Wenn ein Feuerwehrmann zündelt

20 Mal brannten zwischen 2013 und 2014 Großrosseler Papiercontainer. Für sieben der Fälle hat der Saarbrücker Jugendschöffengericht jetzt einen 20-jährigen Feuerwehrmann verurteilt. Die Wehr will ihn unehrenhaft entlassen, sobald das Urteil rechtskräftig wird.

Das ist der Alptraum jeder Feuerwehr: Ein Feuerwehrmann wird als Brandstifter verurteilt. Gerade die, die für die Sicherheit der Bürger rund um die Uhr und ohne Rücksicht auf persönliche Entbehrung einstehen, haben ein schwarzes Schaf in ihren Reihen. Genau diese Situation hat jetzt die Feuerwehr Großrosseln . Das Saarbrücker Jugendschöffengericht hat nach einer Brandserie im Warndt, wo zwischen 2013 und 2014 in 20 Fällen Papiercontainer brannten, gerade einen 20-Jährigen aus Großrosseln wegen "Sachbeschädigung durch Brandlegung" verurteilt. Für Juristen ist er damit kein Brandstifter, weil der Brandstiftungs-Paragraph besondere Voraussetzungen bei den beschädigten Sachwerten verlangt.

Für die Feuerwehr dürfte das keinen Unterschied machen. Der junge Mann war damals Mitglied der Wehr und ist es formal heute noch. "Er hatte frisch den Führerschein, fuhr durch die Gegend und zündete Papiercontainer an", sagt Hermann Josef Flesch, Kriminaldienst-Leiter bei der Völklinger Polizei . "Vor Gericht hat der junge Mann sieben Taten zugegeben, Richter und Staatsanwalt glauben aber nicht, dass es für die verbliebenen 13 Taten einen anderen Täter gibt. Verurteilt wurde er zu 100 Sozialstunden, und er wird Schadensersatz leisten müssen für die verbrannten Container und die verursachten Feuerwehreinsätze. Das dürften so ungefähr 7000 Euro sein", sagt Flesch. Für die Polizei ist die Sache damit erledigt. "Die Brandserie hatte die Bevölkerung sehr beunruhigt, das ist nun vorbei", heißt es bei der Polizei .

Bei der Feuerwehr geht es jetzt erst los. "Wir wussten von dem Verdacht. Und seit wir davon Kenntnis haben, war der junge Mann auch bei keinem Einsatz mehr dabei. Er war beurlaubt", sagt der Großrosseler Feuerwehrsprecher Thomas Tomczyk. Offiziell aus dem Dienst entlassen könne man einen Kameraden aber erst, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliege. Daher habe der junge Mann noch immer einen Spind in seinem Naßweiler Löschbezirk.

"Es ist aber klar, dass wir ihn nicht mehr zum Feuerwehrdienst zulassen", bekräftigt Tomczyk. Wenn die Einspruchsfrist abgelaufen sei und die Unschuldsvermutung nicht mehr gelte, werde der junge Mann aus der Feuerwehr entlassen.

Der Großrosseler Wehrführer Fritz Schido meldete sich gestern eigens aus dem Urlaub auf Mallorca, um Stellung zu nehmen: "Wir haben mit der Polizei eng kooperiert und selbst Containerstandorte nachts bewacht, um den Täter zu finden. Wir konnten ihn leider nicht auf frischer Tat beobachten, haben aber alles getan, um das schwarze Schaf zu finden. Jetzt haben wir das Abmeldeschreiben schon gefertigt und werden ihn unehrenhaft entlassen", sagt Schido. Die wichtigsten Sachen - darunter der Funkmeldeempfänger, der die Feuerwehrleute alarmiert - seien schon eingezogen worden.

"Unser Image wird unter dem Fall nicht leiden", meint Schido. "Die Feuerwehr hat intensiv mitgewirkt, die Sache aufzuklären. Überall, wo Menschen zusammenkommen, gibt es auch negative Dinge. Eine Feuerwehr ist da nicht geschützt."