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Kündigung für Kiosk-Pächter
Heftige Netz-Debatte um den Wildpark Karlsbrunn

 Ein Hirsch, umringt von seinen Damen, in seinem Gehege im Wildpark Karlsbrunn – das Bild entstand im Januar 2018.
Ein Hirsch, umringt von seinen Damen, in seinem Gehege im Wildpark Karlsbrunn – das Bild entstand im Januar 2018. FOTO: Andreas Lang / Picasa
Großrosseln. Der Verein, der den Park betreibt, hat dem Pächter des angeschlossenen Kiosks gekündigt – und Besucher protestieren. Von Doris Döpke

Der Wildpark im Großrosseler Gemeindebezirk Karlsbrunn: Es dürfte nur wenige Menschen im Regionalverband und in der französischen Nachbarschaft geben, die ihn nicht kennen. Vor allem für Familien mit Kindern ist er ein beliebtes Ausflusgziel. In weitläufigen Freigehegen direkt am Wald kann man dort Dam- und Sikawild, Ziegen und Wildschweine beobachten. Und kann sich nach dem Spaziergang zu den Tieren am Kiosk gleich nebenan mit Speisen und Getränken stärken. Ein Idyll – im Prinzip. Aber derzeit hängen dicke Wolken drüber: Im sozialen Netzwerk Facebook tobt eine hitzige Debatte zum Thema.


Betreiber des Parks und Eigentümer des Kiosks ist der Verein zur Förderung der Naherholung (VfN) Karlsbrunn. Und Kiosk-Pächter Andreas Steinhauer hat am Montag im Netz mitgeteilt, der Verein habe ihm zum 1. Mai gekündigt. „Aus heiterem Himmel“, sagt er auf SZ-Nachfrage, das Kündigungs-Einschreiben habe keine Begründung genannt. Steinhauers Gäste schreiben jetzt im Internet, sie verstünden die Welt nicht mehr: Der Kiosk-Mann habe sich doch enorm engagiert, habe – über den Imbiss-Betrieb hinaus – Feste und Kindergeburtstage organisiert, die sie in bester Erinnerung hätten. „Gibt’s doch nicht“, dass „der Andi“ nicht weitermachen dürfe – die vielfältigen, teilweise sehr emotionalen Reaktionen auf die Kündigungs-Nachricht haben sich mittlerweile zum veritablen Shitstorm entwickelt.

Was Philipp Becker, den ersten Vorsitzenden des VfN, offenkundig ganz und gar nicht freut. Er bestätigt auf Nachfrage, dass es eine Kündigung gegeben habe. Warum? „Kein Kommentar“, sagt er dazu nur. Angesichts der heftigen Netz-Debatte und eines möglicherweise bevorstehenden Rechtsstreits habe er einen Rechtsanwalt konsultiert und folge dessen Rat, sich zur Sache nicht zu äußern.



Auch zur Lage im Verein mag Becker nichts sagen. Nach SZ-Informationen gab es da Anfang 2018 Streit – und Ende März wählte die Mitgliederversammlung Beckers Vorgänger Patric Louis ab. Daraufhin soll der Rest-Vorstand, solidarisch mit dem Abgewählten, mehrheitlich zurückgetreten sein. Jedenfalls wählte man neu. Das aber machte man erstmal nicht publik, wie Becker bestätigt, denn: „Man kann die Geschäfte eines Vereins erst wahrnehmen, wenn man beim Amtsgericht eingetragen ist“, im Vereinsregister also. Zeichen für ernsthaften Zwist, womöglich mit juristischer Tragweite? Becker will auch dazu nichts sagen.

Kiosk-Pächter Steinhauer hofft nun auf ein Gespräch. Und seine treuen Gäste hoffen, dass der Verein die Kündigung zurücknimmt. Sonst, drohen sie im Netz, werden sie Karlsbrunn künftig nicht mehr besuchen. Sonnenschein ist im Moment nicht in Sicht.