Naturschutz-Areal ohne Glasglocke

Großrosseln/Dorf im Warndt. Zuerst gewannen Bergbau-Techniker dort Sand, als Füllmaterial für ausgekohlte Strebe und Strecken. Später wurde in die Steinbrüche gepumpt, was die Bergleute nicht brauchen konnten: der Schlamm, der übrigblieb, nachdem man die Kohle mit Wasser vom tauben Gestein getrennt hatte. Diese Entstehungsgeschichte teilen die beiden Weiher St

Großrosseln/Dorf im Warndt. Zuerst gewannen Bergbau-Techniker dort Sand, als Füllmaterial für ausgekohlte Strebe und Strecken. Später wurde in die Steinbrüche gepumpt, was die Bergleute nicht brauchen konnten: der Schlamm, der übrigblieb, nachdem man die Kohle mit Wasser vom tauben Gestein getrennt hatte. Diese Entstehungsgeschichte teilen die beiden Weiher St. Charles zwischen Großrosseln und Dorf im Warndt mit vielen anderen Absinkweihern im Warndt. Nach dem Ende des Bergbaus in der Region stellt sich die Frage, was mit den Flächen geschehen soll. Davon handelt das Projekt "Der Warndt nach dem Bergbau". Am Dienstag wurde es in Forbach vorgestellt (wir berichteten) - Rudolf Krumm (Foto: bub), Saarland-Chef der RAG Montan Immobilien (MI) GmbH, präsentierte dabei neue Ideen zur Zukunft der Weiher.Ehe die rund 40 Hektar große Fläche aus der Bergaufsicht entlassen werden kann, müssen nach Krumms Auskunft Gefahren, die sie birgt, beseitigt werden: Böschungen sind nicht standfest, weil zu steil; der Schlamm ist weich, daher nicht trittsicher. Deshalb wollte die RAG MI, der die Fläche gehört, die Weiher zunächst durch Zuschütten stabilisieren. Dieser Gedanke ist jetzt vom Tisch. Weil die Weiher sich zu ungewöhnlichen Biotopen entwickelt und hohe Bedeutung für den Natur- und Artenschutz erlangt haben, könne man sie nicht einfach abdecken, sagte Krumm. Zumal das Abdecken "logistisch" Probleme aufwerfe - sprich: Man müsste enorme Mengen Erdreich auf schmalen Landstraßen herankarren.Nun gehen die Überlegungen in andere Richtung. Die Weiher sollen zwar gesichert werden, mit abgeflachten Böschungen und einem in den Schlamm eingebauten Geotextil, das Menschen vorm Versinken bewahrt. Doch sie sollen Biotope bleiben; der Naturschutzbund (Nabu), so Krumm, wolle eventuell später Eigentümer werden. Mit dem "üblichen Glasglocken-Naturschutz-Areal" hat Krumm aber nichts im Sinn, die Weiher sollen öffentlich zugänglich sein. Dazu könne man den alten Förderturm als Aussichtspunkt herrichten. Und mit einem Bohlenweg - so wie in Mooren - Spaziergängern den Zugang öffnen. Den Ausbau mit Turm und Bohlenweg könne sein Unternehmen jedoch nicht finanzieren, dazu seien Zuschüsse nötig. Ob sich diese Ideen verwirklichen lassen, ist noch nicht sicher. Vorab, betonte Krumm auf SZ-Nachfrage, müsse man erst technisch überprüfen, wie es um die Standsicherheit der Böschungen und die Trittfestigkeit des Schlamms bestellt sei. Das Ergebnis dieser - aufwendigen - Untersuchungen werde wohl erst nach den Sommerferien vorliegen.

 Die Naturschützer Lothar Hayo (links) und Wolfram Doerr am Donnerstagnachmittag an einem der Großrosseler Absinkweiher. Für die beiden war es eine gute Nachricht, dass das ungewöhnliche Biotop erhalten bleiben soll - sie hatten energisch dafür gekämpft. Foto: Jenal
Die Naturschützer Lothar Hayo (links) und Wolfram Doerr am Donnerstagnachmittag an einem der Großrosseler Absinkweiher. Für die beiden war es eine gute Nachricht, dass das ungewöhnliche Biotop erhalten bleiben soll - sie hatten energisch dafür gekämpft. Foto: Jenal
 Die Naturschützer Lothar Hayo (links) und Wolfram Doerr am Donnerstagnachmittag an einem der Großrosseler Absinkweiher. Für die beiden war es eine gute Nachricht, dass das ungewöhnliche Biotop erhalten bleiben soll - sie hatten energisch dafür gekämpft. Foto: Jenal
Die Naturschützer Lothar Hayo (links) und Wolfram Doerr am Donnerstagnachmittag an einem der Großrosseler Absinkweiher. Für die beiden war es eine gute Nachricht, dass das ungewöhnliche Biotop erhalten bleiben soll - sie hatten energisch dafür gekämpft. Foto: Jenal

HintergrundDie St. Charles-Weiher bei Großrosseln sind Lebensraum vor allem für (Wasser-)Vögel. Es seien "Trittsteine für den Vogelzug", sagt der Naturschützer Wolfram Doerr vom Nabu Warndt. Die Wasserflächen seien wegen ihrer hohen Lage auch nachts sichtbar für Vögel. So würden sie von Tieren, die aus nordischen Ländern in südliche Winterquartiere flögen, als Rast- und Nahrungsplätze genutzt. An den Weihern hat Lothar Hayo, Vogel-Spezialist der Nabu-Ortsgruppe, unter anderem das Odinshähnchen gesichtet, eine seltene arktische Schnepfenart. Anderen Vögeln - darunter nach Doerrs Auskunft der Teichrohrsänger und die Rote-Liste-Arten Zwergtaucher und Flussregenpfeifer - dienen die Weiher als Brutquartier. Überdies beherbergen sie eine Fülle von Amphibien-Arten, auch eine größere Population der streng geschützten Wechselkröte. dd