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Noch kein Ersatz für marode Halle

Großrosseln. Ein neues Bürgerhaus, das den Ausfall der maroden Rudolf-Voltz-Halle auffangen soll, wird für die Karlsbrunner vorerst noch ein Traum bleiben. Der Gemeinderat hat entschieden, eine mögliche Finanzierung über einen Sonderkredit abzuwarten. Thomas Annen

Volles Haus in der Rosseltalhalle: An die 100 Bürger verfolgten am Donnerstagabend die Sitzung des Gemeinderats Großrosseln . Die meisten Besucher kamen aus Karlsbrunn, sie demonstrierten für eine Versammlungsstätte in ihrem Ort. "Wird Karlsbrunn abgehängt?" stand auf einem der Spruchbänder. Im Rahmen des Investitionsprogramms wurde über die Hallensituation in dem Gemeindebezirk diskutiert.

Der Karlsbrunner Ortsrat hatte sich bereits im Vorfeld klar positioniert. Als Ersatz für die sanierungsbedürftige Rudolf-Voltz-Halle fordert er den Neubau eines Bürgerhauses. Die Maßnahme soll mit insgesamt 750 000 Euro ins Investitionsprogramm aufgenommen werden: 50 000 Euro wollen die Kommunalpolitiker im Jahr 2015 für die Planung einstellen, 2016 und 2017 sollen jeweils 350 000 Euro folgen.

Nach Architektenschätzung, erläuterte Ortsvorsteherin Petra Fretter (CDU ), reiche die Summe, um auf einem Gemeindegrundstück ein Bürgerhaus für rund 200 Personen zu bauen. Mit ihrem Votum folgten die Ortsratsfraktionen dem Wunsch des Festausschusses. Die dort zusammengeschlossenen Vereine hatten sich für den Neubau einer Versammlungsstätte in kleinerem Rahmen ausgesprochen.

Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) warnte davor, 2015 Gelder für das Projekt einzustellen. Mit einer Kreditaufnahme von 236 000 Euro sei der zulässige Rahmen bereits ausgeschöpft. Das Einsetzen zusätzlicher Beträge führe zwangsläufig dazu, dass der Haushalt nicht genehmigt werde. Und damit, erklärte der Verwaltungschef, lägen dann auch alle anderen geplanten Projekte auf Eis. Der Neubau einer Halle sei nur realistisch, wenn das Innenministerium erlaube, die Maßnahme über einen Sonderkredit zu finanzieren. Bevor dies nicht geklärt sei, mache es keinen Sinn, Mittel einzustellen. "Erst Geld sichern, dann planen", sagte Dreistadt.

Widerspruch kam von der CDU . Sie sprach sich dafür aus, 50 000 Euro für die Planung einzustellen. Als Signal, dass sich etwas bewege. "Ist man in diesem Gremium gewillt, ein neues Projekt in Karlsbrunn anzugehen?", fragte Petra Fretter die Gemeinderatskollegen.

Bei der Abstimmung folgte die Ratsmehrheit der Auffassung des Bürgermeisters: Gegen die Stimmen der CDU entschieden SPD und Linke, 2015 kein Geld für die Planung eines Neubaus einzustellen. Mit dem gleichen Votum wurde danach auch der Gesamt-Kernhaushalt genehmigt. Im laufenden Jahr hat der Investitionshaushalt ein Volumen von 768 000 Euro . Geld ist unter anderem vorgesehen für die Ausstattung der Feuerwehr und die Erneuerung des Kindergarten-Parkplatzes in Dorf im Warndt. Einstimmig grünes Licht gab es abschließend für die Sonderrechnung Abwasser. Sie betrifft vor allem die geplanten Kanalerneuerungen. > Weitere Berichte folgen.

Einstimmig verabschiedete der Gemeinderat Großrosseln am Donnerstagabend den Haushaltssanierungsplan der Jahre 2015 bis 2018. Die Sparvorgaben des Landes sind strikt: Durch Reduzierung der Ausgaben und Erhöhung der Einnahmen müssen in jedem Jahr 110 000 Euro zusammen kommen.

2015 gelingt dies der Gemeinde vor allem durch Kostensenkungen. Die Zusammenlegung des Großrosseler Standesamtes mit Standesämtern von Nachbarkommunen führt zur Einsparung von Personal. Außerdem entfällt der Mietaufwand für die Wohncontainer, in denen der Naßweiler Kindergarten untergebracht war. Die Jungs und Mädchen sind inzwischen in ihr neues Domizil in Dorf im Warndt umgezogen. Wegen der gesunkenen Kosten kann die ursprünglich vorgesehene Kürzung der Zuwendungen an Sportvereine um ein Jahr verschoben werden. Auf der Grundlage des jetzt verabschiedeten Sanierungsplans sieht Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) gute Chancen, dass die Kommunalaufsicht den Haushalt genehmigt. Einstimmig hat der Gemeinderat den Wirtschaftsplan der Sonderrechnung Abwasser verabschiedet. 2015 rechnet die Gemeinde mit einem Gewinn von 361 000 Euro . Das Investitionsvolumen beträgt 532 000 Euro . Mit dem Geld sollen unter anderem Kanäle in der Robert-Koch-Straße in Dorf im Warndt, im Mühlenweg in St. Nikolaus und in der Karlsbrunner Straße Zum Tiefen Graben sowie in Naßweiler erneuert werden.



Zum Thema:

HintergrundZum Jahreswechsel hatte Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ) die Rudolf-Voltz-Halle in Karlsbrunn wegen gravierender Baumängel geschlossen. Im Dezember beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Kosten für verschiedene Sanierungs- oder Neubau-Alternativen zu ermitteln. Mittlerweile liegen die Schätzungen vor: Sie reichen von 264 000 Euro für die reine Dachertüchtigung bis zu 1,8 Millionen Euro für den Abriss der Turnhalle und den Neubau einer Mehrzweckhalle an anderer Stelle. tan