Neues Leben im leeren Gehege

Zwölf Burenziegen und acht Kamerunschafe sind im Karlsbrunner Wildpark eingezogen. „Ein Tierschutz-Fall“, sagt der Vereinsvorsitzende Patric Louis. Der Verein erwäge nun, Pflegeplätze für Nutztiere anzubieten.

Eigentlich wollte der Karlsbrunner Verein für Naherholung Mufflonschafe kaufen, um das Gehege, das in seinem Wildpark schon länger leer stand, neu zu beleben. Jetzt ist es anders gekommen: Seit voriger Woche grast eine ganz andere Herde zwischen den instand gesetzten Gehege-Zäunen - acht Kamerunschafe und zwölf Burenziegen hat der Verein neu erworben, berichtet Patric Louis, der Vorsitzende.

"Es war ein Tierschutz-Fall", sagt er dazu. Die Herde, ursprünglich in Lauterbacher Privatbesitz, sei vom Veterinäramt beschlagnahmt worden, wegen unzulänglicher Tierhaltung. Schafen und Ziegen, erklärt Louis, müsse man regelmäßig die Klauen schneiden. Nur wenn man die Tiere auf hartem Steinboden halte, wetze sich der Zuwachs auf natürliche Weise ab. Doch auf weichem Wiesenboden wüchsen die Klauen so stark, dass ohne Pflege Entzündungen entstünden; die Tiere könnten dann nicht mehr richtig laufen, sie würden ernsthaft krank. Genau das sei mit dieser Herde geschehen. Und weil die Unterbringung beschlagnahmter Tiere auf Dauer einiges an Kosten verursache, suche das Veterinäramt Kauf-Interessenten, sobald die Tiere gesundgepflegt seien. Doch ältere, längst ausgewachsene Burenziegen an den Züchter zu bringen, sei schwierig; "die Tiere hätten letztlich wohl alle zum Schlachter müssen", sagt Louis.

Widersinnig, findet er, Tiere erst zu retten und dann töten zu müssen - so sei sein Verein in die Bresche gesprungen. Zumal der Preis für die Herde günstig gewesen sei, "es war ein faires Angebot". Und "da das Gehege schon jahrelang leerstand, haben die Tiere dort richtig Spaß mit der Verbuschung.", fügt Louis hinzu. Nein, der Verein wolle kein Beweidungsprojekt beginnen. Wenn die Verbuschung im Gehege abgefressen sei, müsse man halt zufüttern, wie bei den anderen Wildpark-Tieren auch.

Im Gegensatz zu den Zwergziegen, die schon länger im Park leben, seien Burenziegen große Tiere, schwer, mit kräftigen Hörnern und aggressiv - "das ist kein Gehege, in das ich mit einer Schulklasse reingehen würde", sagt Louis lachend. Jedenfalls seien es robuste Tiere, ebenso die Kamerunschafe, eine kleine Rasse, die keine Schur brauche. Derzeit könnten sie draußen bleiben. Aber für den Winter müsse der Verein ihnen einen Stall bauen. "Dafür brauchen wir erstmal eine Genehmigung", den Papierkram nehme man gerade in Angriff.

Vielleicht, sagt Louis, entwickele sich aus diesem Projekt noch mehr Neues für den Wildpark-Verein. "Die Herde haben wir im nördlichen Saarland abgeholt, weit weg", berichtet er - durch den aktuellen Tierschutz-Fall seien er und seine Mitstreiter darauf aufmerksam geworden, dass es in der Region kaum Pflegestellen für Nutztiere gebe. Nun diskutiere man, ob man künftig so etwas anbiete. Zum Beispiel, indem man in der Nähe des Parks Weideflächen pachte. Um die Kosten dafür sorgt er sich nicht, denn zeitweilige Pflege kranker Tiere werde vom Veterinäramt bezahlt. "Aber wir müssten zäunen", sagt Louis, viel Arbeit für die Ehrenamtler des Vereins. Da sei noch nichts beschlossen.

Beschlossen sei dafür eine Kooperation mit der Wildtierauffangstation des Saarforst-Landesbetriebs in Eppelborn: Die Station könne jetzt Frischlinge weiterreichen an den Wildpark. "Sofern die Tiere stark genug sind", schränkt er ein: Neulinge würden von der Rotte meist nicht integriert, sie müssten sich durchboxen "und bleiben dann auch Einzelgänger". Doch ohne solch eine Perspektive nehme die Station verletzte Frischlinge gar nicht an. Denn Wildschweine dürfe man von Gesetzes wegen später nicht wieder auswildern.