Wo die Hitze nicht nur vom Himmel kommt

Wo die Hitze nicht nur vom Himmel kommt

Noch gut eine Woche wird es dauern, bis die Landstraße 164 zwischen Emmersweiler und Naßweiler wieder offen ist. Bis dahin gehört sie noch allein den Bauarbeitern, die dort die Straßendecke erneuern.

Der Boden vibriert, als die Kombi-Walze den eben erst aufgetragenen Asphalt verdichtet. Es zischt, als die Hitze des Straßenbelags die Flüssigkeit über die Oberfläche treibt. In etwa so, als wenn ein Wassertropfen über eine Herdplatte saust. "Das ist ein spezielles Brennmittel", erklärt Bauleiter Christian Hahn von der Baufirma Wolff, die derzeit in vier Bauabschnitten den Asphaltbelag der Landstraße zwischen Emmersweiler und Naßweiler erneuert. "Damit der Asphalt sich nicht um die Walzen wickelt", erläutert Stefan Odenwald, der für den Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) die Bauarbeiten überwacht.

Bei den Straßenbauarbeitern kommt die sengende Hitze nicht nur vom Himmel. 160 Grad heiß ist der Asphalt, wenn die Arbeiter ihn mit der Maschine aufbringen. So lange andere Arbeiter ihn mit Walzen verdichten, muss der Belag noch immer deutlich wärmer als 100 Grad sein.

Der alte Belag war hinüber, große Rissbildung machte die Baumaßnahmen notwendig, so Odenwald: "Es gab auch Senkungen durch Grubeneinwirkung." Also wurden die obersten vier Zentimeter der Fahrbahn abgetragen, jetzt kommen zehn Zentimeter Tragdeckschicht obendrauf. Dabei wird der gesamte Belag in einem Arbeitsgang aufgebracht. Eine andere Möglichkeit sei es, so die Experten, zwei- oder gar dreilagig zu asphaltieren. Über die abgefräste Fahrbahn kommen dann eine Tragschicht und eine Deckschicht, möglicherweise dazwischen noch eine Mittel- oder Bindeschicht. Die erste Variante kostet 15 Euro pro Quadratmeter, die zweite drei bis sechs Euro mehr. Insgesamt lässt der Landesbetrieb 16 000 Quadratmeter Straßenbelag zwischen den Großrosseler Ortsteilen erneuern und investiert somit knapp eine Viertelmillion Euro.

Zurück zu den Arbeiten. Sattelschlepper karren ständig frischen Asphalt zur Baustelle. Die letzten paar hundert Meter zur sich ständig vorwärts bewegenden Asphaltiermaschine müssen sie rückwärts fahren. Die Maschine bringt das heiße Material auf sechs Metern Breite aus, die Einbaubohle hinten an der langsam rollenden Maschine zieht den Asphalt gerade. Das heißt nicht ganz gerade. "Sie bildet eine leichte Dachfalte", erklärt Odenwald. In der Straßenmitte ist die Fahrbahn also etwas höher als außen.

Hinter der Asphaltiermaschine fahren Walzen langsam über die heiße Masse. Zuerst eine Kombi-Walze, die vorne mehrere schmale Walzen und nur hinten eine große Walze hat. Die Feinarbeit übernimmt die Glatt-Walze, die zwei breite Walzen hat. Schließlich arbeiten die Walzen noch Andesit als Edelsplitt in die Straße ein, es soll die Griffigkeit der Fahrbahn erhöhen.

Morgens um sieben beginnen die Arbeiten in der Regel. Einmal, um die kühlen Temperaturen des Morgens zu nutzen. Und weil über den Tag insgesamt 800 Tonnen Asphalt verarbeitet werden müssen. Mit den Asphaltarbeiten ist es noch nicht getan. Ehe Odenwald die Straße wieder für den Verkehr frei gibt, sind noch die Arbeiten am Straßenrand zu erledigen. An der Befestigung, welche die Fachleute Bankett nennen. Weiter sind die Leitpfosten wieder aufzustellen und die Fahrbahnmarkierungen aufzubringen.

Nächste Woche geht es dann auf dem vierten und letzten Bauabschnitt genauso weiter wie auf dem aktuellen dritten zwischen dem Herchelbacher Hof und der Einmündung zur Landstraße nach St. Nikolaus. Dann ist das Endstück nach Naßweiler dran, umgeleitet wird vom Mittwoch an über den Birkenhof. Auch auf dem letzten Abschnitt spielt die Qualitätskontrolle eine große Rolle. Regelmäßig nehmen Odenwald und Rainer Bauer als Bauaufsicht vor Ort Mischgutproben, die im Labor untersucht werden, ebenso Bohrkerne, sobald der Asphalt erkaltet ist.

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