Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung vergibt Förderpreis

Je 20 000 Euro Preisgeld : Stiftung fördert junge Saar-Talente

Die Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung unterstützt mit je 20 000 Euro drei junge Saarländerinnen, die besonders begabt sind.

Sie gehören zu den Besten ihres Faches und werden mit einer ordentlichen Finanzspritze gefördert. Die 2017 gegründete Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung verleiht zum dritten Mal saarländischen Talenten aus den Bereichen Naturwissenschaft und Musik einen Förderpreis. In diesem Jahr freuen sich drei junge Saarländerinnen über jeweils 20 000 Euro.

Lisa Saterdag ist eine Meisterin in klassischer Musik. Die 22-jährige Wallerfangerin studierte an der Hochschule für Musik Saar zuerst Klavier und derzeit Violine. An beiden Instrumenten konzertierte Saterdag bereits als Solistin, Kammermusikerin und in diversen Orchestern, beispielsweise im Schloss Schwetzingen, bei den Musikfestspielen Saar, bei dem Festival der Kammermusik im bulgarischen Stara Zagora und dem Festival International Théodore Gouvy in Frankreich. Es seien bisher tolle Erfahrungen gewesen, die sie mit der finanziellen Unterstützung nun erweitern möchte. Sie plant, mit Meisterkursen die „deutsche Orchesterlandschaft noch besser kennenzulernen“. Außerdem möchte sie einen Meisterbogen kaufen. Eine gute Violine sei nur ein Teil. Der Bogen mache den Unterschied, verrät Saterdag. „Ich bin einfach überwältigt, dass ich den Preis bekommen habe.“

Überwältigt, dass ihre Arbeit „so wertgeschätzt wird“, ist auch Ina Meiser aus Lebach. Sie studierte an der Saar-Uni Bioinformatik und Bio­technologie. 2014 promovierte sie über komplexe Zellsysteme und leitet seit 2016 die Arbeitsgruppe Kryobiotechnologie am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in Sulzbach. Kryobiotechnologie bedeutet im Grunde, „Zell- und Gewebestrukturen über einen längeren Zeitraum bei geringer Temperatur einzulagern, um sie später für therapeutische und diagnostische Zwecke zu verwenden“, erklärt die 36-Jährige. Ihr Fokus liegt dabei auf der Langzeitlagerung von Zellen, die bei der Behandlung altersbedingter Makulardegeneration (AMD) zum Einsatz kommen können. AMD ist eine der häufigsten Augenkrankheiten und führt zu Blindheit. Mit dem Preis will Meiser einen Forschungsaufenthalt an einem Partnerinstitut in Frankreich finanzieren. „Ich bin Ur-Saarländerin“, sagt Meiser. Sie hat bisher nur im Saarland gearbeitet. „Die Förderung ist eine schöne Möglichkeit, einmal aus dieser Geradlinigkeit auszubrechen.“

Die dritte Preisträgerin ist Judith Becker aus Saarbrücken. Die 38-Jährige forscht als akademische Rätin am Institut für Systembiotechnologie an der Saar-Uni. Nach ihrem Studium der Molekularbiologie im Saarland promovierte Becker an der Technischen Universität Braunschweig über den Einsatz von Bakterien in der Industrie. „Also wie Bakterien für uns nützliche Substanzen produzieren, die wir in der Ernährungs- und Futtermittelindustrie oder der Medizin einsetzen können“, erklärt Becker. In ihrer aktuellen Forschung versucht sie, Bakterien so weiterzuentwickeln, dass sie „effizient und ausreichend“ Wirkstoffe produzieren, mit denen Tumorerkrankungen und Infektionen bekämpft werden können. „Es war eine große Überraschung, als die Stiftung mir mitteilte, dass ich gewonnen habe“, sagt Becker. Ein Teil des Preisgeldes soll in ihre Forschung fließen. Außerdem will Becker einen Aufenthalt in den USA finanzieren, um dort 2020 bei einer Tagung ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und Kontakte für Kooperationen zu knüpfen.

Ina Meiser möchte mit ihrer Forschung Augenkrankheiten heilen. Foto: Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung
Judith Becker will Bakterien nutzen, um Tumorerkrankungen zu bekämpfen. Foto: Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung

Die gemeinnützige Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung wird ehrenamtlich durch die Mitglieder des Rotary Clubs St. Ingbert verwaltet. Hans Giessen selbst war 1979 Gründungsmitglied des Clubs und bis zu seinem Tod 2017 aktives Mitglied, wie auch seine 2011 verstorbene Frau Ruth. Der in Landau geborene Giessen verbrachte sein Berufsleben im Saarland und entschied sich daher bewusst für dieses Bundesland als Förderstätte: „Hier habe ich meinen beruflichen Erfolg begründet, und deshalb sollten junge Menschen aus dieser Region davon profitieren“, ist von ihm überliefert. Bewerben kann man sich allerdings nicht selbst. Der Club überlässt Experten der Institutionen die Vorauswahl. Ein Kuratorium der Stiftung, bestehend aus dem ehemaligen Rektor der Hochschule für Musik Saar, Professor Thomas Duis, dem früheren Minister für Wirtschaft und Arbeit im Saarland, Hanspeter Georgi, und dem ehemaligen Präsidenten der Saar-Uni, Professor Volker Linneweber, bereitet diese dann vor. Die endgültige Entscheidung trifft dann der Stiftungsvorstand, erklärt Rotarier Wilhelm Burgermeister, der die Umsetzung der Stiftungsidee begleitet.

Mehr von Saarbrücker Zeitung