Gymnasium um Saarland: Landeselternvertretung hat über 7000 Eltern befragt.

Kostenpflichtiger Inhalt: Gymnasien im Saarland : Eltern-Umfrage stellt Bildungspolitik infrage

Die Landeselternvertretung hat über 7000 Eltern von Gymnasiasten im Saarland zu schulischen Themen befragt.

Die Landeselternvertretung Gymnasien (LEV) hat über einen Zeitraum von zwei Monaten Eltern von saarländischen Gymnasiasten zu verschiedenen Bereichen des schulischen Lebens befragt. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag vorgestellt. 7295 Eltern haben teilgenommen – „ein großer Erfolg und mehr als zufriedenstellend“, sagte LEV-Vorsitzende Katja Oltmanns. Bei 14 500 ausgegeben Fragebögen liegt der Rücklauf also bei rund 50 Prozent. Auch dass Eltern von 28 der in Frage kommenden 37 Gymnasien im Saarland teilgenommen haben, mache die Umfrage „durchaus repräsentativ“, ergänzte LEV-Vorsitzender Patric Cordier. Mit der Umfrage wollte die LEV herausfinden, welche Erwartungen die Eltern an die Vertretung haben und welche Forderungen an die Politik gestellt werden sollten.

Neben der G8/G9-Diskussion stand auch die Organisationsform zur Debatte. Fast 85 Prozent der Eltern gaben an, die freiwillige Ganztagsschule der gebundenen Ganztagsschule vorzuziehen. „Die Eltern wollen die Wahl haben, was sie und ihre Kinder nachmittags tun. Und das gibt eine gebundene Ganztagsschule nicht her“, sagte Oltmanns. Ein anwesender Oberstufendirektor merkte aber an, dass viele Gymnasien Interesse hätten, einen gebunden Ganztag anzubieten. „Aber die Schulen sind voll. Gebundener Ganztag braucht Platz, und baulich ist das nicht gegeben.“ Derzeit gibt es im Saarland laut SPD-geführtem Bildungsministerium an drei Gymnasien Ganztagsklassen. „Ein Antrag auf Umwandlung eines Gymnasiums in eine vollgebundene Ganztagschule wurde bislang nicht gestellt“, teilt Ministeriumssprecherin Marija Herceg mit. Allerdings befürworte das Ministerium aufgrund guter Erfahrungen „sowohl in einzelnen Klassen an Gymnasien und insbesondere an den mittlerweile 13 gebundenen Ganztagsgemeinschaftsschulen die Einrichtung weiterer Ganztagsschulen“.

In Sachen Digitalisierung, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, halten 65 Prozent der Befragten einen WLan-Zugang sowie eine bessere Ausstattung mit Smartboards und Computern für sinnvoll. Zudem sollten Lehrer für die Nutzung von Medien besser geschult werden (63 Prozent). „Das ist ein vernünftiger Wunsch, denn nicht jede Schule hat die Möglichkeit, die Lehrer darauf entsprechend vorzubereiten“, sagte Guido Riegelmann, Vorstandsmitglied der LEV. Genau dafür gebe es aber den DigitalPakt Schule, heißt es aus dem Ministerium. Nach dem Königsteiner Schlüssel stehen zirka 60 Millionen Euro aus Bundesmitteln dem Saarland zu, rund 6,7 Millionen steuert das Saarland zusätzlich aus Landesmitteln hinzu. Die technische Ausstattung der Schulen liege aber in der Verantwortung der Schulträger. Die können Förderanträge stellen beispielsweise für die Einrichtung von WLan und die Anschaffung von Tablets.

Rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass das Budget für Schulfahrten nicht ausreicht. 2016 trat der Lehr- und Schulfahrtenerlass im Saarland in Kraft. Dieser schreibt vor, dass „für mehrtägige Schulfahrten je Klassenstufe beziehungsweise je Jahr der schulischen Ausbildung höchstens 120 Euro je Schülerin oder Schüler veranschlagt werden“ dürfen. „Die Voraussetzungen haben sich ja geändert, allein wenn man die Inflationsrate betrachtet. Vielleicht wird das Budget ja nochmal angepasst“, sagte Oltmanns.

Die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien, Katja Oltmanns. Foto: Robby Lorenz

Das aber verneint das Ministerium auf SZ-Anfrage. Als Schulaufsichtsbehörde ist das Ministerium verpflichtet, regelmäßig eine Überprüfung vorzunehmen. Eine Prüfung zu Beginn des Jahre habe allerdings keinen Anlass zur Anpassung ergeben. „Wir haben nach der Einführung vor allem positive Rückmeldungen bekommen. Insbesondere von den Eltern, die dankbar sind, dass dem Wetteifern mancher Schulen um die üppigsten Reiseprogramme ein Riegel vorgeschoben wurde“, sagt Herceg. Außerdem bedeute die Kostenpauschale nicht, dass eine Klassenfahrt nicht mehr als 120 Euro kosten dürfe. Die Schulen könnten über das Schuljahr Beträge ansparen, die „auch für größere Vorhaben reichen“.

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