So leben Senioren sicher Er sieht sich als Ansprechpartner auf Augenhöhe

Saarbrücken · Der 79-jährige Gunter Feneis ist Sprecher des Saarbrücker Teams der Senioren-Sicherheitsberater.

Gunter Feneis berät Senioren zum Thema Sicherheit.    Foto: Cordier

Gunter Feneis berät Senioren zum Thema Sicherheit. Foto: Cordier

Foto: Patric Cordier

Zwei Laptops auf dem Tisch, unzählige Flyer und Informationsbroschüren drumherum verteilt – so arbeitet Gunter Feneis an seinem neuesten Vortrag. Der Sprecher der Senioren-Sicherheitsberater der Landeshauptstadt Saarbrücken wird am 27. April in der Scharnhorsthalle in St. Arnual wieder wertvolle Tipps und Informationen zum Thema Sicherheit für die Zielgruppe der Menschen im Alter von über 60 Jahren weitergeben.

„Seit 2011 bin ich bei den Senioren-Sicherheitsberatern“, erzählt der mittlerweile 79 Jahre alte ehemalige stellvertretende Leiter der Bruchwiesenschule, „es ist wichtig, dass Altersgenossinnen und -genossen Ansprechpartner auf Augenhöhe haben. Wir arbeiten absolut ehrenamtlich, und da bin ich auch sehr stolz drauf.“ Anstoß mitzumachen, war ein Vorfall in der eigenen Familie. „Wir haben meiner Mutter damals einen Laptop gekauft, und sie hat plötzlich ganz viele Dinge gekauft. Die Frage war, wie kommt man da wieder raus? Das ist selbst bei seriösen Anbietern oft schwierig, hat man es dagegen mit Kriminellen zu tun, ist das Geld meistens weg.“

„Zu Anfang meiner Tätigkeit gab es eine Art Grundkurs, eine einwöchige Schulung bei der Polizei“, sagt Feneis, „seither gibt es immer wieder Fortbildungen beispielsweise bei der Verbraucherzentrale. Wir bekommen jeden Monat aktuelle Informationen vom Landespolizeipräsidium und von unserem Ansprechpartner im zuständigen Sozialministerium, Fred Kreutz. Er ist der Landesbeauftragte für Seniorensicherheitsberater.“ In den Nachrichten seien auch immer die neuesten Lagebilder enthalten. Mitteilungen also, wo es zu welchen Vorfällen gekommen ist. Betroffen macht den ehrenamtlichen Experten der jüngste Fall einer über 90-jährigen Seniorin, die Opfer eines sogenannten Schockanrufes wurde. Bei dieser Masche geben sich die Täter als Polizeibeamte aus und geben vor, einem Familienangehörigen sei ein schlimmer Unfall passiert oder ihm werde eine Straftat vorgeworfen. In jedem Fall müsse man sofort Bargeld oder Wertgegenstände aushändigen. Erkenntnissen verschiedener Polizeibehörden zu Folge gibt es sogar regelrechte „Callcenter“ der Betrüger. Im angesprochenen Fall wurde ein hoher fünfstelliger Betrag erbeutet.

„Ich war schon immer sozial engagiert, aber derartige Nachrichten sind der Grund, warum ich von dieser Mission quasi beseelt bin“, sagt Feneis fast kämpferisch, „es ist enorm wichtig, immer auf dem neuesten Informationsstand zu sein“. Das gelte aber nicht nur für seine eigentliche Zielgruppe. Auch jüngere Familienangehörige müssten sich der möglichen Gefahren bewusst sein, schließlich würden sie von den Verbrechern ja instrumentalisiert. Mit seiner eigenen sowie der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen leistet der pensionierte Lehrer genau diese Aufgabe. „Ich denke schon, dass wir damit manchen Schaden abwenden konnten.“ Er rät, bei ominösen Anrufen in jedem Fall sofort Kontakt zur richtigen Polizei aufzunehmen. „Anzeige zu erstatten, geht mittlerweile auch online und ist ganz einfach“, so der Sicherheitsberater.

Doch es gibt nicht nur Schockanrufe. Auch mit dem bekannten Enkeltrick werden trotz weitreichender Information und Berichterstattung in den Medien Seniorinnen und Senioren weiter abgezockt. Betrugsfälle an der Haustür seien dagegen weniger geworden. „Aber es gibt auch immer wieder Überfälle und auch Einbrüche“, berichtet Feneis. Gegen Letztere helfe „Mechanik mehr als Elektronik“, sagt er und meint, dass ein gutes Schloss gerade an den neuralgischen Punkten Balkon- und Kellertür für mehr Sicherheit sorgt als beispielsweise eine Videoüberwachung.

Am besten wirke aber immer noch die soziale Kontrolle. „Ein wachsamer Nachbar, der bei ungewöhnlichen Vorfällen die Polizei informiert, leistet durchaus einen großen Beitrag zum Thema Sicherheit in einem Wohnviertel“, meint Feneis, der vier bis fünf Stunden in der Woche für seine ehrenamtliche Tätigkeit investiert. Neben den Fachvorträgen für Gruppen bieten Feneis und Kollegen auch individuelle Beratungsgespräche an oder vermitteln Kontakte zu den Fachberatern der Polizei. In seine Vorträge hat der 79-Jährige auch aktuelle Fernsehbeiträge eingebaut. Auch wenn sich verschiedene Sender anfänglich gegen eine kostenfreie Nutzung gesträubt hätten. Feneis blieb im Sinne der Sache hartnäckig, darf nun auch mit Bewegtbild Aufklärung betreiben. Die Aufgaben der Berater umfassen aber auch Hinweise für den Alltag, zur Sicherheit im Straßenverkehr, im Haushalt (beispielsweise der Vermeidung von Stolperstellen), zum Verhalten am Kassenautomaten oder der Installation von Rauchmeldern oder Notrufanlagen.

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