300 Arbeitsplätze bei Arvato in Eiweiler bedroht

Fast 300 Arbeitsplätze bedroht : Stimmung gereizt und kampfeslustig

„Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen muss.“ – Unverständnis über Schließungspläne von Arvato.

Die vom Arbeitsplatzverlust bedrohte Belegschaft des Arvato-Callcenters in Eiweiler bekommt Unterstützung von allen Seiten. Das wurde am Mittwochabend, bei einem Informationsabend in der Heusweiler Kulturhalle deutlich, zu dem die Ortsgruppe der Gewerkschaft IGBCE geladen hatte. Rund 100 Arvato-Mitarbeiter, Politiker, Gewerkschafter, aber auch „ganz normale“ Bürger kamen, um Solidarität und Kampfbereitschaft zu demonstrieren.

Wie berichtet soll das Callcenter zum 30. Juni 2019 geschlossen werden. Das würde den Verlust von 293 Arbeitsplätzen bedeuten. „Davon sind 40 aus der Gemeinde Heusweiler, die anderen kommen aus den umliegenden Gemeinden“, sagte der Heusweiler Bürgermeister Thomas Redelberger. Er machte sein Unverständnis über die Schließung des Standortes Eiweiler deutlich. Im Wirtschaftsausschuss des saarländischen Landtages habe man die Arvato-Geschäftsführung gefragt, wie viel Standort sie in Deutschland habe und welche davon positiv sind. „Die Antwort: Es gibt 23 Standorte, zwei davon sind positiv, Eiweiler liegt auf Platz drei, alle anderen dahinter machen Millionen Verluste“, so Redelberger.

Der Riegelsberger CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Wegner, zugleich Präsident der saarländischen Handwerkskammer, betonte: „Der saarländischen Politik sind die Arbeitsplätze in Eiweiler nicht egal. Wir wollen mit Ihnen darum kämpfen, dass sie erhalten werden.“ Wie Redelberger, so zeigte auch Wegner Unverständnis für die Schließungspläne und fand drastische Worte: „Die Geschäftsführung konnte nie logisch erklären, warum ausgerechnet Eiweiler geschlossen werden soll. Das ist ein Stück empörend und in meinen Augen eine Sauerei. Das können wir als Politiker nicht einfach so hinnehmen und werden für den Standort kämpfen.“

Auch der CDU-Landtagsabgeordnet Marc Speicher aus Saarlouis versprach Unterstützung: „Wir werden am Ball bleiben und nehmen es nicht hin, dass 300 Arbeitsplätze verloren gehen.“ Stefan Schmidt, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Heusweiler Gemeinderat, rief dazu auf, die geplante Demonstration in Gütersloh zu unterstützen: „Wenn wir dort zeigen, dass wir Saarländer zusammenhalten, können wir was ausrichten.“

Sehr böse über die Schließungspläne war der Eiweiler Ortsvorsteher Richard Wachall (CDU). Er erinnerte daran, dass hinter jedem Arbeitsplatz Familien und Schicksale stehen. Und er kritisierte: „Bei den Schließungsplänen geht es darum, Börsianer, Anleger und Aktienbesitzer mit Dividenden ruhig zu stellen. Das muss ein Ende haben.“ Detlev Uhte, Gewerkschaftssekretär des IGBCE-Bezirkes Saarbrücken, fand auch drastische Worte: „Die wirtschaftliche Zahlen sind in Eiweiler gut. Es soll mir mal einer erklären, warum dieser Standort geschlossen werden soll. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen muss.“ Uhte rief auf, „den Druck auf den Kessel“ zu erhöhen: „Wir müssen die Bertelsmann-Stiftung ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Dazu kann man Social Media nutzen.“

Uhte stellte auch in Frage, ob Bertelsmann ein guter Arbeitgeber sei, der so viel Wert auf hohe Arbeitssicherheit in seinen eigenen Statuten lege. „Das liest sich alles wunderbar, die Realität ist eine andere. Man muss die Bertelsmänner dort hinstellen, wo sie hingehören: an den Pranger.“ Wie Joachim Beermann, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Arvato-Eiweiler sagte, wird man ab sofort täglich bis Freitag vor Weihnachten auf dem Betriebsgelände eine Mahnwache abhalten. Und am 18. Januar wird man mit mehreren Bussen nach Gütersloh fahren und dort vor der Betriebszentrale von Bertelsmann demonstrieren.

Ein Belegschaftsmitglied stellte die Frage nach einem Streik. Dazu Detlev Uhte: „Weil die Zahlen derzeit wirtschaftlich gut sind, ist es erstmal förderlich, dass die Arbeit vernünftig weiter gemacht wird. Weil wir den Arbeitgeber dahin kriegen wollen, seine Entscheidung zu revidieren.“ Wenn Bertelsmann jedoch an der Schließung festhält, sei ein Streik möglich, betonte Uhte. Ein Streik der dem Unternehmen weh tun würde, denn rund 60 Prozent der Belegschaft ist gewerkschaftlich organsiert.