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Heldin des Alltags hinter Spuckschutzplexiglas an der Supermarktkasse

Saarbrücken : Heldin des Alltags hinter Spuckschutzplexiglas

Die 23-jährige Vanessa Mittauer sitzt in einem Alt-Saarbrücker Lebensmittelmarkt an der Kasse. Sie kennt dankbare und missmutige Kunden.

Der Beruf der Kassiererin hat Beachtung in der Bundespolitik gefunden. Corona-Prämien werden steuerfrei sein. Es wird viel über die Menschen berichtet, die die Versorgung in der Krise aufrechterhalten.

In einem Alt-Saarbrücker Lebensmittelmarkt sitzt die 23-jährige Vanessa Mittauer an der Kasse. Sie erntet Dank und Missmut gleichermaßen. „Wir haben an der Kasse eine Schublade, die ist voller Schokolade. Kunden kaufen Süßigkeiten und geben uns davon etwas ab, um Danke zu sagen. Sogar eine schriftliche Danksagungskarte haben wir bekommen und aufgehängt, das freut uns sehr“, sagt die junge Saarbrückerin, die seit neun Jahren in dem Markt arbeitet. Dort hat sie den Beruf der Einzelhandelskauffrau gelernt, und sie hat bis heute Spaß an der Arbeit.

Vier Kolleginnen und Kollegen sind in der Frühschicht an der Kasse, vier am Mittag bis zum Abend. Dazwischen werden die Regale eingeräumt, Lastwagen von der Zentrale kommen mit Nachschub. Desinfektionsmittel sind aus, Küchenrolle und Toilettenpapier immer wieder mal vergriffen.

„Es kommt dann vor, dass Kunden ihren Frust an uns ablassen. Das sind in aller Regel Kunden, die wir vorher nie gesehen haben, es sind Einzelfälle, niemals Stammkunden. Aber die ziehen schon die Stimmung runter“, sagt die junge Frau.

Die Arbeit an der Kasse hat sich verändert. Das Kassenband wird regelmäßig desinfiziert, die Mitarbeiter tragen schwarze Gummihandschuhe, zwischen Personal und Kunden ist eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz.

„Ich fühle mich da schon einigermaßen sicher“, sagt die junge Frau, die es aber auch schon erlebt hat, dass Menschen in die Hand niesen und dann die Geldscheine greifen. „Wir haben jetzt sogar Desinfektionsmittelspender für die Kunden. Nur manche reagieren barsch, wenn man sie auf Hygieneregeln hinweist.“

Insgesamt sei den Kundinnen und Kunden die schwierige Situation des Personals bewusst. An den Kassen werde Abstand gehalten, Markierungen auf dem Boden würden einen Anhaltspunkt geben.

„Fast alle halten sich daran, es ist angekommen, wie man sich verhalten soll“, sagt die junge Frau, die privat Kraftsport betreibt und momentan nicht in ihr Fitnessstudio gehen kann. „Dann packe ich eben bei den Mehltüten und Sprudelkisten mit an“, erzählt sie.

Privat seien alle Hobbys tabu, sie bleibe überwiegend zuhause und halte sich an die Beschränkungen. Ihr Chef hat ihr auch schon eine Corona-Prämie ausgezahlt, er machte das schon, bevor Berlin die Steuerfreiheit beschlossen hatte.

Marktleiter Markus Bismor ist stolz, dass seine Mannschaft keinen auffallenden Krankenstand hat  und mit ihm an einem Strang zieht. Sogar Trinkgeld sei schon gegeben worden, die Kaffeekasse der Mitarbeiter freute sich.

Auch an die Abgabe der „haushaltsüblichen Mengen“ hätten sich die Kunden gewöhnt. Hamsterkäufe gebe es kaum noch. Im Markt hätten sogar junge Leute angerufen und sich angeboten, für ältere Menschen Einkäufe nach Haus zu bringen. „Da hat aber noch niemand Bedarf angemeldet“, sagt Bismor. Vanessa Mittauer gilt allgemein als Heldin des Alltags. Im Markt macht sie ganz normal ihren Job. Freundliche Kunden sind ihr zentraler Wunsch. Bismor: „Man kann doch auch glücklich sein, wenn man mal auf einen Artikel verzichten muss.“