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Wo schwere Bagger Feinarbeit leisten

Wo schwere Bagger Feinarbeit leisten

Der Bergbau hat dem Großrosseler Ortsteil Naßweiler über Jahrzehnte zugesetzt. Auch die Kanäle haben gelitten. Jetzt bekommt der Ort einen neuen Hauptsammler. Seit August wird gebaut – es geht gut voran.

Kräne und Bagger wuchten üblicherweise schweres Baumaterial über die Baustellen. Manchmal gilt es aber für die schweren Maschinen, millimetergenaue Arbeit zu erledigen. So wie dieser Tage in Naßweiler , wo die Bauarbeiter der Firma Kruchten den Hauptsammler des Großrosseler Ortsteils Naßweiler erneuern. Bauleiter Jörg Thome gibt hier die Zeichen, die alle Beteiligten befolgen müssen, damit der vorgefertigte Wartungsschacht mit dem Abwasserrohr zusammenkommt.

Erfolg beim ersten Versuch

"Den Rand des Rohres hat ein Arbeiter vorher mit einer Gleitpaste eingeschmiert, damit die Gummidichtung besser gleitet - ohne Paste würde es nicht gehen", sagt Thome.

Der vorgefertigte Schacht, dessen Außenhülle aus Beton besteht, ist mehr als mannshoch. Der Kran hebt ihn in das ausgehobene Erdloch, so dass die Öffnung genau vor dem Rohr sitzt. Jetzt kommt der Bagger ins Spiel. Vorsichtig schiebt er mit der Schaufel von hinten, und siehe da: Alles passt, Erfolg beim ersten Versuch.

Als Sammler bezeichnet der Betreiber, der Entsorgungsverband Saar (EVS), das Kanalsystem, das Mischwasser - also Abwasser und Regenwasser - sammelt und in eine Abwasser-Reinigungsanlage leitet. In diesem Fall ist das die Kläranlage Großrosseln-Marienau, die zum französischen Abwassernetzt gehört.

Kein Einzelfall, wie Projektleiterin Beate Junk informiert. Der EVS müsse eben kalkulieren und dann entscheiden, ob er selbst eine Kläranlage bauen oder Gebühren an die Nachbarn zahlen will. Es gebe ja auch den umgekehrten Fall, dass Abwässer aus Frankreich oder Luxemburg in EVS-Kläranlagen fließen.

Seit Ende August laufen die Bauarbeiten. Wie Junk berichtet, ist der Abwasser-Strang derzeit vom System getrennt; das Abwasser wird über Pumpen in einen anderen Kanal geleitet. Die alten Naßweiler Kanäle sind in miserablem Zustand. Das ist nicht nur ihrem Alter geschuldet. Der französische Bergbau, der jahrzehntelang unter dem Ort betrieben wurde, und die Bergsenkungen, die er verursacht hat, haben dazu beigetragen, dass die Rohre nur den unteren Wert ihrer Nutzbarkeitsdauer erreicht haben: Sie wurden vor etwa 35 Jahren eingebaut.

Rohre halten Setzungen stand

Der alte Hauptsammler und die betroffenen Ortskanäle, die im wesentlichen im Bereich der Straße Am Hirtengraben liegen, werden nun komplett abgerissen und neu gebaut. Da man bergbaubedingte Setzungen weiterhin nicht ausschließen kann, hat der EVS sich dafür entschieden, höherwertige Rohre einzubauen; sie vertragen ein wenig Dehnung. Ausgelegt ist der neue Sammler auf ein zweijähriges Regenereigins. Also auf einen Starkregen, wie er statistisch alle zwei Jahre vorkommen kann.

Auch hier muss der EVS scharf kalkulieren. Sicher könne man den Kanal auch so dimensionieren, dass er den stärksten Regenfall verkraften kann, den es laut Statistik in den vergangenen 100 Jahren gegeben hat, erklärt Projektleiterin Beate Junk. Solch eine Dimension würde allerdings die Kosten für die Anlage explodieren lassen - das wäre sicher auch nicht im Sinne der angeschlossenen Verbraucher, die ja schließlich die Zeche zahlen müssen.

So, wie jetzt gebaut wird, kostet das Projekt 800 000 Euro. Die Summe teilen sich die Gemeinde Großrosseln (200 000 Euro) und der EVS (600 000 Euro). Im Rahmen der Bergschadensregulierung übernimmt der einstige französische Bergbau-Betreiber Charbonnages de France einen Sanierungsanteil in Höhe von 260 000 Euro, der den Kostenanteil des EVS vermindert.