„Tomaten machen kein Palaver“

In einem Bürger-Abend stellte der Unternehmer Albert Winzent am Dienstag ein Gewächshaus-Projekt vor, das er auf dem Karlsbrunner Feld verwirklichen möchte. Das Vorhaben stieß auf postive Resonanz.

Noch ist es kein konkreter Plan, noch läuft kein Genehmigungsverfahren. Aber das Projekt ist bereits weit vorangeschritten; viele Gespräche und Vorverhandlungen sind schon geführt. Nun, sagt Unternehmer Albert Winzent, der 2008 die Tagesanlage der einstigen Grube Warndt erwarb, wolle er erstmal die Anwohner informieren. Vor ein paar Jahren habe er zuerst die Politik über seine Pläne ins Bild gesetzt und erst später die Bürger, "das hat man mir vorgeworfen". Jetzt macht er's umgekehrt, der Verein "Bürgerinitiative Lebenswertes Karlsbrunn " ist sogar Veranstalter des Info-Abends am Dienstag im Sportheim Wiesental.

Es geht um Landwirtschaft auf dem Karlsbrunner Feld. Genauer: um Gewächshäuser zur Gemüse-Produktion, zehn Hektar groß, eine Investition von 16, 17 Millionen Euro. Die Idee, sagt Winzent, sei schon älter. Auch die Bekanntschaft mit Michael Pippert, dem Referenten des Abends - Pippert arbeitet beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, ist Berater in Sachen Gemüseanbau und Gewächshaustechnik. Zu guter Letzt tat noch ein Gärtner not, "der die Größenordnung kann". Winzent hat ihn auf der Bodenseeinsel Reichenau gefunden: Matthias Keller, der mit Kollegen zusammen bei Beuren ein großes Gewächshaus betreibt, sei "stark interessiert, das Projekt mit uns durchzuführen".

Ein Projekt mit "Leuchtturmcharakter" sei das, sagt Fachmann Pippert. Vor allem wegen der lokalen Konstellation beim Wichtigsten, der Energie. Sie soll vom Biomasse-Heizkraftwerk nebenan kommen - mit der Steag habe er schon verhandelt, hatte Winzent vorab gesagt. Zu 40 Prozent, erklärt Pippert, könne man auch Grubengas nutzen. Und das Kohlendioxid (CO{-2}) aus dem Abgas des dafür nötigen kleinen Block-Heizkraftwerks zur Düngung ins Gewächshaus leiten - so spare man den CO{-2}-Verbrauch von 4000 Einfamilienhäusern ein, hat Pippert errechnet.

Er schildert die ausgeklügelte Gewächshaustechnik, geschlossene Kreisläufe, Bewässerung mit Regenwasser, Schädlingsbekämpfung mit Nützlingen, ohne Spritzen. Er hat Zahlen parat zu jährlichen Erntemengen (5300 Tonnen Tomaten oder 2700 Tonnen Paprika ), zu den Arbeitsplätzen (64), zum späteren Verkehrsaufkommen (maximal 1,7 Lkws pro Tag). Er zeigt Beispiele für Gemüsebau unter Glas in Deutschland. Im Vergleich, sagt er, schneide der Standort Karlsbrunn auch aus Wettergründen gut ab: Im Saarland scheint oft die Sonne. Nebenbei: Gewächshausbetriebe stünden zu Besichtigungen offen, "absolute Transparenz". 11 000 Besucher habe ein Betrieb in Bayern 2015 gehabt.

Die Zuhörer haben viele Fragen. Winzent und Pippert bleiben keine Antwort schuldig. Interesse an lokal erzeugtem Gemüse sei da, sagen sie: Man habe schon mit großen Lebensmittel-Händlern gesprochen. Auch mit Saarforst: Dem Landesbetrieb gehört ein Stück Wald auf der Planfläche, das stehe zum Verkauf. Mit privaten Eigentümern kleinerer Grundstücke hat Winzent noch nicht geredet, das komme erst, wenn das Projekt konkret wird.

Verständnisvolles Nicken im Saal. Überhaupt ist die Atmosphäre entspannt, offen, geprägt von Sympathie fürs Vorhaben. "Spannendes Projekt", sagt ein Zuhörer. Kein Geruch, kein Lärm, gute Sache, kommentiert ein anderer: "Tomaten machen kein Palaver."

Winzent wartet jetzt aufs Steag-Angebot für die Energie. Dann müsse Gärtner Keller kalkulieren und Ja oder Nein sagen. Bis Ende April, sagt Winzent, werde das wohl klar sein.