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Neues Domizil für Vereine ist noch offen

Neues Domizil für Vereine ist noch offen

„Karlsbrunn braucht eine Versammlungsstätte“, sagte Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) am Dienstag in der Ortsratssitzung. Doch wo und wie die eingerichtet wird, das ist noch nicht entschieden.

Im September beschloss der Gemeinderat Großrosseln einstimmig, das Warndthotel Waibel in Karlsbrunn zu kaufen. Dort sollen Flüchtlinge untergebracht werden. Die öffentliche Ankündigung von Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD ), den ehemaligen Speisesaal des Gebäudes möglicherweise für die Ortsgemeinschaft zu nutzen, löste in Karlsbrunn eine heftige Diskussion aus. Seit der Schließung der Turnhalle Ende vorigen Jahres fordern die Vereine ein neues Domizil.

"Aktueller Stand Ankauf Hotel Waibel", lautete der Tagesordnungspunkt des Ortrats, der am Dienstagabend rund 50 Zuhörer ins Sportheim Wiesental lockte. "Ich bin dafür, dass das Hotel für Flüchtlinge genutzt wird", betonte Ortsvorsteherin Petra Fretter (CDU ) gleich nach der Begrüßung. Eine Haltung, die von mehreren Rednern geteilt wurde. Niemand sprach sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Karlsbrunn aus.

Doch nicht in allen Punkten herrschte Einigkeit. Petra Fretter zeigte sich verärgert, weil Bürgermeister Dreistadt im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung auf die mögliche Speisesaalnutzung hingewiesen hat. Sie sprach von einer kontraproduktiven "voreiligen Veröffentlichung".

Die Nutzung des Speisesaals sei nämlich nur eine von drei angedachten Möglichkeiten, den Vereinen ein neues Domizil zu verschaffen. In einem Arbeitskreis, in dem die Karlsbrunner Gemeinderatsmitglieder mitwirken, werde zurzeit auch die Erweiterung des Sportheims Wiesental und der Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses diskutiert.

Verwaltungschef Dreistadt wollte sich den Schwarzen Peter jedoch nicht zuschieben lassen. Inhalte der Arbeitskreissitzung, so Dreistadt, seien schon vor seinem Gespräch mit der Zeitung an die Öffentlichkeit gelangt. "Das war eigentlich anders vereinbart", betonte der Bürgermeister.

Ein Vorschlag von Albrecht Wagner könnte vielleicht helfen, solche Irritationen zukünftig zu vermeiden. "Nicht so viel hinter verschlossenen Türen diskutieren", forderte der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Lebenswertes Karlsbrunn ".

In der sachlichen Diskussion mit den Bürgern wurde mehrfach empfohlen, die Flüchtlingsfrage und die Vereinsproblematik nicht zu vermischen. Es wurde aber auch deutlich, dass beide Themen wohl doch zusammenhängen. Wie können Vereine Flüchtlinge integrieren, wenn ihnen im Ort keine Räumlichkeit zur Verfügung steht? "Karlsbrunn braucht eine Versammlungsstätte", sagte Bürgermeister Dreistadt.

Zuvor hatte er die Fakten zum Hotelankauf erläutert. Die Preisverhandlungen seien abgeschlossen, jetzt stehe die notarielle Abwicklung an. Läuft alles nach Plan, kann das Gebäude in den ersten Wochen des neuen Jahres belegt werden. Es bietet etwa 40 Flüchtlingen Platz.

Wo sich die Vereine zukünftig treffen, ist noch nicht klar. Die drei Konzepte werden zurzeit erstellt. Wer das letzte Wort hat, steht allerdings schon fest. "Der Gemeinderat entscheidet", sagte Bürgermeister Dreistadt.

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RückschauBau-Probleme in der 1936 erbauten Karlsbrunner Rudolf-Voltz-Halle waren schon jahrzehntelang bekannt. 2014 zeigte eine genaue Untersuchung, dass die Dach-Statik kritisch ist und zudem für den Hallen-Anbau seit den 1980er Jahren keine gültige Baugenehmigung vorliegt. Sicherheitshalber schloss Bürgermeister Jörg Dreistadt die Halle Ende 2014. Die Fehler zu beheben, hätte das Budget der Gemeinde weit überschritten. Einen Neubau befand der Rat erst recht für zu teuer. Mit der Hallen-Schließung haben sieben Vereine bisher genutzte Räume verloren. red

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Hintergrund In der Ortsratssitzung erläuterte Bürgermeister Jörg Dreistadt den Schlüssel, nach dem die im Saarland eintreffenden Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden. 5,47 Prozent der Asylsuchenden, die dem Regionalverband zugewiesen werden, kommen nach Großrosseln. Zurzeit leben in der Warndtgemeinde 72 Flüchtlinge , darunter drei Minderjährige. Sie sind in verschiedenen Ortsteilen untergebracht, ein großer Teil lebt in der ehemaligen Grundschule Großrosseln. Nach Angaben des Verwaltungschefs müssen Ende 2015/ Anfang 2016 voraussichtlich 165 Kriegsflüchtlinge in Großrosseln versorgt werden. tan