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Rossler Karnevalsverein Doll Doll ist für die Aktiven Heimat

Rossler Karnevalsverein Doll Doll : Wo Fastnacht Familientradition ist

Das wird eine ganz besonders „dolle“ Session mit vielen Extras: Der Rossler Karnevalsverein Doll Doll feiert Jubiläum. Er ist 9 x 11 Jahre alt.

Die Verwandlung in Prinz und Hofnarr vollzieht sich erst am Ankunftsort. Noch ist die Hoch-Zeit der Narren nicht da – da fühlen sich wohl selbst erfahrene Faaseboozen komisch, wenn sie in vollem Ornat durch die City laufen. Nun aber, in den Völklinger Redaktionsräumen der SZ angekommen, tauschen Aline Hümbert und Alexander Haser flink ihre Alltagsklamotten gegen farbenfrohe Kostüme mit klingenden Schellen. Dazu gibt’s passende Beinkleider, Kopfbedeckungen und extravagante Schuhe. Noch einmal am Narrenhut zuppeln – und los geht’s.

Hofnärrin Aline und Prinz Alexander sind nicht die einzigen Akteure des Karnevalsvereins (KV) Doll Doll Großrossseln, die, kurz vor der offiziellen Sessionseröffnung, Rede und Antwort stehen. Auch der Vorsitzende des KV Doll Doll, Ludwig Müller, Britta Biewer (Festausschuss-Mitglied und Spielleiterin) und Vereinsschriftführerin Ariela Eiloff sind gekommen. Der Grund ist das nahende Jubiläum: Am Samstag, 17. November, startet der KV Doll Doll in seine 9 x 11-Fastnachtssession. Dann, ab 20.11 Uhr, lädt der 370 Mitglieder starke Verein bei freiem Eintritt in die Rosseltalhalle ein.

„Wir gehören zu den Ältesten im Saarland“, sagt Eiloff stolz. Zum großen Jubiläum haben sich die Doll Doller mit ihren etwa 100 Aktiven („vor, hinter und auf der Bühne“) neben ihrem „normalen“ Faasend-Programm mit dem Faasendumzug als Höhepunkt einige Extras überlegt. Zum Beispiel eine Ausstellung aus 99 Jahren Vereinsgeschichte (bis zum 23. November in der Sparkasse Großrosseln). Es sei eine Bilder- und zugleich Prinzenwagen-Modell-Schau, erläutert Biewer. Etliche Fotos seien zusammengekommen, aus dem Ort hätte viele etwas beigesteuert: „Die Leute sind motiviert, unser Jubiläum schön zu gestalten.“ Und acht jeweils etwa einen Meter große Mini-Prinzenwagen gibt es zu sehen, erzählt sie – Abbilder der Originale, wie sie in den vergangenen Jahren in Großrosseln beim Umzug begeisterten.

„Jedes Jahr wird ein neuer Wagen gebaut“, berichten die Redaktionsgäste. Und das von einem eingespielten Team aus neun Leuten: „Fünf bis sechs Wochen wird von montags bis freitags am Wagen gearbeitet“, ein Fulltime-Job. Viel Lob gibt es nicht nur für die Wagenbauer, sondern auch für andere rührige Akteure, etwa die Jugendleitung: „Die haben das ganze Jahr über viel Arbeit“ – die Garden trainieren ja nicht nur in der fünften Jahreszeit.

Zum besonderen Anlass gibt es, erzählt Müller, neben Pins und Festzeitschrift (ab Ende November beim Verein und bei den Veranstaltungen zu haben) auch zwei Jubiläumsveranstaltungen: „Da bieten wir ein anderes Programm, das hebt sich von den normalen Kappensitzungen ab.“ Inklusive Ernennung von Ehrenmitgliedern, das gab’s schon lang nicht mehr. Und: „Besonders ist auch, dass Teile der Vereinschronik durch den Hofstaat dargestellt werden“, berichtet Biewer. Teilweise seien dazu Orte gefilmt worden, das Ganze sei unterlegt mit einer Rede.

An deren Text haben Hofnärrin Aline und Prinz Alexander lange und sehr ernsthaft, sehr nachdenklich gefeilt. „Es war nicht leicht, aus den geschichtlichen Fakten etwas Lebendiges zu formen, das war zum Teil nervenaufreibend“, sagt der Prinz. Vieles hätten sich die zwei (übrigens auch im richtigen Leben ein Paar) gemeinsam erstritten. Da es für die Erzieherin und den Lehrer im Referendariat aber schon die zweite Session ist, sei vieles eingespielt: „Das macht es einfacher.“ Offenheit und Herzlichkeit versprühen, dafür sorgen, „dass die Leute mit einem Lächeln aus der Veranstaltung gehen“, daran erinnern, wozu Faasend gefeiert wird – darum geht es ihnen, wenn sie auf der Bühne stehen.

„Doll Doll gehört dazu, an der Faasend gibt’s nix anderes“, sagt die Hofnärrin. Der Karnevalsverein gehört quasi zur Familientradition. Ludwig Müller, 68, ist das beste Beispiel dafür: Seit Jugendzeiten dabei, ein Urgestein der Rossler Faasend, hat er seine beiden Töchter angesteckt mit dem Fastnachts-Virus – die eine sitzt mit am Tisch, Britta Biewer hebt verschmitzt lachend den Finger: „Das bin ich.“

Sitzt die Kappe von Hofnärrin Aline auch richtig? Prinz Alexander gibt Hilfestellung. Die Handgriffe werden bald aus dem Effeff sitzen, denn jetzt beginnt die Jubiläumssession mit vielen Auftritten. Foto: BeckerBredel

Aber auch, wenn sie schon „alte Hasen“ sind: Die kommende Zeit hat speziellen Reiz für alle, betonen sie. Denn schließlich, sagt Eiloff, „gibt es sowas ja nur alle elf Jahre.“