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60 000 Euro fürs Holzer Schloss sind flöten

Holz. Durch kleinere Maßnahmen sollte das Gelände am ehemaligen Jagdschloss in Holz aufgewertet werden. Doch die vor zwei Jahren im Heusweiler Haushalt eingestellten 60 000 Euro sind inzwischen anderweitig ausgegeben. Die Verhandlungen mit der Diakonie (Grund-Eigentümer) hätten sich hingezogen. Die Gemeinde wollte das Gelände „für umsonst“ pachten. Fredy Dittgen

In Holz hatte man sich so darauf gefreut: Das alte Jagdschloss in der Straße Am Hof sollte "städtebaulich" aufgewertet werden. Jetzt aber sieht es so aus, als sei der Traum geplatzt: Es ist kein Geld mehr da.

Der Holzer Ortsrat und der Heusweiler Gemeinderat hatten im Januar 2013 einstimmig beschlossen, das Gelände am Schloss aufzuhübschen. Geplant war eine neue Zufahrt von der Alleestraße her. Das mit Gestrüpp zugewachsene Wiesengelände sollte gerodet werden, ein "Kommunikationsbereich" mit Bänken sowie Parkplätze waren vorgesehen. Auch wollte man entlang der Alleestraße ein paar Bäume pflanzen, und die Bushaltestelle sollte behindertengerecht ausgebaut werden.

60 000 Euro wurden dafür in den Haushalt eingestellt. Doch die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Gebäudes - dem Diakonischen Werk Saar - zogen sich lange hin, wie Heike Thewes, Bauamtsleiterin der Gemeinde Heusweiler , im Ortsrat berichtete: "Die Gemeinde war bereit, das Gelände um das Jagdschloss für 30 Jahre anzupachten und zu unterhalten. Aber das Diakonische Werk war nicht damit einverstanden, das Gelände ohne Pachtzins zu verpachten." Die Diakonie verlangte eine Jahres-Pacht von einem Prozent des Grundstückswertes. "Das wären 1000 Euro pro Jahr, auf 30 Jahre also 30 000 Euro , die zu den Investitionen von 60 000 Euro hinzugekommen wären. Auf Grund der angespannten Haushaltslage war das zu viel", sagte Thewes.

In weiteren Verhandlungen bot das Diakonische Werk an, das Gelände für 0,5 Prozent zu verpachten - die Gemeinde bestand weiterhin auf kostenloser Pacht. Dazu Thewes: "Durch den Umbau und die regelmäßige Unterhaltung hätte das Gelände ja an Wert gewonnen, was dem Diakonischen Werk zu Gute gekommen wäre." Weil sich die Verhandlungen so lange ohne Ergebnis hinzogen und immer noch keine Einigung erzielt wurde, seien die im Haushalt stehenden 60 000 Euro "in andere Maßnahmen verteilt worden", berichtete Thewes. Will heißen: Das Geld ist weg. "Damit ist das Projekt wohl gestorben. Wir können das Kreuz drüber schlagen", bedauerte Martin Walter (CDU ). Ortsvorsteher Jan Paul (SPD ) ärgerte sich: "Wenn ich sehe, dass die 60 000 Euro jetzt verloren sind, dann frage ich mich, warum hat man den Ortsrat erst heute und nicht schon früher informiert?"

Einen kleinen Hoffnungsschimmer scheint es aber noch zu geben: "Der Haushalt ist noch nicht beraten worden, wir sollten mit den Fraktionen nochmal reden, ob noch etwas zu machen ist", ergänzte Paul. Im Jahr 1615 gehörte der Holzer Hof (das Gelände um die heutige Straße Am Hof) zum Quierschieder Hof. Im 30-jährigen Krieg (1618-1648) wurde er zerstört und fiel 1716 an die Fürsten von Nassau-Saarbrücken. Fürst Friedrich Wilhelm ließ den Hof Mitte des 18. Jahrhunderts neu aufbauen: 1750 entstand ein Jägerhaus, in dem der fürstliche Oberjäger amtierte. Ab 1761 wurde der Hof in altem Stil mit Hofwohngebäude, Stallungen, Scheuer und Schäferei neu erbaut. Ältere Bürger erinnern sich an diese Gebäude als Bauernhof der Familie Schampel. Mittlerweile ist aber längst alles abgerissen, nur noch das Jagdschlösschen blieb erhalten. Einst wurde es vom Fürsten gerne genutzt, um seiner Jagdleidenschaft zu frönen, er zog dann mit Gefolge vom Saarbrücker Schloss nach Holz , die Alleestraße runter, die damals mit hohen Bäumen bepflanzt war.

Nach der Kaiserzeit fiel das Jagdschloss an die Kreissynoden Saarbrücken und St. Johann, die dort 1926 ein Waisenhaus einrichteten. Noch heute wird das Haus im Volksmund "Waisenhaus " genannt. Es steht unter Denkmalschutz und dient dem Diakonischen Werk als soziale Einrichtung. Seit Ende der 1970er Jahre werden hier in familienähnlichen Strukturen Kinder und Jugendliche betreut, für die ein Verbleib in der eigenen Familie nicht mehr möglich oder sinnvoll war.