| 00:00 Uhr

80 Jahre Flimmerkiste

Köllertal. Seit genau 80 Jahren flimmern regelmäßig bewegte Bilder durch (zuerst nur sehr wenige) deutsche Wohnzimmer. Wie steht man im Köllertal zu des Deutschen liebster Freizeitbeschäftigung – dem Fernsehen? Anny-Ellen Reichel

Das Fernsehen feierte am gestrigen Sonntag runden Geburtstag: Vor 80 Jahren ging in Deutschland das erste regelmäßig ausgestrahlten Fernsehprogramm auf Sendung.

Mittlerweile ist der Flimmerkasten nicht mehr weg zu denken - jeder Deutsche schaut im Schnitt jeden Tag über dreieinhalb Stunden Fernsehen . Wir wollten wissen, was die Menschen im Köllertal vom Fernsehen halten, und was sie besonders daran mögen oder was gar nicht gerne in der Röhre sehen.

"Fernsehen ist ein reiner Freizeitkiller, da die Zeit dadurch viel schneller vergeht. Ich erwische mich oft dabei, länger vorm Fernseher zu sitzen, ohne es eigentlich zu wollen", schildert uns Matthias Pfordt aus Heusweiler . Der 24-jährige Industrie-Mechatroniker schätzt die große Programmauswahl und die Abwechslung im TV: "Ich schaue am liebsten Serien. Aber was gar nicht geht, sind die ständigen Werbepausen."

Magdalena Arendt ist momentan in der Elternzeit und nutzt jede freie Sekunde ohne Kind zum Relaxen. "Früher habe ich nicht so viel ferngesehen. Seit ich Mutter bin und mal Zeit für mich finde, zappe ich des Öfteren durch die Programme." Die 32-jährige Riegelsbergerin findet verschiedene Programme sehr ansprechend, insbesondere wenn es ums Reisen geht: "Gerade wenn man keine Zeit oder nicht das nötige Geld für Reisen hat, finde ich es interessant, darüber etwas im Fernseher erfahren zu können", so die Mutter, "Werbung allerdings kann ich nicht mehr sehen."

"Ich weiß noch genau, wie wir damals unseren ersten Fernseher bekommen haben. Es gab genau drei Programme. Allerdings hat dies das Zusammenleben komplett verändert", so Veronika Schwarz, die Vor- und Nachteile am TV sieht: "Zum einen sitzt man als Familie nicht mehr so innig wie früher zusammen und spielt Spiele oder Ähnliches. Zum anderen ist es aber von großem Nutzen, alles über die Welt auf einen Blick zu haben." Die 64-jährige Rentnerin aus Heusweiler schaut am liebsten geografische Sendungen, um die schönsten Orte zu erkunden.

Dachdecker Gurbet Golla (19) sieht sich vor dem Schlafen etwa eine Stunde das Fernsehprogramm an. "Eigentlich ist der Fernseher nur reiner Zeitvertreib. Die Vielfalt an Programmen und Serien oder Filmen ist schon cool, aber durch die Werbung werden diese ja ewig hinausgezögert. Und so sitzt man dann länger vorm Fernseher als gewollt", erzählt der 19-Jährige aus Saarbrücken, der in Heusweiler unterwegs war.

"Es kommt auf die Uhrzeit an, ob Sendungen gut sind oder nicht. Ich schaue abends zum Abschalten höchstens zwei Stunden aktiv fern. Und dann aber auch nur Wissenswertes und Aktuelles", so Fleischereifachverkäuferin Heike Fellinger-Müller, die ihren Fernseher tagsüber nur für Hintergrundgeräusche laufen lässt. Der 45-jährigen Heusweilerin ist die Werbung ein Dorn im Auge: "Ich mag es nicht, wenn man ständig durch Werbepausen unterbrochen wird. Das nimmt doch die Spannung und das Interesse an jeder Serie oder jedem Film."

Maurice Schmidt aus Heusweiler findet es, obwohl selbst erst 18 Jahre alt, schade, dass gerade die jüngere Generation nur noch vor dem Fernseher sitze. Bei ihm selbst sei es anders gelaufen: "Wir sind früher zum Spielen mit Freunden raus gegangen und hatten den ganzen Tag in der Natur unseren Spaß. Heute sitzen viele nur noch zu Hause und schauen diese komischen Seifenopern." Der junge Mann macht derzeit eine Ausbildung zum Dachdecker und hatte seinen Fernseher schon seit knapp drei Wochen nicht mehr an. "Ich habe momentan wenig Zeit, und die opfere ich dann eher selten für den Fernseher."



Zum Thema:

HintergrundDas Fernsehen an sich hat mehrere Väter des Erfolgs, denn verschiedene Erfindungen und Weiterentwicklungen machten die elektronische Bildübertragung schließlich möglich. Erste Sendungen gab es schon in den 1920er Jahren in England und den USA. Das erste regelmäßige elektronische Fernsehprogramm der Welt in sogenannter hochauflösender Qualität wurde allerdings ab dem 22. März 1935 in Berlin ausgestrahlt (erste Einzel-Sendungen gab es ab 1. August 1928, seit 1934 mit Ton). Der "Deutsche Fernseh-Rundfunk", bzw. "Fernsehsender Paul Nipkow" (nach dem Erfinder der Nipkow-Scheibe, eine technische Voraussetzung für die frühen Fernsehapparate) umfasste von seiner Reichweite her allerdings lediglich Berlin und Umgebung, und es gab nur sehr wenige Fernsehgeräte im Privatbesitz, zudem wurden öffentliche "Fernsehstuben" eingerichtet. Von Anfang an nutzte das nationalsozialistische Regime das Fernsehen , mit dem zunächst nur Liveübertragungen möglich waren, auch für Probagandazwecke. red