Susanne Stengel-Ponsing aus Bischmisheim ist eine der besten Billard-Spielerinnen in Europa

Menschen im Regionalverband : Das Klacken auf beheizten Tischen

Die 50 Jahre alte Susanne Stengel-Ponsing aus Bischmisheim ist eine der besten Billard-Spielerinnen in Europa.

Weiße Bluse, darüber die schwarze Weste mit dem Bundesadler, ein Queue in der Hand: Das ist die Ausrüstung von Susanne Stengel-Ponsing, einer der besten Billard-Spielerinnen Europas, bei großen Turnieren. Sie trainiert in der kleinsten Gemeinde des Regionalverbandes – in Großrosseln. In einer ehemaligen Schule. Im Erdgeschoss residiert die Polizei. Einen Stock höher ist eine ganz eigene Welt. Hier stehen vier Billard-Tische, darüber hängen große Leuchten.

Zum Fototermin hat sich Stengel-Ponsing also herausgeputzt. Was den Billard-Laien überrascht: Die Tische sind beheizt. „Dann laufen die Kugeln besser“, erklärt Stengel-Ponsing vom Billard-Club Großrosseln. Sie ist seit Jahrzehnten von dem Spiel mit den drei Kugeln fasziniert. Schon ihr Vater war ein Billard-Ass. Als ihr Bruder anfing, wollte sie das auch. „Geschwister-Rivalität“, sagt die 50-Jährige, die in Bischmisheim wohnt und zum Training in die Warndt-Gemeinde kommt. Auch zuhause hat sie einen Billard-Tisch im Keller stehen, um zu üben.

Während des Gesprächs legt sie sich immer wieder die drei Kugeln zurecht, um dem Laien das Spiel zu erklären. „Es ist wichtig, die Kugeln vor sich herzutreiben.“ Und schon legt Stengel-Ponsing los. Ohne großen Kraftaufwand stößt die weiße Kugel mit den beiden anderen zusammen. Dabei liegen die Kugeln nie weit auseinander. So würden die Kugeln im Idealfall dann rund um den Tisch immer wieder aneinander klacken.

Stengel-Ponsing ist eine Expertin für die „freie Partie“, die an kleineren Tischen gespielt wird. Sie hat zwei große Medaillen mitgebracht: Die goldene für den Europameister-Titel 2015, die bronzene hat sie im vergangenen April in Brandenburg gewonnen. „Das geht mir heute noch nach. Ich hätte das Halbfinale gewinnen müssen.“ Dabei waren die Gruppenspiele noch so gut gelaufen, berichtet die 50-Jährige. Dann unterlag sie aber der Niederländerin Christel Willemse. Das wurmt die Billard-Spielerin aus dem Saarland bis heute, motiviert sie aber auch, es beim nächsten Mal besser zu machen. „Es ist beruhigend, dass die Gegnerin nicht besser war. Ich habe Fehler gemacht und kann an mir arbeiten.“

Die nächste Herausforderung wartet schon auf Susanne Stengel-Ponsing. Im kommenden Juni sind die deutschen Meisterschaften in Gelsenkirchen. Und in zwei Jahren ist die nächste Europameisterschaft.

Warum trainiert sie ausgerechnet in Großrosseln? Stengel-Ponsing hat im Saarbrücker Stadtteil St. Arnual begonnen, auch in St. Wendel und Saarlouis-Roden gespielt. Sie sagt: „Es gibt nicht mehr viele Billard-Clubs.“ Außerdem sind die Trainingsbedingungen hier sehr gut, lobt Stengel-Ponsing. Denn zu jeder Tageszeit kann sie mit den Billard-Kugeln trainieren und ist zum Beispiel nicht abhängig von den Öffnungszeiten in einer Gaststätte.

Ihr Mann ist übrigens auch Billard-Spieler. Er habe sie mit dem Franzosen Francis Commesson, seines Zeichens Welt- und Europameister, bekannt gemacht. Von ihm habe sie sehr viel gelernt. Die Nervenstärke habe sie vom Training mit dem Holländer Lambert Willems. Das hilft ihr auch heute noch. Susanne Stengel-Ponsing ist hochmotiviert, noch viele wertvolle Medaillen im schicken Dress mit dem Bundesadler zu holen.

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