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Spiele ohne Unparteiische
Handball-Verband fehlen Schiedsrichter

Pfeife zur Seite gelegt: Die Zahl der Handball-Schiedsrichter im Saarland sank seit 2011 um mehr als 15 Prozent. Das stellt den Verband vor große Probleme.
Pfeife zur Seite gelegt: Die Zahl der Handball-Schiedsrichter im Saarland sank seit 2011 um mehr als 15 Prozent. Das stellt den Verband vor große Probleme. FOTO: rup / ROLF RUPPENTHAL 01727172400
Saarbrücken. Zum ersten Mal in seiner Geschichte kann der Handball-Verband Saar nicht ausreichend Schiedsrichter für den Spielbetrieb stellen. Von Lucas Jost

Einigen Vereinsvertretern, Offiziellen und Trainern dürfte die Kinnlade nach unten geklappt sein, als sie im August ihr E-Mail-Postfach geöffnet haben. Unter dem Betreff „B-Ligen in der Saison 2018/2019“ informierte der Handball-Verband Saar (HVS) seine Mitgliedervereine darüber, dass er sich gezwungen sehe „alle Spiele der B-Ligen in der Saison 2018/2019 ohne die Einteilung von Schiedsrichtern durchzuführen“. Es ist das erste Mal, dass der HVS zu einer solchen Maßnahme greifen muss. Wie konnte es so weit kommen?


„Ganz einfach: Die etwas älteren Schiedsrichter hören auf und es kommen einfach keine neuen dazu“, erklärt Hans-Gerd Fries, Vizepräsident Spieltechnik beim HVS. „Die Situation ist ernst. Wir hatten den Schiedsrichteranwärter-Lehrgang angesetzt. Dafür gab es vier Meldungen. Das ist einfach zu wenig, das passt nicht.“

Der Prozess sei ein schleichender. 2011 gab es etwa 125 Schiedsrichter. Schon damals war die Situation alles andere als komfortabel. Mittlerweile ist die Zahl auf 105 geschrumpft, von denen 37 einzeln und der Rest im Gespann pfeifen.



Eine Beispiel-Rechnung zeigt, wie gravierend die Problematik ist: Angenommen, an einem Wochenende würden alle Herren-Mannschaften in der Saarland-, der Verbands- und den Bezirksligen spielen, so müssten 23 Partien besetzt werden, für die grundsätzlich jeweils ein Schiedsrichter-Gespann vorgesehen ist. Es müssten allein für diese Ligen 46 Schiedsrichter zur Verfügung stehen. Doppelansetzungen für die Unparteiischen sind zwar die Regel. Der Verband verfügt allerdings über 23 schiedsrichterpflichtige Spielklassen, dazu kommt die überregionale Oberliga.

Gefordert seien Verband und Vereine. „Es geht darum, die Vereine zu sensibilisieren. Wir werden im Oktober einen neuen Lehrgang anbieten. Gleichzeitig werden wir die Vereine nochmals informieren, dass sie versuchen, Leute zu ermutigen, die pfeifen möchten“, erklärt Fries. Er spricht explizit die Clubs an, die mit vielen Aktiven-Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen, den vorgeschriebenen Schiedsrichter-Soll aber nicht erfüllen.

Das Regelwerk sieht vor, dass jeder Verein für eine gemeldete Saarland-, Verbands- und Bezirksliga-Mannschaft der Herren zwei, für jede sonstige Aktiven- und Jugend-Oberliga-Mannschaft einen Schiedsrichter zu stellen hat. Viele Vereine könnten diese Vorgaben aber nicht erfüllen. Ihnen droht eine recht milde Geld­strafe. Fries sagt: „In anderen Verbänden können Mannschaften und Vereine mit Punktabzug bestraft werden. Zu diesen Mitteln wollen wir nicht greifen. Wir wollen aber auch nicht die Vereine bestrafen, die viele Schiedsrichter stellen, indem wir ihre Heimspiele nicht besetzen.“

Als eine Maßnahme rief der Verband vor sieben Jahren das Projekt „Jugend pfeift Jugend (JpJ)“ ins Leben: Jungschiedsrichter sollen in E- und D-Jugend, in denen noch kein offizieller Schiedsrichter verlangt wird, früh Erfahrung im Leiten eines Spiels sammeln. Zwar konnte dem Schwund so etwas entgegengewirkt werden, ausreichend sei die Maßnahme aber nicht. „Man muss noch mehr fragen: Wie kann man euch helfen? Wo gibt es Nachholbedarf? Angedacht ist, die Vereine, die JpJ-ler stellen, im Schiedsrichter-Soll zu entlasten“, erklärt Fries eine Möglichkeit, die Vereine besser zu erreichen. Denn die Lage sei ernst. Er betont: „Es ist fünf nach zwölf. Wenn es so weitergeht, kann es gut passieren, dass in den nächsten Jahren auch die A-Liga nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt ist.“