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Sänger aus dem Kongo zu Besuch im Warndt
Tanzend den Kirchenaltar umrunden

Die Musiker aus dem Kongo hatten zum Gospel-Workshop ins Großrosseler Pfarrheim eingeladen.
Die Musiker aus dem Kongo hatten zum Gospel-Workshop ins Großrosseler Pfarrheim eingeladen. FOTO: BeckerBredel
Großrosseln. Die Musikgruppe Bana Ngayime zeigte beim Warndt-Besuch, wie man in ihrer kongolesischen Heimat Gottesdienste feiert.

Sie hatten Schwierigkeiten mit den Visa, die Mitglieder der Kirchen-Musikgruppe Bana Ngayime aus dem Kongo. Nur vier Musiker durften schließlich in den Warndt reisen (wir berichteten).  Während ihres einwöchigen Aufenthalts absolvierten sie ein  dicht gepacktes Begegnungsprogramm. Auf die erste Nacht bei Gastfamilien folgten Besuche in Kindergärten – zuerst in Großrosseln – und in Schulen.


Die Musik der Bana baut schnell Brücken. Auch Kinder, die zunächst etwas reserviert sind, tauen bei Musik und Tanz schnell auf. Das Trommeln auf den Bongos löst jede Spannung. Die Vorstellung der Kinder von der fernen Welt sind noch unscharf. So war ein Kind im Kindergarten Ensheim überzeugt, die Bana Ngayime kämen aus Japan.

In den Schulen konnten auch ernstere Themen angesprochen werden. Zum Beispiel die Wirtschaft im Kongo. Sie leidet unter einer Rohstoffausfuhr, bei der eine Wertschöpfung durch Weiterverarbeitung im eigenen Land nicht stattfindet. Die Bevölkerung profitiert also nicht von den reichlich vorhandenen Rohstoffen, wie etwa  Coltan, das zur Handyherstellung benötigt wird.



Auf der anderen Seite entwickelt sich die Kirche rasant. Die Kirchen sind voll, die Messen dauern oft mehrere Stunden. Die Menschen fühlen sich wohl in der Kirche, auch weil die Liturgie sich an traditionellen Bräuchen und Liedern der Kongolesen orientiert. Hier hat der aus Großrosseln stammende Pater Alfons Müller – er ist Gründer der Musikgruppe – einen wichtigen Beitrag geleistet, in dem er einheimische Lieder mit christlichen Texten in die kongolesische Liturgie eingebracht hat.

Die Bana Ngayime singen und tanzen diese Lieder. Während ihres jüngsten Aufenthaltes haben sie Messen in kongolesischem Ritus gestaltet. In Großrosseln hatten die Bana Ngayime zu einem Workshop eingeladen: Sie übten mit Besuchern  Lieder und Tänze ein, die später in der Messe gemeinsam gesungen wurden. Stimmungsvolle Lieder mit der bis in höchste Töne kraftvollen Stimme von Madeleine Tshintu Kamanda wechselten sich mit schnellen, dynamischen Rhythmen ab. Zum Gloria umrundeten die Teilnehmer den Altar singend, klatschend und tanzend. Rasch kamen die Messbesucher in Schwung und machten begeistert mit.    Zum Schluss sangen die Bana Ngayime das deutsche Marienlied „Salve Regina“, bei dem die Besucher kräftig mitsangen. Nach der Messe waren alle zum Treffen mit der Gruppe in das Pfarrheim Großrosseln eingeladen. Bei Wiener Würstchen kam ein zwangloses Gespräch mit den Kongolesen zustande. Wie bei den Bana Ngayime üblich, griffen sie dann wieder zur Gitarre und begeisterten dieses Mal mit weltlichen Gesängen.

Ein weiterer Höhepunkt war die kongolesische Messe am Sonntag in der Saarbrücker Basilika St. Johann. Die exotische Gruppe mit ihren afrikanischen Rhythmen in der barocken Kirche – das war ein einmaliges Erlebnis. Zumal die Gruppe durch im Saarland lebende Kongolesen unterstützt wurde.

Die Bana Ngayime haben Großrosseln inzwischen verlassen, sie werden am kommenden Wochenende eine Messe in Königswinter gestalten. Anfang November fliegen sie dann zurück nach Kinshasa.