Hans Mildenberger war Saarbrücker Denkmalpfleger und Stadtgedächtnis

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : Denkmalpfleger und Stadtgedächtnis

Hans Mildenberger widmete sich rund 40 Jahre lang dem Schutz der historischen Gebäude von Saarbrücken.

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der die historischen Bauten in Saarbrücken so gut kennt, wie der langjährige städtische Denkmalpfleger Hans Mildenberger. Sein umfassendes Interesse an Gebäuden zeigte sich schon früh bei dem gebürtigen Alt-Saarbrücker. „Ich habe schon in der vierten Klasse eine kleine Dokumentation über die Dellengartenschule geschrieben“, erzählt er bei einem Treffen, zu dem er viele Dokumente, Unterlagen und Fotos mitgebracht hat.

Da wundert es nicht, dass er ab dem Jahr 1968 eine Ausbildung bei einem Architekten absolvierte und auch im Architekturbüro Kraemer gearbeitet hat. Mit diesem Büro war Hans Mildenberger an der Sanierung der ersten Häuser des St. Johanner Marktes beteiligt.

Bei dieser Tätigkeit  lernte er Dieter Heinz kennen, den damaligen Konservator der Stadt Saarbrücken. „Kurz danach habe ich für das gutachterliche Planverfahren des Saarbrücker Schlosses den gesamten damals baufälligen Süd-Flügel aufgemessen. Und beim Überprüfen der Raumdiagonalen ist aufgefallen, dass die Gesamtmaße um bis zu einem Meter abweichen. Der ganze Bau war schief“, erinnert er sich und lacht.

Über Dieter Heinz kam Hans Mildenberger anschließend zur Stadt, wurde Mitarbeiter bei der städtischen Denkmalpflege. Dort blieb er über 40 Jahre, von 1977 bis zum April 2018. Bei allen Sanierungen, die in den Jahren anstanden, war Hans Mildenberger eingebunden, so wie bei der Umgestaltung des St. Johanner Marktes, der Ludwigskirche und des Ludwigsplatzes, der Friedenskirche, der Basilika oder des Rathauses St. Johann. Zu jedem Gebäude weiß Hans Mildenberger etwas Besonderes zu berichten. So auch zur Farbgestaltung der Ludwigskirche. In einer seiner mitgebrachten Mappen hat er fein säuberlich kleine originale Fassadenpartikel in verschiedenen Farben abgeheftet. „Das sind die unterschiedlichen Farben der Ludwigskirche“, sagt er und erzählt, dass er im Jahr 1982 auf einem Gerüst stehend an der Fassade und aus den Falten der Evangelisten letzte Farbreste gesichert hat: „Diese Farbreste konnten später in einem Augsburger Labor genau analysiert werden. Und neben Weiß- und Grautönen haben sich auch gelbe und ockerfarbene Farben, sowie Goldtöne erhalten.“

Und dann betont er, dass es in seinem Beruf immer wichtig ist, penibel und genau zu arbeiten. „Dann kommt man zu so überraschenden Ergebnissen.“ Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat Hans Mildenberger erst dann veröffentlicht, wenn er sich ganz sicher war. Im Laufe der Jahre hat er verschiedene Architekturführer und Broschüren mitherausgegeben.

Einen Teil seiner Arbeit machten auch archäologische Grabungen aus. So konnte er die römische Straße am Osthafen freilegen, das römische Kastell untersuchen, nach den Resten des ehemaligen Schlossgartens vor dem Landtagsgebäude graben oder den Gutshof um die Aschbachkirche in Gersweiler freilegen. „Neben den öffentlichen Gebäuden waren auch private Häuser dabei. So haben wir im Jahr 1982 Am Schlossberg in einem Privathaus barocke Wandmalereien freigelegt. Das war sehr spannend“, berichtet er.

Eigentlich war es ein Wunder, dass Hans Mildenberger, der seit 2006 der einzige städtische Denkmalpfleger war, an so vielen Projekten arbeiten konnte. Das lag auch daran, dass er von verschiedenen städtischen Ämtern unterstützt wurde und bei manchen Projekten auch von der ZBB, dem Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach und dessen Mitarbeitern.

Wie sehr er die Stadtgeschichte liebt, zeigt sich auch daran, dass er sich seit Mai 2018 im Ruhestand befindet, aber trotzdem mit Werkverträgen und ehrenamtlich weiterarbeitet. Derzeit werden umfangreiche historische Unterlagen und Materialien gesichtet und katalogisiert, die anschließend dem Saarbrücker Stadtarchiv übergeben werden.

Daneben organisiert Hans Mildenberger auch den „Tag des offenen Denkmals“ weiter, wie in den letzten 24 Jahren auch. Wenn all dies abgeschlossen ist, dann will der Ehemann und Familienvater wieder auf Reisen gehen, wie er es früher gemacht hat. „Zum Nordkap oder nach Mexiko“, sagt er lachend. Aber wann er dafür die Zeit findet, ist unklar. Denn nach wie vor ist Hans Mildenberger viel gefragt – als Gedächtnis der Stadt.

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