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Klassik vom Feinsten
Helle Begeisterung in der Q.lisse

Esther und Lea Birringer auf der Bühne der Q.lisse.
Esther und Lea Birringer auf der Bühne der Q.lisse. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Die Geschwister Birringer verzauberten ihr Publikum im neuen Quierschieder Kultursaal.

Das hatten sich sowohl der Veranstalter, die Gemeinde Quierschied, als auch die Akteurinnen am Freitagabend gewiss anders vorgestellt. Eis und Schnee sorgten dafür, dass das Konzert von Lea (Violine) und Esther Birringer (Klavier) in der Q.Lisse nur vor einer überschaubaren Anzahl von Besuchern stattfinden konnte. Dem Genuss der Klassikfans tat dies jedoch keinen Abbruch. Dabei begaben sich die Geschwister Birringer an einen Ort, an dem sie vor Monaten bereits künstlerisch aktiv waren. Sie umrahmten im September 2017 die Eröffnungsfeier des Hauses der Kultur und sorgten damals beim Publikum für große Begeisterung.


Der Auftritt der beiden Frauen aus Göttelborn war am Freitag einem speziellen Anlass gewidmet: Es handelte sich um das CD-Veröffentlichungskonzert. Sozusagen die erste Präsentation des neuen Tonträgers der beiden, die sonst eigentlich eher solo auftreten.

„Lifelines“, zu Deutsch „Lebenslinien“, ist der Name der neuen Compact Disc, die im britischen Label Rubicon Classics erschienen ist. Es ist die zweite CD des Duos. Vor vier Jahren erschien bereits das Debüt mit Sonaten von Paul Hindemith, Karol Szymanowski und Ottorino Respighi.



Mit einem alles andere als alltäglichen Programm beeindruckten die beiden Musikerinnen. Wie Lea Birringer verriet, hat man Edward Griegs Sonate F- Dur op. 8 die Sonate A-Dur von César Franck gegenübergestellt. Sozusagen dem norwegischen Pianisten und Komponisten der Romantik, der vor allem durch die Peer-Gynt-Suite populär wurde, den französischen Komponisten und Organisten mit französisch-belgischer Abstammung in Zusammenhang gebracht. Doch dazwischen fand sich ein anderer Komponist, der Grieg in der zweiten Hälfte des ersten Teils folgte, der Ungar Franz Liszt. „Das ist ein anderer Liszt, als man ihn kennt“, hatte Lea Birringer die Elegien Nr. 1 und Nr. 2. anmoderiert. Eines wird einem, wenn man das Duo zum ersten Mal live erlebt, schnell klar: Lea und Esther Birringer wirken, als wären sie eins. Sie sind perfekt aufeinander abgestimmt. Es hat den Anschein, dass alles wie von selbst läuft. Von einem aufeinander eingeschworenen Team zu schreiben, wäre eine Untertreibung. So etwas geht offenbar auch nur bei Geschwistern.

Doch es ist nicht nur die Harmonie, sondern vor allem das musikalisch-technische Können, das beeindruckt. Gepaart mit der entsprechenden Präzision, die man vor allem bei den drei Werken braucht, die in Quierschied aufgeführt wurden, entsteht so eine mehr als gelungene Mischung.

Es hat den Anschein, als würde Lea führen, das Werk auf den Weg bringen und Esther im Hintergrund die musikalische Landschaft vorbeiziehen lassen. Ja und nein, wäre die Antwort. Denn die Pianistin strotzt nur so vor Kraft und ist nur vermeintlich im Hintergrund.

Attribute, die umgekehrt auch auf das zarte Saiteninstrument der Schwester Lea zutreffen. Bei Francks Sonate handelt es sich eigentlich um ein Hochzeitsgeschenk. Darin beschreibt er den Zyklus einer Ehe. Von der Kennlern-Phase und der Verliebtheit über den Alltag bis hin zum ein oder anderen Disput. Für die Birringers handelt es sich bei dem Werk vielmehr um einen Lebens- statt um einen Liebes- oder Ehezyklus. „Die Musik sprengt die Form“, erklärte Esther Birringer vorab. Die Musik klinge weiter. Fast schon, als habe sie sich entwickelt.

Nach lauten Bravo-Rufen hatte das fantastische Duo auch noch eine Zugabe im Gepäck.