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Auch das noch
Hallo, Herr Münchhausen . . .

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Man muss nicht alles glauben, was man so hört. Das versteht sich von selbst. Manchmal ist es aber sehr amüsant, den großen und kleinen Unwahrheiten des Lebens zu lauschen, wie unser hier geschildertes Beispiel eindrucksvoll zeigt.

Je weiter weg der Chef, um so dreister die Rede - könnte man manchmal meinen. Na, jedenfalls stand er da mit seinem Glas Bier im Wirtshaus am Büfett und redete sich in Rage - der Arbeitnehmer.


Ich weiß zwar nicht mehr, warum dessen Vorgesetzter zur Sprache kam, es ist auch nicht weiter wichtig. Wichtig aber war dem Arbeitnehmer, den Leuten um ihn herum  klarzumachen, wie er es seinem Chef seinerzeit mal so richtig gezeigt hat. „Doo saan ich zu demm: Pass moo uff, saan ich“. Diese Worte streute er zwischendurch immer mal ein, um seine Ausführungen massiv zu untermauern.

Ich fasse das Gespräch - das seltsamerweise alle Zuhörer ohne Lachkrampf überstanden - nun wie folgt zusammen: Der Arbeitnehmer hat sich, als es ihm eines Tages langte, vor seinem Chef aufgebaut und den mal so richtig in den Senkel gestellt. Er hat ihn regelrecht zusammengefaltet, weil man sich als Untergebener nicht alles bieten lassen muss. Er hat ihn niedergemacht und ihm verbal die Ohren langgezogen. „Demm hann ich gebb“ - auch dieses immer wieder gern gehörte Bonmot durfte nicht fehlen. Wenn der Monolog noch zehn Minuten länger gedauert hätte, wäre wohl zu erfahren gewesen, dass es bei Worten nicht blieb. Sehr wahrscheinlich hätten wir nach drei weiteren Gläsern Bier  gehört,  dass er den Chef „gedachtelt“ hat. Dass er ihn also auch körperlich angegangen ist. Vielleicht hätte der Arbeitnehmer ganz zum Schluss erzählt, dass er sein Gegenüber in all seiner aufgestauten Wut auch noch im Heizungskeller angekettet hat. Bis der dann endlich zur Besinnung kam.



Irgendwann hat der Arbeitnehmer sich wieder eingekriegt. Er hat gezahlt und ist nach Hause gegangen. Mein Nachbar zur Linken und ich haben uns lange angeschaut. Wir haben gegrient, gefeixt und uns gegenseitig versichert, dass wir kein einziges Wort von dem geglaubt  haben, was wir da zu hören bekamen. Wir vermuteten eher, dass der Arbeitnehmer sich äußerst unterwürfig gab, als ihm der Chef  gegenüberstand.

Wir wissen es natürlich nicht, freuen uns aber schon heute auf die nächste lustige Begegnung mit Herrn Münchhausen.