Porträt Balletlehrerin : Die junge Powerfrau aus Naßweiler

Larissa Quinten hat sich ihren Wunsch vom Traumberuf erfüllt und ist Tanzpädagogin geworden. Mittlerweile unterrichtet sie 80 Schülerinnen.

Bis zur Grenze sind es nur ein paar Schritte. Die Werbetafel an der Drogerie nebenan wirbt für Agfa-Foto, eine längst verschwundene Marke. Auch die Drogerie ist zu. Eigentlich ist Deutschland hier zu Ende. Trotzdem: Auffallend viele Autos stehen in der Seitenstraße, eines ist mit Silhouetten von Balletttänzerinnen beklebt. Es ist der Wagen der 31-jährigen Larissa Quinten. Im Wohnhaus über dem Friseurladen sieht man sie nochmal, die aufgeklebten Scherenschnitte. Hier soll ein Tanzzentrum sein?

Wer klingelt, steht vor einem Treppenlift. Der brachte früher die Oma ins Obergeschoss, dorthin, wo ihre einstige Wohnung zum Ballettstudio umgewidmet wurde. Helles Licht, Spiegelwände, Stangen rundherum. Kinder wuseln um die Ecke, Erwachsene – meist Mamas – sitzen nebenan und warten plaudernd auf das Ende der Stunde. Über 80 Ballettschüler gehen hier ein und aus. Altersspanne zweieinhalb bis 81 Jahre. Das alte Wählscheiben-Wandtelefon erinnert an den Opa. Es hat keine Energie.

Energie hat Larissa Quinten. Ganz allein managt die 31-Jährige ihr Tanzstudio; wenn sie nicht unterrichtet, macht sie Buchhaltung, Gruppeneinteilungen, Musikauswahl oder denkt sich Choreografien aus für ihre zwölf Gruppen, denen ein großer Auftritt bevorsteht. Alle fiebern dem Sonntag, 23. Juni, entgegen, wenn sich um 11 Uhr der Vorhang im Centre Culturel Saint-Avold hebt und Larissa Quintens  2. Tanz- und Ballett-Matinee auf dem Plan steht. 25 Programmpunkte wird es geben, alle einstudiert von Larissa Quinten, die an diesem Tag kaum Luft wird holen können und sich dennoch wahnsinnig freut.

1000 Besucher passen in den Saal, der wie eine Arena aufgebaut ist und jedem Zuschauer beste Sicht verspricht. Die 31-jährige Mutter dreier Kinder schwärmt für den Tanz seit Kindheitstagen. Ihr Mann sei Elektriker und arbeite früh, sie arbeite in den Kursen spät. So gelinge die Kinderbetreuung ohne fremde Hilfe, sagt die Naßweiler Powerfrau nicht ohne Stolz. Nach einer kaufmännischen Ausbildung widmete sie ihr Leben dem Tanz. Sie lernte Tanzpädagogin und Musikalische Früherziehung, wurde neben zahlreichen anderen Qualifikationen Zumba-Instruktor und Tanz-Instruktor beim Deutschen Turnerbund. Baby-Spielkreise leitete sie und interessierte sich für spezielle Ballettangebote „60+“. Das erklärt heute ihren generationenübergreifenden Schülerkreis. Kinder machen mit und ältere Damen, darunter ihre Mama mit 63. Die 81-jährige Ballettschülerin von Quinten habe mit 75 erst angefangen und sei seit Jahren dabei. Als sie zum ersten Mal gekommen sei, habe sie nur gesagt: „Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie.“

www.tanz-kreativ-quinten.de

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