Tierschützer üben Kritik an Betreiber des Wildparks Karlsbrunn in Großrosseln

Kostenpflichtiger Inhalt: Scharfe Kritik an Tierhaltung : Tierschützer kritisieren Wildpark Karlsbrunn

Dem Betreiber des Wildparks Karlsbrunn wird falsche Ernährung und Vernachlässigung der Wildschweine vorgeworfen. Er weist das zurück.

Die Vorwürfe kamen zu Beginn des Jahres auf: Am 3. Januar veröffentlichte der Wildtierhilfe-Verein „Haus der Hoffnung“ auf Facebook Bilder eines Frischlings aus dem Wildpark Karlsbrunn in Großrosseln. In dem dazugehörigen Text beschreibt der Verein die Tiere als „massiv unterernährt“. Einige hätten „starken Räudebefall“. Zwei Tage später, nachdem die Betreiber laut des Vereins ein Treffen abgesagt und weitere Kontaktversuche ignoriert hätten, folgte ein zweiter Facebook-Beitrag mit erneuerten Vorwürfen. Sechs Jungtiere seien „völlig ausgemergelt“, der Ernährungszustand der älteren Tiere sei „grenzwertig“ und auch die Gehege müssten verbessert werden. Seitens des Betreibers herrsche offenbar „massive Unkenntnis“ bezüglich „korrekter Haltung und Fütterung“.

Für Philipp Becker, den Vorsitzenden des Wildparks, kamen die Beschwerden überraschend. Im Vorfeld habe es nie Beschwerden gegeben. Die ignorierten Kontaktversuche bestreitet Becker. „Wir arbeiten hier komplett transparent und verschließen uns auch nicht – im Gegenteil.“ Man könne jederzeit in den Park kommen und mit ihm und seinen Mitarbeitern reden, statt sich über Facebook zu beschweren: „Wir wollen Klarheit schaffen. Wir haben keine Geheimnisse. Es geht uns hier nur um das Wohl der Tiere.“

Den Räudebefall bestätigt Becker. Schon im Sommer sei die Wildkrankheit im Park aufgetreten und entsprechend behandelt worden. „Räude haben wir hier immer mal wieder gehabt. Das lässt sich schwer verhindern. Aber dafür haben wir auch einen Tierarzt, der regelmäßig kommt und uns entsprechende Medizin verschreibt“, erklärt Becker. Auch über den Vorwurf der Unterernährung spricht er. Dass eine Wildsau, die Junge kriegt, nicht mehr so dickbäuchig aussieht wie vor der Geburt, sei ganz normal, da ihr die säugenden Frischlinge viel abverlangen. Die entsprechende Bache hätte mittlerweile aber auch wieder zugenommen. Und die anderen Tiere seien gut genährt.

Kritik an der Fütterung allgemein sei „lächerlich“, sagt Becker und führt in eines der Lagerhäuser im Wildpark. Es sei jede Menge Futter vorhanden und selbstverständlich würde mehr als ausreichend gefüttert, sagt der Vorsitzende, während er einige Säcke und Tonnen voll mit Futter zeigt. Ein Teil davon komme von den Tafeln in Völklingen und Burbach, die übrig gebliebene Lebensmittel für die Tiere zur Verfügung stellen. „Wir holen dort auch keinen Müll, sondern nur Essen, das gut für unsere Tiere ist“, sagt Becker. Man müsse sich bei alldem außerdem nicht alleine auf seine Aussagen verlassen. „Es gibt jedes Jahr unangekündigte Kontrollen des Veterinäramtes“, sagt Becker. Die Kontrollen seien streng und das sei auch richtig so. „Wenn wir die Tiere vernachlässigen würden, würden wir dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, stellt er klar.

Aufgrund der Vorwürfe der Tierschützer kontrollierte das Veterinäramt den Wildpark in der vergangenen Woche. Auf Anfrage bestätigte das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, zu dem das Veterinäramt gehört, sowohl die Räudeinfektion als auch die Unterernährung einer Bache mit Frischlingen. Eine medizinische Behandlung der Räude und eine Zufütterung für das Tier seien sicherzustellen. Das Veterinäramt bestätigte außerdem, dass ein Räudebefall in einem Wildpark grundsätzlich immer auftreten könne. „Sofern die Tiere behandelt werden, stellt das kein Problem dar“, teilt Sabine Schorr, die Pressesprecherin des Ministeriums, mit. Im Rahmen der Untersuchung sei vergangene Woche der gesamte Wildpark begutachtet worden. Außer der Räude habe es „keinerlei Beanstandungen“ gegeben. Die vorgeworfene „massive Unkenntnis“ seitens der Wildpark-Mitarbeiter dementiert das Amt: „Sechs Mitarbeiter des Wildparks verfügen über eine Sachkundeschulung, so dass nicht von massiver Unkenntnis gesprochen werden kann.“ In sechs Wochen sei eine Nachkontrolle geplant.

Ein Frischling im Wildpark Karlsbrunn. Tierschützer werfen dem Park vor, die Tiere schlecht zu ernähren. Foto: AG Tierrechte Saarland

Auf Facebook scheinen die Fronten weiter verhärtet. So sehr, dass Becker die Seite des Wildparks mittlerweile gelöscht hat. Die „Verunglimpfungen“ dort seien nicht mehr zu ertragen gewesen, sagt er. Dass die Vorwürfe keine „Hetze“ seien, betonten die Tierschützer in ihrem neusten Beitrag ausdrücklich. Es gehe lediglich darum, den Tieren zu helfen.