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Werden Bürger ausspioniert?
Wenn im Warndt die Wasseruhr ständig funkt

Zweckverbands-Chef Hermann Schon.
Zweckverbands-Chef Hermann Schon. FOTO: Andreas Lang / Picasa
Großrosseln/Völklingen. Zweckverband baut elektronische Wasserzähler mit drahtloser Übermittlung in Häuser ein. Betriebsleiter Hermann Schon begegnet Bedenken. Von Bernhard Geber

(er) So kennt man es: Jedes Jahr kommt jemand zum Ablesen der Wasseruhr ins Haus. Das soll im Warndt Schritt um Schritt überflüssig werden. Der Wasserzweckverband Warndt (WZV) setzt nun nämlich auf elektronische Wasserzähler mit drahtloser Übermittlung. Die ersten 300 Exemplare wurden 2014 im Rahmen eines Pilotprojektes in Naßweiler installiert. Und weil das laut Betriebsleiter Hermann Schon erfolgreich verlief, ging es weiter in Karlsbrunn, St. Nikolaus und Ludweiler. Nun stehen Dorf im Warndt und Emmersweiler an, und 2020 soll der Reigen in Lauterbach abgeschlossen werden.


Dann werden rund 6500 elektronische Zähler in Betrieb sein und funken. Der WZV hält mit ihnen mit Hilfe eines Spezialfahrzeugs Kontakt, das die einzelnen Straßen abfährt. Die nächste große Tour für das Ablesen des Jahresverbrauchs ist für 3. und 4. Januar geplant. Schon: „Dann haben wir schon abends am 4. Januar die gesamten Wasserverbräuche vorliegen. Die Daten gehen in unseren Computer und weiter in eine große Druckerei bei Stuttgart. Die druckt und verschickt die Rechnungen vollautomatisch. Wenn es Reklamationen geben sollte, gehen wir denen natürlich nach.“

Das neue System spart Zeit und Kosten. Aber es gibt auch Bürger, die sich überrumpelt fühlen – so ein Großrosseler, dem man kürzlich diesen neuen Zähler einbaute. „Theoretisch kann man da sogar feststellen, wie oft ich nachts die Toilette benutze, und mich dann auch noch gleich zum Urologen überweisen“, scherzt der Mann. Aber er hat ernsthafte Fragen, die wir an Hermann Schon weiterreichen. Zum Beispiel die, in welchem Intervall der Zähler Informationen sendet.



Regelmäßig, antwortet Schon. Aber im Prinzip wird nur einmal pro Jahr abgelesen – nämlich zur Ermittlung des Endverbrauchs. Ansonsten startet das Auto, wenn es einen besonderen Anlass gibt, zum Beispiel unerklärlich hohen Wasserverbrauch. So habe man auch schon mehrere verdeckte Rohrbrüche entdeckt. Und die europäische Datenschutzverordnung? Wegen der Modalitäten stehe man mit dem Datenschutzbeauftragten des Saarlandes in Verbindung, sagt Schon. Muss man Angst vor Elektrosmog haben? Nein, antwortet Schon. Ein übliches Handy sende in zehn- bis 20-facher Intensität. „Und wenn jemand den Funk abgeschaltet haben will, erfüllen wir diesen Wunsch und lesen die Uhr wieder selbst ab.“

Der Wasserzweckverband Warndt mit Sitz in Ludweiler ist für Ludweiler und Lauterbach und die gesamte Gemeinde Großrosseln zuständig.