Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 20:08 Uhr

Seelenmalerei eines Virtuosen

Fast ein wenig entrückt wirkte Marlo Thinnes am Samstagabend bei seinem Konzert in der Rosseltalhalle. Foto: Ver
Fast ein wenig entrückt wirkte Marlo Thinnes am Samstagabend bei seinem Konzert in der Rosseltalhalle. Foto: Ver
Großrosseln. "In mir klingt ein Lied!" Marlo Thinnes, Jahrgang 1976, in Großrosseln in einer Musiker-Familie aufgewachsen, darf dies für sich in Anspruch nehmen. Thinnes begann im Alter von vier Jahren, Klavier zu spielen Von SZ-Mitarbeiter Walter Faas

Großrosseln. "In mir klingt ein Lied!" Marlo Thinnes, Jahrgang 1976, in Großrosseln in einer Musiker-Familie aufgewachsen, darf dies für sich in Anspruch nehmen. Thinnes begann im Alter von vier Jahren, Klavier zu spielen. Am vergangenen Samstag kehrte er - mittlerweile als Preisträger nicht weniger nationaler und internationaler Musik-Wettbewerbe - zu seinen Wurzeln und nach Großrosseln zurück. Man muss normalerweise schon weit reisen, um einen solch ausgewogenen Abend der ganz großen Gefühle zu erleben.Gespür für poetische Kraft Fein tariert wirkt die Gegenüberstellung musikalischer Miniaturen, Arabesken, Etüden und Sonaten bis hin zum taumelnden Hexensabbath im Mephisto-Walzer "Tanz in der Dorfschenke", die Thinnes mit feinem Gespür für die poetische Kraft der Musik gewählt hat. Mit Bach und Beethoven auf Du und Du, mit Liszt und Chopin im Einklang, beweist Thinnes Ton für Ton, Akkord für Akkord, seine emotionale Beteiligung am inneren Leben der interpretierten Werke. Der Solist widmet sich Bachs mystischer Toccata und Fuge d-Moll, normalerweise für Orgel geschrieben, oder der feurigen Bizet-Oper "Carmen", in temperamentvollen Klavier-Bearbeitungen von Ferruccio Busoni. Die Tempi wirken rasch - selbst in den langsamen Sätzen -, dabei nie gehetzt, so dass die innere Spannung der romantisch geprägten "Seelenmalerei" erhalten bleibt. Dies gilt beispielsweise für das introvertierte "Largo e mesto" von Ludwig von Beethoven in dessen selten zu hörender Sonate 10/03 D-Dur. Weiche Anschläge bis zum Tonhauch, dynamisch-aggressives Anschlagen, intensiver Pedaleinsatz, häufiger Gebrauch der linken Hand, manuelle Sicherheit: Thinnes erweist sich in jeder Phase des beinahe zweistündigen Konzerts als sensibler Virtuose, dessen exzellentes Spiel viele der rund 150 Zuhörer mit geschlossenen Augen und bewegtem Mitwippen "erleben". Was bleibt, ist ein spannender Klavierabend mit starken musikalischen Eindrücken und einer Überraschung: Die Rosseltalhalle, bisher gut für Karneval, Orchesterklang und Kleinkunst, erwies sich als trefflich für diese Art von Kammermusik - ausgezeichnet in der Akustik, passend in der Beleuchtung und gediegen in der Farbgebung.