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Wer kostümiert sich wie?
Warum wir uns in Pferde, Mönche, Piraten verwandeln

Ross und Reiter: Die Gruppe Die Knallinger treib viel Aufwand bei der Kostümierung.
Ross und Reiter: Die Gruppe Die Knallinger treib viel Aufwand bei der Kostümierung. FOTO: Walter Faas
Dorf im Warndt. Sagt die (Karnevals-)Maske etwas über unsere Persönlichkeit aus? Wir haben Fastnachter im Warndt danach gefragt. Von Walter Faas

  „Karneval ist der kontrollierte Ausbruch aus dem Alltag“, sagen Psychologen. Dazu gehört ein tolles Kostüm. Wie wählen die „Verboozten“ es aus?


Andreas Muno geht als Leichtmatrose. „Das ist aber eher der Tatsache geschuldet, dass ich mich dem Elferrat der Warndtkater anpasse, dem ich dieses Jahr angehöre“, sagt Muno. Das schneeweiße Matrosenjäckchen passt jedenfalls prima zu seinem pechschwarzen Bart: „Den hab ich mir extra wachsen lassen“, sagt er. Verkleidet zu sein ist für Muno ein Muss: „War schon X-Man Wolverine, aus der Matrix und Balu der Bär. Oder bin als Sun Gukko, der japanische Zeichentrickheld, zur Fastnacht gegangen. Mir ist nichts zu ausgefallen.“ „Stimmt‘“, ergänzt seine Ehefrau Anja Marmann. Sie gibt eine astreine Piratin ab. Ob das zu ihrem Charakter passt? „O ja, ich bin schon recht robust und gehe keinem Kampf aus dem Weg, besonders nicht mit diesem Matrosen“, sagt Marmann lachend, schmiegt sich aber gleichzeitig dicht an ihren Andreas. Zu ihrem Kostüm verrät sie uns noch eine Besonderheit am Rande: „Hab’s in der Kinderabteilung gefunden. Passt wie angegossen – gut, wenn man noch Größe 36 hat.“ Ganz pragmatisch geben sich auch Pia Maier als Minniemaus und Julia Haser als Hippie, sie sagen: „Wir wollen nicht so weit gehen und vom Ausdruck der Persönlichkeit bei der Kostümierung sprechen. Wir haben halt die Kostüme von Freundinnen ausgeliehen.“

Jedenfalls passen die Freundinnen gut zusammen und sind sichtlich willens, die Faasenacht 2018 zu ihrer „langen Party“ zu machen: „Bis Aschermittwoch haben wir uns Urlaub genommen.“

Markus Maringer springt uns in seiner grünen Mönchskutte direkt ins Auge. Ein verkleideter Robin Hood? Nein: „Braun kann jeder, aber grüne Mönche gibt’s so selten. Da hab ich direkt im Geschäft zugeschlagen“, sagt Maringer. Und hat sich rechtzeitig das passende Spitzbärtchen zugelegt. Lothar Halfman gibt den Mafia-Paten? Wieder geirrt! „Nee, ich stelle heute einen Gigolo dar. Hab’ mir gedacht, der passt prima zum Weiberfasching“, klärt Halfmann auf. Den pechschwarzen Anzug und die etwas aus der Mode gekommene Kravatte fand der „erklärte Faasebooz“ im heimischen Schrank, den weißen Hut auch („Werbegeschenk einer französischen Weinfirma“).

Dieter Holzer wird ebenfalls, ob gewollt oder nicht,  zum Blickfang. Er identifiziert sich so mit seinem maßgeschneiderten Kostüm – Oberst Böckl, im Film „Sissi, die junge Kaiserin“ verkörpert von Josef Meinrad – „dass ich für die Zeit der Faasend beinahe meinen richtigen Namen vergessen habe.“ So gefällt, wie es ein Sprichwort ausdrückt, „jedem Narren seine eigene Kappe“. So viel Liebe und Lust an der Verkleidung  macht dann auch den Flaneuren und Kiebitzen der vielen Veranstaltungen landauf, landab Vergnügen.



Besonders viel Energie hat übrigens die Gruppe Die Knallinger in ihre Kostüme gesteckt: Deren Mitglieder haben vor wenigen Tagen bei der Gala-Kappensitzung der Doll Doll Großrosseln eine astreine Pferdeschau aufs Parkett gelegt.

Piratin und Leichtmatrose: Anja Marmann und Andreas Muno.
Piratin und Leichtmatrose: Anja Marmann und Andreas Muno. FOTO: Walter Faas
Hippie und Minniemaus: Julia Haser und Pia Maier.
Hippie und Minniemaus: Julia Haser und Pia Maier. FOTO: Walter Faas
Lothar 
Halfman 
als Gigolo.
Lothar Halfman als Gigolo. FOTO: Walter Faas

Markus 
Maringer als 
grüner Mönch.
Markus Maringer als grüner Mönch. FOTO: Walter Faas
Dieter 
Holzer 
als Sissi-Film-
Offizier.
 
Dieter Holzer als Sissi-Film- Offizier.   FOTO: Walter Faas