Hajo Hoffmann stellt SZ-Ältestenrat Ideen für Verkehr von morgen vor

Kostenpflichtiger Inhalt: SZ-Ältestenrat sprach über neue Nahverkehrsideen : Nicht nur die Seilbahn für Saarbrücken kam gut an

Seine Seilbahn-Idee verschaffte dem früheren Saarbrücker Oberbürgermeister Hajo Hoffmann eine Einladung beim Ältestenrat der SZ. Der Gast präsentierte Ideen, die weit darüber hinausgehen.

Der Satz, Lob für ein lohnendes Treffen, fiel im Gewusel des Aufbruchs. „So lange haben wir noch nie getagt.“ Fast zwei Stunden voller Fakten, Vorschläge – und mit nur wenigen Bedenken lagen hinter dem SZ-Ältestenrat. Sein Gast Hajo Hoffmann hatte Gesprächsstoff geboten, der weit über das Treffen hinaus wirken dürfte.

Es ging um Saarbrückens Verkehrszukunft. In einer der markantesten Szenen umgab der Ältestenrat den Gast. Er erläuterte dem Gremium auf einer Landkarte seine Ideen vom Nahverkehr der Zukunft. Die Seilbahn, letztlich der Anlass, den ehemaligen Saarbrücker Oberbürgermeister einzuladen, ist nur ein Teil des Verkehrs von morgen. Jedenfalls wenn die Ideen wahr werden. Dann, so steht für den Gast fest, wäre diese Kombination aus bewährten und neuen Nahverkehrsmitteln umweltgerecht und attraktiv genug, das Auto rechtzeitig vor der Stadt stehen zu lassen. Oder gar nicht erst einzusteigen.

Hajo Hoffmann begründet sein Ideenpaket mit einer einmaligen Gelegenheit. Dank der Abgabe auf Kohlendioxid lässt sich ab 2021 umweltgerechter öffentlicher Nahverkehr fördern. Wenn denn die Städte und Regionen Konzepte haben, um etwas von diesem Geld zu bekommen. Deshalb will Hoffmann die Diskussion auf den Weg bringen.

Zu tun ist viel. Erst recht im Saarland mit der bundesweit höchsten Pkw-Dichte. In einer Stadt, die täglich 60 000 bis 80 000 Auto-Pendler zu verkraften hat. Und die für Kunden bequem erreichbar sein muss. Für Hoffmann steht fest: Diese Zwänge, kombiniert mit den begrenzten Möglichkeiten des bisherigen öffentlichen Nahverkehrs, verlangen neue, große Antworten. Nicht nur das Drehen an Stellschräubchen wie einfacheren Automaten oder der Zahl der Bus- und Saarbahnfahrten. „Es bringt ja nichts, wenn die Leute nur einmal im Monat umsteigen auf den ÖPNV.“

Für Hoffmann heißt das, Systeme wie die Saarbahn auszubauen sowie sie an den richtigen Stellen zu ergänzen. Am Landwehrplatz mit einer Seilbahn, wo es zum Winterberg und weiter zur Folsterhöhe und ins Industriegebiet Süd geht. Und mit einer weiteren Seilbahn am Hauptbahnhof zum Uni-Campus. Die Kabinen wären geräumig, böten wie die Modelle, die bei der Bundesgartenschau in Koblenz im Einsatz waren, 20 bis 30 Fahrgästen Platz.

Weitere Neuheiten wären Schrägaufzüge zum Halberg und zum Sonnenberg, um diese Hügel von den Blechströmen zu entlasten. Nicht zu vergessen: neue, gut ausgebaute Park & Ride-Plätze an der Peripherie als attraktive Umsteige-Punkte auf Saarbahn und Bus. Die Obere Saar hat in der Mobilität von morgen drei weitere Saarbahn-Haltestellen. An einer starten Kleinbusse zum Bübinger Berg und kommen dort an.

Hoffmann spricht wegen des Umfangs seines Ideenpaketes von einer „positiven Provokation“. Er weiß um die Wichtigkeit, die Bürger mitzunehmen, den Dialog ebenso mitzudenken wie die Barrierefreiheit.

Karin Nehl bündelte ihren Eindruck von Hoffmanns Verkehrsideen in dem Satz: „Das kann einer allein nicht schaffen.“ Ihr schwebt eine „Modellregion Saarbrücken“ vor, um so etwas zu bezahlen.

Hoffmann hat die Finanzierbarkeit mitgedacht. Er erinnert daran, dass die Saarbahn ohne Geld vom Bund für einen großen Teil der Investitionen nicht möglich gewesen wäre. Das gelte erst recht für den Verkehr von morgen. „Hier geht es um ein Volumen, das sich gewaschen hat.“ Noch vor zwei Jahren hätte er es nicht für bezahlbar gehalten. Wenn ab 2021 dank des CO2-Preises Geld da sei, müssten die Pläne für Projekte in der Schublade liegen. Und zwar „fehlertolerant“ gefertigt, damit Irrtümer korrigierbar sind.

Außerdem lasse sich bei großen, weltweit agierenden Seilbahn-Anbietern ein Teil der Planung und der Kosten im Unternehmen ansiedeln.

Karin Nehl findet das gut, weil eine Stadtverwaltung wie die in Saarbrücken heute schon mit dem Alltagsgeschäft ausgelastet sei.

Für Hoffmann steht fest, dass dieses Gesamtvorhaben nur denkbar ist, wenn die Menschen mitziehen dank einer Kommunikationsstrategie, die Vorteile zeigt und Nachteile zur Diskussion stellt. „Sie müssen das offen organisieren in der Bürgerschaft und sollten die Idee ermöglichen, statt sie zu strangulieren.“ Mit Visionen wie Seilbahnfahrten für ganze Familien über die Spicherer Höhe in die Stadt. Oder einer zentralen Seilbahnstation auf dem Uni-Campus, wo Elektro-Kleinbusse Fahrgäste aufnehmen und abliefern.

Das Gesamtpaket kam im Ältestenrat gut an. Eher klang die Sorge durch, das Ganze könne zerredet werden. „Informationen sind das Entscheidende“, sagte Axel Egler. Für Heribert Bernardy stand nach dem Treffen im Pressehaus fest: „Herr Hoffmann muss noch oft die Werbetrommel rühren.“

Und zwar „für mehr Attraktivität und gegen die Stagnation“, wie Karin Nehl vorschlägt.

Auf dem Weg dorthin dürfte Hajo Hoffmann nicht zum letzten Mal im SZ-Ältestenrat gewesen sein. Jedenfalls wenn es nach dem Vorsitzenden Axel Egler geht. Er verabschiedete den Gast mit den Worten: „Wir werden wieder auf Sie zukommen.“