Bauhofplatz – wurden nie realisiert. 2014 lief gegen einen Investor bereits ein Verfahren wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung, als er seinen Plan vorstellte, einen Fitnesspark zu bauen. Als schließlich Wohnbebauung erlaubt war, stand Ende 2016 ein Investor in der engeren Wahl, mit dessen Plan der Rat dann doch nicht zufrieden war – dem Vernehmen nach war der gebotene Grundstückskaufpreis an die Gemeinde zu gering.

Schließlich kam 2017 das offizielle „Interessenbekundungsverfahren“, das es vorher nicht gegeben hatte. Mehrere Investoren meldeten sich, die Völklinger Firma PBW Immobilien von Norbert John bekam den Zuschlag. „Das Gelände ist nicht einfach – nass und lehmig, das wird Schwierigkeiten machen –, aber ich bin zuversichtlich“, so John, der mit etwa 20-jähriger Erfahrung spricht. Er rechnet damit, etwa vier Millionen Euro für den Grundstückskauf und Erschließungsarbeiten einschließlich des Abrisses zu investieren. Der Abriss könnte innerhalb von sechs bis acht Wochen erledigt sein. Es sollen etwa 60 Baugrundstücke, überwiegend für Ein- und Zweifamilienhäuser, entstehen. Läuft alles nach Plan, sind die Erschließungsarbeiten Ende 2020 abgeschlossen, dann können auch die Häuslebauer ans Werk gehen.

Der „Spatenstich“ am Donnerstag besteht dann aus ein paar kräftigen Stößen des Abrissbaggers an einem der alten Gebäude. Dann beginnt mit einer kleinen Abrissparty der Einstieg in etwas Neues.

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